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Katholischer Pfarrer aus Hofgeismar erklärt wichtige Oster-Riten

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Von: Thomas Thiele, Daria Neu

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Die Osterkerze bedeutet ihm sehr viel: Pfarrer Martin Schöppe führt durch die Gottesdienste in der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar.
Die Osterkerze bedeutet ihm sehr viel: Pfarrer Martin Schöppe führt durch die Gottesdienste in der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Hofgeismar. © Thomas Thiele

Die Botschaft der Hoffnung spielt eine zentrale Rolle im Oster-Gottesdienst. Welche Riten dies deutlich machen, hat der katholische Pfarrer Martin Schöppe aus Hofgeismar erklärt.

Hofgeismar – Das Osterfest verbinden viele Menschen mit der Geschichte vom Hasen, der bunte Eier bemalt und sie anschließend versteckt. Der Mythos erfreut und verzaubert jedes Jahr aufs Neue vor allem Kinder. Es ist eine nette Tradition, findet der katholische Pfarrer Martin Schöppe aus Hofgeismar. Doch für ihn ist Ostern in erster Linie das zentrale christliche Fest im gesamten Kirchenjahr. „Ohne es gäbe es das Christentum nicht.“

Gründonnerstag bis Ostermontag – laut Schöppe gehören alle vier Tage zusammen und formen ein großes Ganzes, das bei ihm viele Emotionen auslöst. Das Leiden Jesu, das Sterben am Kreuz und schließlich die Auferstehung. „Durch verschiedene Riten möchte ich in den Gemeindemitgliedern etwas bewegen“, sagt er. Glauben soll spürbar, anfassbar, sichtbar werden. Denn die Botschaft an Ostern sei gewaltig: Selbst nach den dunkelsten Stunden gebe es Hoffnung auf ein Licht.

Gründonnerstag

Alles startet mit dem Eröffnungskreuzzeichen am Gründonnerstag. In den Tagen zuvor, erklärt Schöppe, haben einige Gemeindemitglieder bereits gebeichtet, um vor der Osterzeit um die Vergebung ihrer Sünden zu bitten. Das Abendmahl am Gründonnerstag habe eine besonders große Bedeutung. „Es geht darum, das Gefühl von Gemeinschaft zu erzeugen, das sich Jesus am letzten Tag vor seinem Tod gewünscht hat.“ Vor allem in Coronazeiten sei dies natürlich nicht gut möglich gewesen. Umso mehr freue sich der Pfarrer in diesem Jahr darauf, wieder mit mehr Menschen zusammen sein zu können – wenn auch inklusive Maskenpflicht.

Das Brot in der Hand zu halten, berühre ihn jedes Mal wieder. „Ich liebe die stillen Augenblicke.“ Besondere Bedeutung am Gründonnerstag habe aber auch ein kleines Ölgefäß. Es soll daran erinnern, dass Jesus seinen Jüngern die Füße im Zeichen des Dienens gewaschen hat. „Die Krankensalbung ist ein wichtiges Sakrament“, sagt Schöppe. Auch er gehe in diesen Tagen auf die Intensivstationen oder zu kranken Gemeindemitgliedern nach Hause, um den Leidenden eine Ehre zu erweisen.

Karfreitag

Jeder Schmuck – egal ob Blumen, Kerzen oder Tücher – verschwinden an Karfreitag aus der Kirche. „Im Grunde ist sie komplett kahl.“ Das sei ein Symbol für die Nacktheit. Das Kreuz, das in der Fastenzeit verhüllt war, wird an Karfreitag enthüllt und gezeigt. Auch hierbei gehe es darum, hinzuschauen, ein Auge für das Leiden zu haben, erklärt Schöppe. „Wer möchte, kann das Kreuz berühren oder sich davor verneigen.“ Auch hierbei stehe das Spürbare, das Anfassbare am Glauben im Fokus. „Für mich ist das neben dem Halten des Brotes beim Abendmahl der bewegendste Moment“, sagt der Pfarrer. Der Blick auf das nackte Kreuz löse vieles in ihm aus.

Das Kreuz wird erst am Karfreitag enthüllt.
Das Kreuz wird erst am Karfreitag enthüllt. © Thomas Thiele

In der Regel findet der Gottesdienst an Karfreitag um 15 Uhr statt, das sei die Todesstunde Jesu. Die stille und kahle Atmosphäre bestimmen diesen besonderen, vielleicht sogar wichtigsten Tag im Kirchenjahr.

Karsamstag

Als Tag der Ruhe ohne Gottesdienste und ohne Glockengeläut beschreibt Schöppe den Karsamstag. Festlich werde es dann erst wieder in der Nacht zum Ostersonntag, die wie der Name schon sagt, auch als Osternacht bezeichnet wird.

Das Ölgefäß als Zeichen der Krankensalbung.
Das Ölgefäß als Zeichen der Krankensalbung. © Thomas Thiele

Ostersonntag

Dann wird es hell und hoffnungsvoll. Die neue Osterkerze erleuchtet die dunkle Kirche erstmals nach den Tagen des Leidens wieder mit ihrem Schein. Angezündet wird sie am Osterfeuer. Sie ist das Zeichen der Auferstehung und wird von jetzt an das ganze Jahr über bei den Gottesdiensten brennen.

„Wenn ich mit der Kerze in der Hand in die dunkle Kirche komme, ist das ebenfalls ein sehr bewegender Moment“, sagt Schöppe.

Neben einem Kreuz und der aktuellen Jahreszahl sind auf der Osterkerze außerdem die Zeichen Alpha und Omega zu finden – sie stehen für Gott und Jesus als den Anfang und das Ende allen Seins. Mit kleinen Wachs-Steckern, die die Nägel symbolisieren sollen, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde, wird die Kerze außerdem bestückt. „Die Wundmale sollen uns an das Leid erinnern“, sagt der Pfarrer und denkt dabei auch an die vielen Menschen, die derzeit um ihre Angehörigen in der Ukraine bangen müssen.

Ein zentrales Element am Ostersonntag ist abgesehen vom Licht auch das Wasser. Die Kerze wird neben dem Taufbecken aufgestellt, an dem Eltern nicht selten am Osterfest ihre Kinder taufen lassen. Auferstehung, neues Leben, Hoffnung werden spürbar gemacht durch Licht und Wasser – es ist eine Nacht voller Symbole sozusagen. Am Ende des Gottesdienstes darf sich jeder Besucher eine kleine Osterkerze mit nach Hause nehmen.

Ostermontag

Sowohl am Ostersonntag als auch am Ostermontag finden festliche Gottesdienste statt. „Dabei wird einfach groß und ausführlich gefeiert“, erklärt Schöppe und lacht. In der Coronazeit habe er auch die Stille des persönlichen Gebets zu schätzen gelernt.

Doch gerade an Ostern sei es ein Geschenk, in größerer Gemeinschaft zu feiern und zusammen an die Auferstehung Jesu zu denken. Sie sei es schließlich, die alle Christen miteinander vereint und zeigt, dass sie alle am Ende des Tages trotz vieler unterschiedlicher Konfessionen denselben Glauben an Gott leben. (Daria Neu und Thomas Thiele)

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