Reaktionen auf die neuen Corona-Regelungen

Enttäuschung bei Gastronomie und Handel im Kreisteil Hofgeismar

Eine Frau steht im leeren Gastraum eines Restaurants.
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Sie muss immer noch auf Gäste warten: Kirsten Weiß, die die „Deutsche Eiche“ in Grebenstein seit etwa einem Jahr führt.

Die jüngsten Regelungen zur Coronapandemie wirken sich auch in unserer Region aus. Wir haben uns dazu bei betroffenen Branchen und Institutionen umgehört.

Kreisteil Hofgeismar – Einkaufen im Einzelhandel mit Termin fällt wieder weg, ein Besuch im Tierpark Sababurg bleibt aber möglich: Die Coronabeschlüsse sorgen im Kreisteil Hofgeismar für zwiespältige Gefühle.

Einzelhandel

„Es muss Schluss sein mit den Durchhalteparolen. Dafür hat keiner mehr Verständnis“, schimpft Heike Claus, Vorsitzende der Gemeinschaft für Handel und Gewerbe Hofgeismar, angesichts der neuen Corona-Regeln. Wenn sie sich mit Menschen unterhalte, dann höre sie Wörter wie Entsetzen, Fassungslosigkeit, Resignation und Verzweiflung.

Heike Claus

Die Maßnahmen seien voller Widersprüche: Ein Urlaub in einer deutschen Ferienwohnung gehe nicht, aber im Flugzeug nach Mallorca zu fliegen, sei möglich. Das entbehre jeder Logik. Das gelte auch für die Ruhetags-Regelung rund um Ostern. Wenn Gründonnerstag die Geschäfte geschlossen sein sollten, könne man sich ja vorstellen, „was am Samstag in den Geschäften los ist“. Dann seien „die Maßnahmen für die Katz´“ und weitere Infektionen die Folge. Claus bedauert und kritisiert, dass auch „Click & Meet“ nicht mehr möglich sei, die Möglichkeit zu einer Anmeldung zum Einkauf in Einzelhandelsgeschäften.

Gastronomie

„Für uns ändert sich eigentlich erst mal nichts“, sagt Kirsten Weiß, Inhaberin der Deutschen Eiche in Grebenstein. Ihr Betrieb müsse so oder so geschlossen bleiben. „Was wirklich schlimm wäre, wäre ein Verbot des To-Go-Geschäfts, dass wir am Wochenende anbieten“, ergänzt Weiß. Bei den Außerhaus-Bestellungen sei jedoch ein Rückgang erkennbar. „Es gibt Tage, da machen wir ein Essen, an anderen dann wieder mehr.“ Gut angekommen sei ihr Osterangebot. „Die Speisen sind vakuumiert und können einfach aufgewärmt werden“, sagt die Inhaberin. Obwohl der Bestellzeitraum abgelaufen ist, nehme sie einzelne Bestellungen noch an.

„Uns geht langsam das Verständnis aus“, sagt Ann-Sophie Przyludzki vom Hotel und Restaurant Kronenhof in Oedelsheim. Mallorca-Urlaub sei möglich, aber Gäste im Weserbergland zu begrüßen noch immer ein Tabu, so etwas könne man sich nicht erklären, sagt die Hotelleiterin.

Auch der Kronenhof bietet Speisen zum Abholen an. Wirtschaftlich gesehen sei dies aber nicht wirklich der Rede wert und befinde sich schon wieder im Rückgang: „Es bügelt einfach nicht die fünfmonatige Schließung eines ganzen Hotelbetriebes aus“, erklärt Przyludzki. Nun hoffen sie und ihre Familie auf den Mai. Und sie nutzen die Zeit, um das Hotel weiter auf die Öffnung vorzubereiten.

Arnold Bunzenthal vom Hessischen Hof in Bad Karlshafen sieht aktuell ebenfalls keine Veränderung für sein Geschäft. „Gerade machen wir den Außenbereich fertig und bauen Zelte auf, um warme Speisen wettergeschützt anbieten zu können, wenn es wieder erlaubt ist“, sagt der Inhaber. Die Speisekarte ändere sich je nach Jahreszeit, um Abwechslung zu schaffen. So freue er sich aktuell über den Beginn der Spargelsaison.

„Wir haben Geschäftsleute im Haus, allerdings ist die Anzahl sehr überschaubar“, sagt Bunzenthal. „Wir sind gerüstet für die Öffnung und warten nur auf grünes Licht vom Gesetzgeber.“

Kirchen

Ob es an den Feiertagen rund um Ostern klassische Gottesdienste in den Kirchen geben wird, ist unterdessen noch offen. Die auf dem Corona-Gipfel formulierte Bitte von Bund und Ländern, religiöse Versammlungen in der Osterzeit nur virtuell zu veranstalten, habe die Evangelische Kirche sehr überrascht, sagt Dr. Anja Berens von der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck auf Anfrage unserer Zeitung.

Betroffen wäre das für Christen höchste Fest – und das zum zweiten Mal. Voriges Jahr mussten evangelische und katholische Christen auf den Kirchgang zu Ostern verzichten. Im ersten Lockdown waren die Gottesdienste untersagt.

„Wir werden nun die weiteren angekündigten Gespräche abwarten und um Erläuterung bitten, warum unsere bewährten Hygienekonzepte nun nicht mehr ausreichen sollen“, sagt Berens.

Sven Wollert, Sprecher des Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen, verwies darauf, dass erst wenige Kirchen wieder geöffnet hätten. Viele setzten weiterhin auf digitale Lösungen. Oder sie böten ihre Andachten „on Leine“ – aufgehängt an einer Leine – an. Weiteres könne man erst nach dem Gespräch mit der Landesregierung am Donnerstag sagen.

Ähnlich sieht die Situation bei den Katholiken aus. Das Bistum warte noch auf die Gespräche mit der Landesregierung, im Dekanat werde man sich heute besprechen, teilte Pastoralreferent Stefan Ahr von der katholischen Kirche in Kassel mit. Selbst wenn es keine offizielle Vorgabe aus Fulda geben sollte, würden viele Gemeinden vermutlich der Bitte um Verzicht auf Live-Gottesdienste folgen, sagte Ahr. Der Hofgeismarer Pfarrer Martin Schöppe hält das für angemessen. Der Verzicht auf Gottesdienste sei derzeit ein Beitrag, mit dem sich Gläubige für den Schutz des Lebens einsetzen könnten.

Tierpark Sababurg

Der Tierpark Sababurg soll weiter geöffnet bleiben, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. Ausnahme sei die mit den neuen Coronaregeln beschlossene allgemeine Ruhephase von Gründonnerstag bis einschließlich Ostermontag. Ansonsten bleibe das Prozedere gleich: Nach vorheriger Terminvereinbarung für den Einlass kann der Tierpark besucht werden, Infos gibt es dazu auch unter tierpark-sababurg.de.

Testzentren

Beim Thema Schnelltests, die nach dem Willen der Landesregierung noch ausgeweitet werden sollen, sieht sich der Landkreis in seinem Vorgehen bestätigt. Man habe als einziger Landkreis Hessens koordiniert Testzentren in dieser Größenordnung geschaffen, sagt Kühlborn. Dafür sei man auch vom Sozialministerium gelobt worden. Alle zehn großen Testzentren sind mittlerweile in Betrieb, dazu kommen noch Angebote von Apotheken. Eine Übersicht und Infos dazu gibt es auf landkreis-kassel.de. (Luisa Weckesser, Katja Rudolph, Bernd Schünemann , Matthias Müller)

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