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Forstwirtin Vanessa Schulz schwingt regelmäßig die Sense im Reinhardswald

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Von: Sascha Hoffmann

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Sie sieht bei den Waldbewohnern von morgen nach dem Rechten: Forstwirtin Vanessa Schulz ist zufrieden mit den Jungpflanzen. Die im Reinhardswald verwendeten Eichen sind zwei Jahre alt und zwischen 40 und 60 Zentimeter groß.
Sie sieht bei den Waldbewohnern von morgen nach dem Rechten: Forstwirtin Vanessa Schulz ist zufrieden mit den Jungpflanzen. Die im Reinhardswald verwendeten Eichen sind zwei Jahre alt und zwischen 40 und 60 Zentimeter groß. © Sascha Hoffmann

Vanessa Schulz atmet einmal tief durch, als sie unweit des Wanderparkplatzes Forstscheid im leichten Nieselregen ihr Auto verlässt. „Das tut nicht nur uns, sondern auch unserem Wald gut“, freut sich die junge Forstwirtin.

Reinhardswald – Sie spielt auf die zurückliegenden Hitzewochen an, die für Mensch und Natur gleichermaßen eine Herausforderung waren. „Der Regen dringt zwar nur wenige Zentimeter in die Bodenoberfläche ein. Aber das genügt den jungen Pflanzen – überwiegend Eichen – im Reinhardswald, die mit ihren kurzen Wurzeln in dieser Bodenschicht nach Wasser suchen.“

Mehrere Hundert von ihnen sind im eingezäunten Areal zuhause, in dem Schulz heute wie so oft nach dem Rechten sieht. „Der Zaun dient als Schutz vor Wildverbiss, denn Rothirsch und Reh bevorzugen junge Eichentriebe als Nahrung“, erklärt sie und wirkt schon beim ersten Blick ins satte Grün sichtlich zufrieden: „Die sehen wirklich besser aus, als ich gedacht habe.“

Da die Pflanzzeit, im Herbst/Winter und im frühen Frühjahr liegt, profitierten die jungen Pflanzen noch von der Winterfeuchtigkeit, sagt Schulz. Deswegen reiche ihnen im Sommer schon ein Regenschauer ab und zu.

Eichen brauchen Licht zum Wachsen

Die in Trendelburg lebende Forstwirtin kümmert sich mit viel Liebe um den Wald von morgen und sorgt gemeinsam mit ihren Kollegen von Hessen Forst dafür, dass es den Jungpflanzen gut geht. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist das regelmäßige Mähen. Das mag banal klingen, doch für die Eiche als „Lichtbaumart“ ist das wichtig: Zum bestmöglichen Gedeihen benötigt sie entsprechend Sonnenlicht.

Üppiger Begleitvegetation wie Gräser, Himbeeren oder Brombeeren geht es deswegen regelmäßig an den Kragen, wenn Schulz mit ihrer Sense loszieht. „Unsere Eichenkulturen werden mindestens einmal im Jahr von der Begleitvegetation befreit, und das geschieht in der Regel drei bis fünf Jahre lang oder so lange, bis die Eichenpflanzen über die Begleitvegetation hinaus gewachsen sind“, sagt die 28-Jährige. Sie freut sich, am Aufbau einer neuen Generation Wald beteiligt zu sein – eine echte Herausforderung.

„Seit 2018 bis zum Frühjahr 2022 haben wir im Forstamt rund 680 Hektar Schadfläche mit unterschiedlichen Baumarten wieder aufgeforstet, 440 Hektar davon mit Eichen“, erklärt Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen. Die Baumarten würden nach der Standortqualität ausgewählt, die sich aus den Faktoren Bodennährstoffe, Boden-Wasserverfügbarkeit und Klimaverhältnisse vor Ort zusammensetze, erläutert der Fachmann. „Für nasse Waldstandorte wird die Roterle ausgesucht, für eher trockenere die Eiche oder die Douglasie“, sagt Kahle.

Der ist wie Schulz erstaunt darüber, wie gut die Eichenkulturen die Trockenheit der vergangenen Jahre und auch dieses Sommers weggesteckt haben: „Es zeigt sich, dass die Baumart mit Trockenheit umgehen kann.“

Das kann auch Vanessa Schulz in dem von ihr kontrollierten Areal unweit des Wanderparkplatzes Forstscheid bestätigen. Über den Regen freut sie sich zusammen mit den kleinen Eichen aber dennoch. (Sascha Hoffmann)

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