Anträge von SPD-Fraktionen

Fahrt nach Kassel soll günstiger werden: Diskussion über NVV-Tarife

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Auf der Schiene nach Kassel: Die Grebensteiner SPD möchte, dass auch die Stadt, hier der Bahnhof, zum Tarifgebiet Kassel plus zählt.

Hofgeismar. In Grebenstein, Immenhausen und Hofgeismar gibt es Bestrebungen, die Kommunen in den NVV-Tarif Kassel plus aufzunehmen. Die Parlamente werden darüber diskutieren.

In allen drei Kommunen haben die SPD-Fraktionen Anträge gestellt, in denen der Magistrat aufgefordert wird, mit dem NVV diesbezügliche Verhandlungen zu führen. Die Zustimmung der anderen Fraktionen ist wahrscheinlich, die Schwierigkeiten werden erst anschließend beginnen, wenn es ums Geld geht.

Denn wenn der NVV eine Stadt zum Kassel-plus-Gebiet erklärt – und entsprechend den Tarif senkt – bittet der Verkehrsverbund die betroffene Kommune, die Mindereinnahme zu übernehmen.

Die Finanzierung ist das größte Problem

Calden, das seit Jahren im Kassel-plus-Gebiet liegt, zahlt jährlich 60.000 Euro für den Standort-Vorteil, sagt Bürgermeister Maik Mackewitz. Ähnlich hoch dürfte der Betrag in Immenhausen liegen. Für Grebenstein rechnet der NVV mit einem „sechsstelligen Betrag im unteren Bereich“, für Hofgeismar im „mittleren sechsstelligen Bereich“, sagt Sabine Herms, Sprecherin des NVV und fügt hinzu: „Irgendwo muss das Geld herkommen.“

Das bestreitet niemand. Allerdings sei die Frage, ob das Geld von den betroffenen Kommunen kommen müsse. Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor denkt großflächig und nicht nur in Tarifeinheiten. „Wenn von Norden her weniger Autos auf der Holländischen Straße in Kassel fahren, entschärft das die Umweltbelastung von Kassel.“ Da die Zufahrtsstraße für das Oberzentrum ein neuralgischer Punkt sei, könne auch die Stadt Kassel einen finanziellen Beitrag leisten.

Die Stadt Kassel sagt dazu nichts. Sie gibt „zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme ab“, heißt es in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.

Ist Grebenstein im Nahverkehr benachteiligt?

Wilhelm Neutze, Fraktionsvorsitzender der SPD in Grebenstein, sieht seine Stadt vom NVV benachteiligt. Die Fahrkarten, die die Grebensteiner für die Nutzung der Regiotram nach Kassel zahlen müssen, sind zu hoch, meint er. Seine Fraktion stellte einen Antrag, der Magistrat soll mit dem NVV Kontakt aufnehmen, um ins Tarifgebiet „Kassel plus“ aufgenommen zu werden. Von Wilhelmshausen aus sei es beispielsweise deutlich weiter nach Kassel als von Grebenstein. Der öffentliche Nahverkehr aber sei billiger, weil Wilhelmshausen zu Fuldatal und damit zum Tarifgebiet Kassel plus zählt.

Am 23. April wird sich das Grebensteiner Stadtparlament mit dem SPD-Vorschlag beschäftigen. Er wird ziemlich sicher eine breite Mehrheit finden. Und Grebenstein ist nicht die einzige Stadt, in der die Fahrpreise thematisiert werden.

Ebenfalls auf Vorschlag der SPD wird sich am 24. April Immenhausens Stadtverordnetenversammlung damit auseinandersetzen. Auch diese Stadt ist kein Kassel-plus-Gebiet. Und in Hofgeismar gibt es ebenfalls einen Antrag von der SPD. „Wir wollen das Thema in die Diskussion und den Stein ins Rollen bringen“, sagt Peter Nissen. 

Auch ein Ziel: Den ländlichen Raum stärken

Schließlich gelte es, den ländlichen Raum zu stärken – und hohe Fahrpreise ins Oberzentrum und zu den dort ansässigen Arbeitsplätzen seien da nicht förderlich.

Wer sich die NVV-Landkarte ansehe, erkenne schnell, „dass es in Ordnung wäre, wenn wir ins Kassel-plus-Gebiet reinkommen“, sagt Grebensteins Neutze. Dass die Finanzierung „ein Riesenproblem wird“, ist ihm dabei klar.

Denn werden die Fahrkarten preiswerter, müssen die Kommunen die Einnahmeausfälle dem NVV ersetzen, sagt Sabine Herms, Presse-Sprecherin des Unternehmens. 

Derzeit kostet „unser Angebot bei Zug und Bus“ etwa 150 Millionen Euro im Jahr, so Herms. 32 Prozent kämen durch den Fahrkartenverkauf wieder herein. Wenn zusätzliches Geld fehle, müsse man das Angebot einschränken – oder aber jemand anderes müsse zusätzlich bezahlen.

Manche Kommunalpolitiker blicken dabei zur Stadt Kassel, die von einem guten Nahverkehr ebenfalls profitiert. Weniger Autos bedeuten weniger Umweltbelastungen, vor allem für die Einwohner entlang der Einfallsstraßen, wie der Holländischen Straße. Doch die Stadt legt sich nicht fest. Mit einer Zusage rechnet kaum jemand.

Treffen der Bürgermeister mit dem NVV

Möglicherweise kommen schon bald neue Finanzierungsvorschläge auf den Tisch. In nächster Zeit will sich NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch mit den Bürgermeistern aus dem Altkreis Hofgeismar treffen. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest.

 „Wir sind gerade bei der Terminabsprache“, sagt Herms. Wie stark die Bürgermeister aus dem Altkreis bei dem Treffen auftreten können, hängt vom Geld ab, das sie in die Waagschale legen können – aber auch von den Beschlüssen, die die Kommunalparlamente in Grebenstein, Immenhausen und Hofgeismar treffen werden.

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