Christbaum aus dem Reinhardswald

Event mit Tradition: Familien suchten Weihnachtsbäume direkt im Wald aus 

+
Zum ersten Mal selbst gefällt: Steffen Wagenhausen (links) und Tochter Thea (3) aus Udenhausen kaufen ihren ersten selbst geschlagenen Christbaum bei Michael Heyer (rechts). Dessen Sohn Maximilian (15) hilft beim Verkauf.

Hombressen. Die Bäume sind frisch und nadeln kaum: Seit 12 Jahren veranstaltet Förster Michael Heyer seinen jährlichen Weihnachtsbaumverkauf direkt im Reinhardswald. 

Sonntagmorgen, 10 Uhr. Noch herrscht Ruhe im Reinhardswald. Die ersten Familien mit Kindern treffen an der Revierförsterei Waldhaus nahe Hombressen ein. Die Stimmung ist entspannt, Vorfreude macht sich breit. 

In wenigen Minuten können sie ihren eigenen Weihnachtsbaum aussuchen und selbst fällen. Auch Familie Schäfer aus Kassel wartet gespannt darauf, dass es losgeht. „Es ist einfach ein schöneres Gefühl, den Baum selber auszusuchen“, sagt Martina Schäfer. Sie und Ehemann Tobias haben bereits vor der Geburt von Tochter Emilia (3) ihren Baum selbst geschlagen. Sie ist dieses Jahr das erste Mal mit dabei. „Jetzt ist es für uns ein tolles Familienevent.“

Immer mehr Autos kommen an, der Parkplatz füllt sich. Dann geht es los. Vom Forsthaus sind es noch etwa drei Kilometer bis zu der Stelle, wo die Christbäume gefällt werden. Förster Michael Heyer führt die Kolonne von Autos an, die sich durch den Wald schlängelt. Ziel ist eine kleine Lichtung. Von dort aus können alle selbstständig losgehen und sich ihren Baum an den von Heyer ausgewiesenen Stellen schlagen. Das Sägen selbst nimmt nur wenige Minuten in Anspruch, am längsten brauchen die meisten, um ihren perfekten Weihnachtsbaum zu finden. „Bei manchen dauert das Aussuchen auch schon mal zwei Stunden“, verrät Heyer schmunzelnd. Für viele gehört es zur Tradition, ihren Baum selbst zu fällen. „Seit ich denken kann, holen wir unseren Baum hier“, sagt Johanna Hille (11) aus Hofgeismar.

Seit zwölf Jahren veranstaltet Heyer den jährlichen Weihnachtsbaumverkauf direkt im Wald. Am Anfang seien nur ein paar Leute gekommen, doch mit der Zeit seien es kontinuierlich mehr geworden. „Für viele ist es eine tolle Möglichkeit, mit Kindern Natur zu erleben. Außerdem legen immer mehr Menschen Wert darauf, dass die Bäume nicht gespritzt sind“, so der Förster. Die Bäume, die hier geschlagen werden können, haben sich alle selbst ausgesät. „Diese Bäume sind absolut frisch, sie nadeln auch kaum, weil sie heute erst abgesägt wurden“, erklärt Heyer. Die fertig verpackten Weihnachtsbäume aus dem Supermarkt lagerten dagegen zum Teil schon seit September in Kühlhäusern. Sie würden meistens auf Plantagen angepflanzt und mit Intensivchemie behandelt. „Wenn die behandelten Bäume dann im Wohnzimmer in der Wärme stehen, fangen sie an, die Chemikalien auszudünsten.“ Der Wald nimmt durch das Baumschlagen keinen Schaden. „Durch das natürliche Aussäen stehen die Bäume viel zu dicht und wir müssten sowieso von Zeit zu Zeit welche entfernen“, sagt der Förster. 

Von Lilli Elsebach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.