Eine Mitarbeiterin erinnert sich

„Fräuleins“ trugen Tracht: Kreisklinik Hofgeismar hat sich verändert

Luftaufnahme der Kreisklinik: So sah das Gebäude um 1976 aus. Mittlerweile ist ein Neubau am Krähenberg in Planung. Repro: Gitta Hoffmann

Hofgeismar. Als Hiltrud Anders vor 41 Jahren ihre Ausbildung zur Arzthelferin im Hofgeismarer Krankenhaus begann, war noch einiges anders als heute. Der Ton war deutlich rauer und die Schwestern trugen noch Tracht und Häubchen.

„Wir wurden damals noch oft mit Fräulein angeredet“, erinnert sich Hiltrud Anders, die zu den dienstältesten Mitarbeitern der Kreisklinik gehört. „Außerdem war das Durchschnittsalter unter den Schwestern und Arzthelferinnen deutlich geringer als heute. Das lag daran, dass die meisten irgendwann durch Verheiratung ausschieden. Oder die Schwestern waren älter - aber ledig.“ Die Zeiten änderten sich und als Hiltrud Anders heiratete, durfte sie selbstverständlich im Dienst des Krankenhauses bleiben. Einmal musste sie sich sogar selbst vertreten. Als sie nach der Geburt ihrer Tochter 1993 eine Zeit lang daheim blieb, fiel plötzlich die Schwangerschaftsvertretung der inzwischen als Arztsekretärin arbeitenden Frau aus. Die Not war groß, es wurde dringend jemand benötigt, der die Tonbänder des Doktors abtippte.

Hiltrud Anders ließ sich nicht lange bitte, nahm die elektrische Schreibmaschine aus der Klinik mit heim und fuhr einmal am Tag hoch an ihren Arbeitsplatz, um die Bänder zu holen. Wenn die kleine Tochter dann schlief, konnte sie schreiben. „Ich musste unterschreiben, dass niemand außer mir Zugriff auf die Bänder und Dokumente hat“, erinnert sich Anders, „Datenschutz gab es schon damals.“

Ausbildung vor 41 Jahren: Hiltrud Anders. Foto: Gitta Hoffmann

Inzwischen ist vieles einfacher. Wo früher lange auf Röntgenanforderungen oder Arztbriefe gewartet werden musste, geht es heute dank modernster Datentechnik blitzschnell. „Es hat sich aber auch niemand beschwert, wenn er lange warten musste“, so die medizinische Fachangestellte aus der Radiologie, „die Ärzte waren Halbgötter in Weiß. Heute ist ein Patient ein Kunde, der Arzt ein Dienstleister.“

Auch wenn an der Kreisklinik ein familiäres Verhältnis herrscht, ist sich Hiltrud Anders sicher, dass sie längst nicht mehr alle der 280 Mitarbeiter kennt. Zu groß ist die Fluktuation im Ausbildungsbetrieb. Dennoch ist die Verbundenheit groß zu dem Haus, in dem sie 1963 eine der ersten Patienten war. Sogar ihr Bruder hat mal an der Pforte gejobbt und darüber gewacht, dass die Besuchszeiten streng eingehalten wurden. „Da gab es auf Höhe des Parkplatzes einen Kiosk und daran angeschlossen einen Durchgang, der mit einer Schranke versehen war. Wenn keine Besuchszeit (14 bis 16 Uhr) war, blieb die Schranke unten. Da konnte kommen, wer wolle.“

Von Gitta Hoffmann

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