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Feuerwehrmann über Brände zur Weihnachtszeit: „Feuer nie unbeaufsichtigt lassen“

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Von: Markus Löschner

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Diese Kerze leuchtet mit Batteriestrom: Dag Steinchen mit Adventsdeko, die auch mal unbeaufsichtigt bleiben kann.
Dag Steinchen hat 40 Jahre Erfahrung als Feuerwehrmann © Markus Löschner

Wie kann man diese Brände vermeiden und wenn es doch passiert, welche Versicherung zahlt und wann zahlt sie nicht? Darüber sprachen wir mit Dag Steinchen, Versicherungsbetriebswirt und stellvertretender Stadtbrandinspektor von Bad Karlshafen.

Bad Karlshafen – Die Kerzen auf dem Adventskranz leuchten und liefern die gemütliche Weihnachtsstimmung zum WM-Spiel. Wer in der Halbzeitpause den Raum verlässt, handelt aber fahrlässig. Was, wenn jetzt die Adventsdeko Feuer fängt und sich das zum Wohnungsbrand auswächst?

Brände zur Weihnachtszeit sind in Deutschland seit Jahren rückläufig, der Gesamtverband der Versicherer zählte vergangenes Jahr aber immer noch 7000 zusätzliche Brände mit einem Schaden von 26 Millionen Euro. Die Versicherungen erwarten zu Advent und Silvester 40 bis 50 Prozent mehr Brände.

Herr Steinchen, wann haben Sie das letzte Mal einen brennenden Weihnachtsbaum gelöscht?

Das muss in den 1980er-Jahren gewesen sein (lacht). Zum Glück ist hier in letzter Zeit nicht viel passiert. Nur zu Silvester ist man dann doch etwas angespannt.

Was kann jeder tun, um Brände zu verhindern?

Zunächst darf offenes Feuer von der Kerze bis zum Kamin nie unbeaufsichtigt bleiben. Außerdem dürfen keine leicht brennbaren Gegenstände in Reichweite sein. Bei echten Kerzen am Weihnachtsbaum sollte ein Schaumlöscher oder eine Gartenspritze bereitstehen. Rauchmelder in Haus oder Wohnung sorgen dafür, dass man Brände rechtzeitig bemerkt.

Welche Brandursachen sollte man noch im Blick haben?

Etwa jeder dritte Brand wird durch Elektrizität verursacht. Akkus sind da ein Thema. Man sollte sie immer kühl und trocken lagern und Ladegeräte wie auch alle anderen elektrischen Geräte vom Netz trennen oder abschalten, wenn man das Haus verlässt. Leitungen und Steckdosen dürfen nicht überlastet werden. Das Raclette zu Silvester mit anderen Verbrauchern an einer Mehrfachsteckdose zu betreiben, ist keine gute Idee.

Wenn es doch passiert – welche Versicherungen kommen für die Schäden auf?

Was durch Feuer oder Löschwasser in der Wohnung beschädigt wird, trägt die Hausratversicherung. Für Schäden am Gebäude kommt die Wohngebäudeversicherung auf. Für Mieter ist eine Haftpflichtversicherung zu empfehlen, falls durch einen fahrlässig oder grob fahrlässig verursachten Brand Schäden am Gebäude entstehen.

Wann gibt es Probleme mit der Versicherung?

Abgesehen von vorsätzlich herbeigeführten Schäden, kann es bei grober Fahrlässigkeit zu Schwierigkeiten kommen. Aktuelle Versicherungstarife schließen diese Fälle in der Regel ein – hier sollte man seinen Tarif überprüfen.

Was ist grob fahrlässig?

Wenn ich trotz brennender Kerzen den Raum kurz verlasse, ist es fahrlässig. Wenn ich ins Bett gehe oder das Haus verlasse, liegt grobe Fahrlässigkeit vor. Auch wer einen Toaster mit angeschmortem Kabel wissentlich weiter benutzt, handelt grob fahrlässig.

Besonders die Gebäudeversicherungen sind in letzter Zeit durch größere Unwettergefahren und steigende Baupreise teuer geworden und der Trend wird wohl noch anhalten. Was tun, wenn das Geld knapp wird?

Mit dem Versicherungsfachmann reden. Manchmal hilft es schon, den Zahlungstermin zu ändern, damit nicht alle Versicherungen und Abgaben gleichzeitig im Januar kommen. Der Einbau einer Eigenbeteiligung senkt die Kosten. An der Versicherungssumme und den Inhalten sollte man als letztes schrauben. (Markus Löschner)

Zur Person

Dag Steinchen ist gebürtiger Helmarshäuser und hat mit Unterbrechungen sein Leben dort verbracht. Seine Feuerwehrlaufbahn startete er 1977 in der Helmarshäuser Jugendwehr. Heute ist er stellvertretender Stadtbrandinspektor von Bad Karlshafen und gehört fast 40 Jahre der Einsatzabteilung an. Steinchen ist selbstständiger Versicherungsbetriebswirt, er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Neben der Feuerwehr engagiert er sich im Bürgerverein Bad Karlshafen-Helmarshausen, dessen Vorsitzender er derzeit ist. (zlö)

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