Kleinen Stadtteil erhalten

Forderung: Beberbeck nicht abreißen, sondern für Flüchtlinge umbauen

Umbau für Aussiedler: Die ehemaligen Wohngebäude (hier das Beamtenhaus) in Beberbeck wurden 1992 saniert und dienten etwa zehn Jahre lang als Unterkunft für Aus- und Übersiedler. Nun stehen sie leer und für Flüchtlinge zur Verfügung, sagt Dr. Udo Schlitzberger (kleines Foto). Archivfoto: Thiele

Calden/Beberbeck. Beberbeck nicht abreißen, sondern zu einem Projekt mit Vorbildfunktion zur Integration von Flüchtlingen machen - das schlägt Ex-Landrat Udo Schlitzberger vor.

Der SPD-Politiker hat seine Idee nun konkretisiert. Das Konzept:

Statt den kleinsten Stadtteil Hofgeismars durch den geplanten Abriss der Landarbeiterhäuser praktisch aufzulösen, soll dort wieder Leben durch Flüchtlinge einkehren. Die könnten in das ursprünglich für Aussiedler geschaffene Übergangsheim einziehen. In den 90er-Jahren waren dort bis 500 Menschen untergebracht gewesen. „Auch eine Nutzung der leer stehenden alten Landarbeiterhäuser wie die Schaffung neuen Wohnraums ist denkbar“, sagt Schlitzberger.

Hier könnten vielleicht auf Dauer die Menschen eine neue Heimat finden, die wegen ihres Glaubens in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens verfolgt werden - insbesondere Familien aus Syrien und dem Nordirak, die derzeit in Calden in Zelten leben müssten.

In Kooperation mit umliegenden Kommunen, Einrichtungen wie Schulen, Altenhilfe und Betrieben sollten die Flüchtlinge dann fit fürs Leben und Arbeiten in Deutschland gemacht werden. Organisiert werden solle dies als interkommunale Zusammenarbeit. So könnten „die Städte Hofgeismar, Bad Karlshafen und Trendelburg gemeinsam mit dem Landkreis Kassel eine zukunftsorientierte Vernetzungsstrategie entwickeln“, sagt der Ex-Landrat.

Die Integration von asylberechtigten Flüchtlingen könne eine pragmatische Antwort auf den demografischen Wandel in der Nordspitze sein. Vorbild bei diesem Prozess sind für Schlitzberger die Hugenotten: „Dabei erfolgte die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge durch den Hessischen Landgrafen nicht nur aus christlicher Toleranz und Humanität, sondern auch aus demografischen und wirtschaftlichen Interessen“, sagt Schlitzberger.

In der neuen Heimat - insbesondere in den kleinen Städten und Dörfern - seien die Flüchtlinge damals zunächst mit Skepsis und Ablehnung der Bevölkerung konfrontiert worden. „Ungeachtet dessen darf die Ansiedlung der Hugenotten und Waldenser sowie deren langfristige Integration als weitsichtig, beispielhaft und erfolgreich bezeichnet werden.“

Ob Schlitzbergers Vorschläge Gehör finden, ist schwer zu sagen. Vom Regierungspräsidium gab es dazu keine Stellungnahme. Dem Vernehmen nach prüft das RP aber Beberbeck als Unterkunft.

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