Überbelegung in Frauenhäusern

Fehlende Plätze: Frauenhaus im Landkreis Kassel ist voll belegt

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Symbolbild

Während und nach den Feiertagen nehmen familiäre Spannungen häufig zu - Gewalt gegen Frauen steigt an. Seit Wochen ist im Frauenhaus im Landkreis Kassel kein Platz mehr frei. 

In der Zeit um Weihnachten und Neujahr, wenn Familien enger als sonst im Jahr beieinander sind, ist nicht immer nur Harmonie angesagt. Es ist auch die Zeit, in der Aggressionen und Gewalt gegen Frauen ansteigen. Dann sind die Frauenhäuser in Deutschland voll belegt. Auch im einzigen Frauenhaus im Landkreis Kassel ist schon seit Wochen kein Zimmer mehr frei.

Das Phänomen, dass während und unmittelbar nach Feiertagen familiäre Spannungen zunehmen und Frauen vermehrt Opfer körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt werden, „beobachten wir schon seit Jahren“, sagt Anette Milas, Vorsitzende des Vereins Frauen helfen Frauen im Landkreis Kassel e.V., der das Frauenhaus betreibt.

Das Haus verfügt über 14 Plätze und fünf Zimmer. Zusätzlich hält der Verein eine Schutzwohnung mit zwei weiteren Zimmern vor. Schon seit Anfang Dezember seien alle Plätze belegt, sagt Milas. Das Frauenhaus ist Teil eines bundesweiten Netzes. Das macht es möglich, dass aktuell von Gewalt bedrohte Frauen aus dem Kreisgebiet auch in andere Häuser vermittelt werden – nicht nur in Hessen, sondern bundesweit. Um gewalttätige Männer auf Distanz zu halten, könne eine Unterbringung an einem entfernteren Ort manchmal auch sinnvoll sein, sagt Milas.

"Müsste mehr Schutzplätze geben"

Die Vereinsvorsitzende weist darauf hin, „dass es eigentlich viel mehr Schutzplätze geben müsste“. Noch heute litten hessische Frauenhäuser unter der „Operation sichere Zukunft“ des Jahres 2003. Damals ordnete die von Roland Koch geführte CDU-Landesregierung ein Milliardensparprogramm an. 

Im Zuge dessen verlor das Frauenhaus im Kreis nicht nur einen Landeszuschuss von 90.000 Euro im Jahr, sondern auch fast die Hälfte seiner ehemals 24 Plätze. Das Frauenhaus der Stadt Kassel könne den Wegfall von 14 Plätzen auffangen, sei damals argumentiert worden, sagt Anette Milas.

Der Bedarf an Schutzräumen ist seitdem nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Es habe über die Jahre zwar keinen sprunghaften Anstieg gegeben, aber eine stetig wachsende Zahl von Schutz suchenden Frauen. Das liege auch daran, dass Frauen heute besser über Rat und Hilfen informiert seien.

Drei Monate Aufenthalt im Durchschnitt

Nach dem Sozialbericht des Landkreises Kassel 2017 konnte 23 Frauen und 26 Kinder ein Platz im Frauenhaus angeboten werden. 117 Frauen mit 134 Kindern wurden an andere Frauenhäuser vermittelt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Frauenhaus beträgt etwa drei Monate. Nicht selten bleiben Frauen dort auch sechs Monate und länger.

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