Ausbildung mit guter Note abgeschlossen

Flüchtling Atinaf Nago Agee ist Koch-Geselle in Hofgeismar

Gegessen wird immer: Atinaf Nago Agee (links) hat seine Kochlehre mit guter Note abgeschlossen. Seine Begeisterung und sein Können bestätigt auch sein Ausbilder Bodo Homburg. Hinten Küchenhilfe Maria Bruch.
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Gegessen wird immer: Atinaf Nago Agee (links) hat seine Kochlehre mit guter Note abgeschlossen. Seine Begeisterung und sein Können bestätigt auch sein Ausbilder Bodo Homburg. Hinten Küchenhilfe Maria Bruch.

2015 kamen viele Geflüchtete aus Bürgerkriegsländern nach Deutschland, auch in den Kreisteil Hofgeismar. Wir stellen hier einen von ihnen vor und berichten, was aus ihm wurde.

Hofgeismar/Sababurg – „Essen kann man nie genug“, meint der frischgebackene Koch-Geselle Atinaf Nago Agee. Und sein Ausbilder Bodo Homburg im Restaurant „Zum Thiergarten“ in Sababurg ergänzt: „Als Koch findet man immer was.“

Er betont das angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent der Koch-Azubis wieder aufgeben, oft wegen der herausfordernden Arbeitszeiten. Der 2015 aus Äthiopien geflohene Atinaf Nago Agee stürzte sich dagegen in den Beruf: Durch ein Drei-Monats-Praktikum bei der Arbeitsförderungsgesellschaft AGiL auf den Geschmack gekommen, begann er eine Ausbildung, die er (wie auch drei weitere Flüchtlinge aus Gieselwerder) trotz anfänglicher Sprachprobleme im ersten Anlauf bestand. Da er gut Englisch spricht, übte er sich schon in der Unterkunft in Gieselwerder als Dolmetscher.

Besuchte Sprachschule in Kassel

Nach dem Praktikum mit Einstiegsqualifikation begann er eine dreijährige schulbegleitete Koch-Ausbildung in Sababurg und besuchte zudem eine Sprachschule in Kassel. Bei Veranstaltungen und Büfetts im „Thiergarten“ und in der Elchlodge hatte er Kontakt zu vielen Gästen, was ebenfalls beim Deutschlernen half.

Er ist jetzt 24 Jahre alt, so gut das zu berechnen ist. Denn unser gregorianischer Kalender, der arabische und der äthiopische Kalender weichen um mehrere Tage und auch Jahre voneinander ab – in Äthiopien beispielsweise zählt man gerade das Jahr 2012. Diese Probleme führen dazu, dass viele Flüchtlinge in ihren Dokumenten bei uns als Geburtstag den 1. Januar eingetragen bekommen.

Hoffen auf dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung

Nach Angaben des Ausbilders Homburg war es anfangs schwierig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Man hoffte auf das Facharbeitereinwanderungsgesetz. „Überall werden Köche gesucht, da ist es doch dumm, sie wieder wegzuschicken“, meint Homburg. Über den Asylantrag des Äthiopiers ist noch nicht entschieden, er wird immer nur für drei Monate geduldet. Er versucht mit der Ausländerbehörde seine Geburtsurkunde zu bekommen, damit er nachweisen kann, dass er aus Äthiopien stammt und einen Pass beantragen kann.

Warum er und seine Familie verfolgt wurden, darüber möchte er aus Rücksicht auf die Verwandtschaft nicht sprechen. Sein Weg nach Deutschland war abenteuerlich und führte über Sudan, Libyen, Italien und Frankreich. Er reiste in sehr unterschiedlichen Gruppen, die immer wieder neu gemischt wurden „mit sehr komplexen Schicksalen“.

Vor allem hofft Atinaf Nago Agee auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bei uns: „Das macht unzufrieden, wenn man nicht die Zukunft planen kann.“ Zum Glück hat er „viele Freunde in Gieselwerder und überall. (Thomas Thiele)

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