Begeisterung fürs Netz fehlt

Freies WLAN in Hofgeismar: Ausbau für kostenlosen Internetzugang wurde gestoppt

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Freies WLan unverschlüsselt in der Innenstadt von Hofgeismar: Am besten ist der Empfang beim Rathaus (Bild), in den Nebenstraßen wird es schnell schwächer. Ein zunächst geplanter flächendeckender Ausbau ist vom Tisch.

Hofgeismar. Die beim Hessentag 2015 in Hofgeismar spürbare Begeisterung für kostenlose und barrierefreie Internetzugänge in der Innenstadt ist gewichen.

Der groß angelegte Ausbau eines freien Internet-Zugangs in der gesamten Hofgeismarer Innenstadt ist offenbar vom Tisch. Derzeit gibt es weder beim Betreiber Netcom noch bei der Stadt Hofgeismar Pläne, den zum Hessentag 2015 eingeführten kostenlosen Internetzugang (Wireless LAN oder WLan: drahtloses lokales Netzwerk) über die bisher eingerichteten fünf Zugangspunkte hinaus zu erweitern. 

Man werde ihn nur noch um einzelne Standorte beispielsweise am Wohnmobilstellplatz und im Schwimmbad ergänzen, sagte Bürgermeister Markus Mannsbarth auf Nachfrage. Die Möglichkeiten dazu würden noch geprüft. 

Das freie Wlan war beim Hessentag fast in der gesamten Innenstadt entlang der Hessentagsstraße zu empfangen. Allein an den ersten drei Tagen Ende Mai 2015 wurden 140 Gigabyte an Daten genutzt, teilte Netcom damals mit. Nach der Auswertung der Nutzung während des Festes wurde entschieden, das Netz dauerhaft zu installieren. Im ersten Ausbauschritt war das Signal von Netcom City free vom Würfelturmzentrum bis zum Markt am Rathaus zu empfangen. 

Zwei Zugangspunkte funktionieren nicht mehr

Nach Angaben der Netcom Kassel-Sprecherin Jutta Schill gibt es derzeit noch fünf Zugangspunkte in der Innenstadt. Zwei von ihnen scheinen aber nicht mehr zu funktionieren. Mehrfache Messungen unserer Redaktion zeigten an mehreren Tagen in der Mühlenstraße keinerlei Signal mehr an. Lediglich zwischen Töpfermarkt und Marktplatz besteht noch Empfang. 

Heike Claus (Händlergemeinschaft) zweifelt am Nutzen des freien WLan

Die Stadt Hofgeismar hatte sich von einem flächendeckenden WLan in der Innenstadt und am Bahnhof ein werbewirksames Alleinstellungsmerkmal versprochen. Auch der lokale Handel sollte durch Werbemaßnahmen profitieren. Doch viele Geschäftsleute, die ähnliche Projekte schon fünf Jahre zuvor skeptisch sahen, sehen darin keinen Vorteil.

Die Stadt Hofgeismar will nur noch da, wo es nötig scheint, weitere Zugangspunkte einrichten.

Die Ausstattung des kostenlosen Wohnmobilplatzes am Sälber Tor mit ebenfalls kostenfreiem WLan werde gerade geprüft. Eine Anfrage bei Netcom Kassel laufe und man suche nach einem Standort für einen Repeater (Verstärker), erläuterte Bürgermeister Markus Mannsbarth auf Anfrage. Auch am Schwimmbad am Park wäre das sinnvoll.

Bisherige Access-Points bleiben bestehen

Die Netcom Kassel-Pressesprecherin Jutta Schill erklärte nach Rücksprache mit der Geschäftsführung zum kostenlosen Wlan in Hofgeismar, dass die bestehenden Access-Points unverändert bestehen bleiben, allerdings sieht die Planung nach interner Prüfung keinen weiteren Ausbau vor. Schill: „Die bestehenden Access-Points finden Sie an folgenden Standorten: Rathaus zwei Stück, Sparkasse zwei Stück und bei der Kirche ein weiterer Access-Point. Marketing-Aktionen für das kostenfreie Wlan in Hofgeismar sind ebenfalls nicht geplant.“ Eine aktuelle Messung der HNA ergab, dass im Bereich vor dem Rathaus auf mindestens drei Kanälen im 2,5 und 5 GHZ-Netzbereich ein erstaunlich schnelles und starkes Signal von „NetcomCity Free“ mit einem Datendurchsatz von teilweise über 100 MBit/Sekunde vorhanden ist, was aber mit der Entfernung schnell abnimmt.

In der Mühlenstraße ist das NetcomCity Free-Netz offenbar ganz verschwunden. Anwohner vermuten, dass es mit der kürzlichen Schließung der Netcom-Filiale am Beginn der Mühlenstraße zusammenhängt. Netcom Kassel lieferte auf Nachfrage keine weiteren Details zu dem reduzierten Angebot.

Ein Anwohner der Fußgängerzone meinte, dass er nicht traurig darüber sei, weil sich in der Regel abends größere Gruppen zum Telefonieren hier versammelt hätten und dabei nicht gerade leise gewesen seien: „Schlafen war nicht drin.“ Derzeit treffen sich die Wlan-Nutzer, die kostenlos Internetdienste nutzen, vor allem auf den Bänken am Brunnen vor dem Rathaus.

Bürgermeister Mannsbarth hätte sich mehr Begeisterung gewünscht

Bürgermeister Markus Mannsbarth hatte sich eine bessere Resonanz erhofft.

Bürgermeister Mannsbarth sagte, dass man sich gerade von den Geschäftsleuten mehr Begeisterung erhofft hatte, etwa wegen möglicher Marketingchancen im Netz.

Einzelhändler Stefan Bönning, zugleich Anwohner der Mühlenstraße, hatte schon um 2010 bei einem Informationsabend versucht, weitere Geschäftsleute für das freie Internet für Kunden zu interessieren. Doch sie zögerten wegen des technischen Aufwands und möglicher Kosten. Heike Claus, Vorsitzende der Gemeinschaft für Handel und Gewerbe Hofgeismar, fragt, ob freies WLan heute noch sinnvoll sei. Im Zuge günstiger Tarife mit riesigem Datenvolumen seien zusätzliche Gratisangebote für Passanten eigentlich überflüssig.

Manchmal bewegt sich trotzdem etwas. Von sich aus bieten bereits seit mehreren Jahren in der Hofgeismarer Innenstadt unter anderem das Bäckerei-Café Ruch (Mühlenstraße) und das Wirtshaus Köpenick (Manteuffelanlage) kostenloses WLan für ihre Gäste an.Das Angebot werde gerne genutzt, hieß es dazu.

Weniger Risiko für Wlan-Anbieter

Bisher war das Anbieten eines freien öffentlichen Internetzugangs etwa in Cafés, Restaurants, Hotels und Geschäften für die Betreiber eine zweischneidige Sache: Zum einen konnten die Gäste damit schnell und problemlos ins Internet, andererseits hafteten die Betreiber dafür, falls die Nutzer illegal Musik, Filme oder Spiele aus dem Netz luden, ohne dafür zu bezahlen. 

Vergangenes Jahr wurde die sogenannte Störerhaftung abgeschafft, die denjenigen haftbar machte, der diese illegalen Taten ermöglichte, indem er zum Beispiel seinen Internetanschluss nicht per Passwort sicherte. Das hatte bis dahin die Verbreitung des freien WLan stark gebremst. Jetzt bestätigte auch noch der Bundesgerichtshof, dass die neue Regelung mit EU-Recht vereinbar ist. Nun ist niemand mehr gezwungen, sein Netz zu verschlüsseln.

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