Wunderbach ist wieder da

Freiwillige retten Touristenattraktion „Wasser bergauf“ im Reinhardswald

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Große Aufgabe: Auf den großen Windwurfflächen im Lumbachtal sind di e Helfer kaum zu erkennen.

Gieselwerder hat sein „Wasser bergauf“ wieder, eine Touristenattraktion an der Landesstraße nach Gottsbüren. Fast eineinhalb Jahre lang war es durch Sturm Friederike verschwunden.

Als die ersten Wassertropfen die kleinen Treppe hinabrinnen, da stehen manchem fast Tränen in den Augen. Die kleine Touristenattraktion „Wasser bergauf“ an der Landesstraße nach Gottsbüren, wo eine optische Täuschung dafür sorgt, dass Beobachter glauben, das Wasser fließe hier nicht bergab, sondern bergauf, ist zurück. 

Der Sturm Friederike hatte im Februar 2018 im Lumbachtal bei Gieselwerder zahllose Bäume umgeworfen. Die aus dem Boden brechenden Wurzelteller und die umstürzenden Baumstämme rissen Krater in den Boden, verschütteten den Bachlauf und rissen den kleinen Damm weg, der das Wasser leitete.

Eine Zeit lang war das Betreten der Windwurffläche lebensgefährlich und verboten. Erst im Spätsommer 2018 begannen die Aufräumarbeiten durch Forstleute und erst in diesem Frühjahr konnten Freiwillige aus Gieselwerder sich daran machen, den verschwundenen Bach genauer zu inspizieren und eine mögliche Rettung zu versuchen. In Absprache mit dem zuständigen Förster machten sich Vertreter aller Vereine des Orts daran, ihr „Wasser bergauf“ zu retten.

Große Aufgabe: Auf den großen Windwurfflächen im Lumbachtal sind die Helfer kaum zu erkennen.

Die Feuerwehr half mit Seilwinden, meist per Hand bedient, die noch liegen gebliebenen Stammstücke vom Bachlauf herunterzuziehen. Mit Brechstangen, Schaufeln, Spaten und bloßen Händen investierten 24 Personen über 200 Stunden Arbeitszeit. Jeweils nach der Arbeit waren abends meist acht Personen im Einsatz, um den Weg freizuräumen und das Bachbett und den beliebten Wanderpfad daneben wiederherzustellen.

„Die Vereine identifizieren sich mit dem Wasser bergauf, deshalb haben alle mitgemacht“, erzählt Ortsvorsteherin Hildegard Gunkel-Becker mit dem Spaten in der Hand und fügt an, dass sie stolz sei auf die Männer aus Gieselwerder, die sich ehrenamtlich so einsetzten. Viele sind schließlich schon seit Grundschulzeiten mit dem kleinen Bach vertraut, zu dem sie einst mit ihrem Lehrer Albert Deiß hinwanderten und kleine Mühlenräder im Bachlauf aufstellten, berichtet Dirk Hofmeister, der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins.

Der Bach, jetzt nur noch am Anfang und Ende von einem dichten Blätterdach überwölbt und in geheimnisvolles Dämmerlicht getaucht, hat im mittlerein Teil viel von seinem Reiz eingebüßt, zumindest solange, bis die ersten Bäume wieder emporgewachsen sind.

Kritik an Seilzügen zum Abtransport 

Deshalb würden sich die Bachfans aus Gieselwerder wünschen, die Forstverwaltung würde die Neuanpflanzung forcierter angehen, zumal sie sich auch bei der Räumung des Geländes mehr Unterstützung gewünscht hätten. Sie kritisieren, dass die Seilzüge zum Abtransport der Stämme den Bach noch mehr aufgerissen hätten, dass die Wurzelteller aufgerichtet stehen blieben und Bodenerosion begünstigten, dass trockene Bäume stehen blieben und eine Gefahr bildeten und dass der schwer zugängliche Steilhang nicht wieder aufgeforstet werden solle.

Klemens Kahle, Sprecher des Forstamtes Reinhardshagen, relativiert die Situation. Wenn das Forstamt keine neuen Bäume pflanze, werde es aufgrund der großen Samenmenge des Waldes schon bald zu einer Naturverjüngung kommen, auch wenn dies einige Jahre länger dauere. Die früher vorhandenen Überfahrten über den Bach gebe es nicht mehr und wegen der extremen Situation in diesem Gelände sei der Seilkran die beste Möglichkeit gewesen, das Holz zu bergen, sagt Kahle. Dass durch die hochgestellten Wurzelteller die Gefahr einer Erosion bestehe, gibt auch Kahle zu. Es könne den Hang instabil machen. Es sei aber andererseits nicht möglich, die Wurzelteller wieder in den Boden zu bringen. Das sei von Fall zu Fall sehr schwierig. Und zu den trockenen Bäumen sagt Kahle, dass es die in jedem Wald gebe.

Die Freiwilligen aus Gieselwerder arbeiten unterdessen weiter, denn nachdem das Wasser wieder läuft, soll bald auch der komplette Weg ins Lumbachtal wieder zu begehen sein.

Das ist das "Wasser bergauf"

Der Mühlenbach, der bis vor einigen Jahren die Mühle Quentin beziehungsweise die Turbine bei Gieselwerder antrieb, zweigt im Tal oberhalb des Miniatur-Mühlenplatzes ab vom Trumbach (auch Lumbach genannt). Das Wasser wird in einem schmalen Bett nahezu waagerecht am steilen Hang entlanggeleitet bis zur Landesstraße, die er unterquert. An dieser Stelle entsteht durch die bergab verlaufende Straße und den waagerechten Bach der Eindruck, das Wasser fließe bergauf. Nach Stilllegung der Mühle und Aufgabe der Wasserrechte wurde der restliche Bach zugeschüttet und nur das Stück bis zum Wasser bergauf blieb erhalten.

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