Neuankömmlinge im Beamtenhaus untergebracht

150 Flüchtlinge in Beberbeck: Areal wird abgeschirmt

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150 Flüchtlinge sind in Beberbeck eingetroffen.

Beberbeck. 150 Flüchtlinge wurden am Samstag vom Caldener Flüchtlingslager nach Beberbeck gebracht. Das Areal wird stark abgeschirmt.

Satzfetzen in fremdländischen Sprachen dringen durch die offenen Fenster des alten Beamtenhauses. Auf dem Vorplatz sind Frauen damit beschäftigt ihr Gepäck zu sortieren. Seit Samstagmittag ist Leben in den großen, erst vor einigen Jahren sanierten Bau in Beberbeck eingezogen - 150 Flüchtlinge aus dem Caldener Lager sind dort nun untergebracht.

Artikel aktualisiert am Sonntag um 17.56 Uhr.

Einblicke gibt es nur für wenige Sekunden in die neue Flüchtlingsunterkunft. Immer dann, wenn sich das Tor für kurze Zeit öffnet, kann man einen Blick auf den Vorplatz erhaschen. Neben den Neuankömmlingen kann man dann sehen, wie Mitarbeiter des Regierungspräsidiums (RP) Kassel versuchen, der Lage Herr zu werden. Auch Sicherheitspersonal, Dolmetscher und jede Menge Ehrenamtliche verschiedener Hilfsorganisationen sind dort im Einsatz.

Informationen über die neue Unterkunft zu bekommen, ist fast unmöglich. Vertreter des RP verweisen allesamt auf die Pressestelle, die wiederum nicht erreichbar ist. Man hätte ja auch Besseres zu tun, meinte ein RP-Mitarbeiter. Dass auch das Einfangen von Fotos nicht erwünscht ist, wundert nicht. Sicherheitspersonal ist schnell zur Stelle, um Journalisten mit Nachdruck am Fotografieren zu hindern.

In drei Bustouren werden dieFlüchtlinge nach Beberbeck gebracht. Kranke, Alte und Familien mit Kindern wurden für den kleinen Ort ausgewählt. Zwischen sechs und 13 Menschen sind in den Zimmern im Herrenhaus untergebracht. Oft auch zwei Familien gleicher Nationalität. Aufgrund eines Missverständnisses, weil nicht jeder mit der deutschen Toilettentechnik vertraut ist, verrichtete jemand seine Notdurft in einer Dusche, so dass diese abgeriegelt wurden. Zum Duschen soll es ab dieser Woche Möglichkeiten auf dem Gelände geben. Die WCs im Haus sind ebenfalls gesperrt. Dafür sind Miet-Klos als Alternative aufgestellt.

Noch am Samstagmittag beim Eintreffen der Flüchtlinge war längst nicht alles hergestellt. Die Mitarbeiter des RP seien stark überlastet, hieß es. „Auch wir sind am Ende - wir arbeiten seit Wochen durch, waren nicht einmal zuhause“, bestätigte ein Sicherheitsmann die Lage.

Zur Versorgung der Flüchtlinge hatte man ein Abkommen mit dem Trendelburger Supermarkt getroffen. Dieser sei die ganze Nacht in Bereitschaft, sagte eine Mitarbeiterin, die eine große Lieferung mit Müllsäcken und Feuchttüchern brachte. Das Abendessen wurde aus Baunatal geliefert. „Sämtliche Caterer sind doch ausgebucht, deshalb kommen wir von so weit her - und es gibt auch schon starke Auswirkungen beim Geflügel- und Rindfleischpreis“, so der Lieferant.

Nicht begeistert von Umgebung

Natürlich unternahmen die Neuankömmlinge erste Erkundungsversuche in der neuen Umgebung. Sie wollten gerne etwas einkaufen, da sie stets nur ein Brot zu den Mahlzeiten bekämen, was einfach zu wenig sei, erklärte eine junge Afghanin.

Als sie registrierte, dass dies hier in Beberbeck nicht möglich sei, zeigte sie sich sehr enttäuscht. Auch ein junger Albaner zeigte seinen Unmut über die aktuelle Situation. Kassel sei super gewesen, Calden nicht gut, aber hier hätten sie ja gar nichts. Auch die Kinder würden sich hier langweilen, bemerkten die Flüchtlinge. Außerdem wunderten sich viele, warum hier ihr Handy nicht funktionierte.

150 Flüchtlinge in Beberbeck eingetroffen

Das gesamte Areal ist mit einem blickdichten Zaun umgeben. Sicherheitspersonal bewacht die Einrichtung - es seien jeweils sechs Security-Mitarbeiter vor Ort, hieß es.

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