Tag des Handwerks

Früherer Zustand im Haus Markt 5 freigelegt: Alte Kaufhalle wird wieder sichtbar

Wieder freigelegt: Nach dem Entfernen der ersten nachträglich eingebauten Zwischenwände wird die große Kaufhalle wieder sichtbar. Die Wände links werden auch noch entfernt, erklärt Architekt Christoph Kiefer.
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Wieder freigelegt: Nach dem Entfernen der ersten nachträglich eingebauten Zwischenwände wird die große Kaufhalle wieder sichtbar. Die Wände links werden auch noch entfernt, erklärt Architekt Christoph Kiefer.

Die aufwendige Sanierung des 450 Jahre alten Hauses Markt 5 in Hofgeismar stellt an Planer und Handwerker besondere Anforderungen.

Hofgeismar – Die seit eineinhalb Jahren laufende Sanierung des Fachwerkhauses Markt 5 in Hofgeismar ist eine Herausforderung für alle beteiligten Seiten, sowohl für die Planer als auch für die Handwerker. Denn das Haus offenbarte bei der Freilegung nicht nur immer neue Schäden, sondern auch architektonische und baugeschichtliche Befunde, die es zu sichern gilt.

Leider wurden bei mehrfachen früheren Sanierungen Bauteile entfernt oder verändert, was das Gefüge des Fachwerks so beeinträchtigte, dass sich Wände neigten, erklärt Architekt Christoph Kiefer (Bad Arolsen), der das Großprojekt mit drei weiteren Kollegen betreut.

Zuerst war im vergangenen Jahr das Dach gesichert und neu eingedeckt worden, dann folgte die Fassadensanierung (Text unten). Gleichzeitig wurden im Inneren alle nachträglichen Einbauten entfernt und die originalen Decken und Wände freigelegt. Dabei zeigte sich, dass das Haus vermutlich eines Kaufmanns ursprünglich im hinteren Teil eine große zweistöckige Markthalle besaß, an deren Obergeschoss eine Galerie verlief. Daraufhin wurde beschlossen, umzuplanen und diesen Zustand wieder herzustellen. Die im 19. Jahrhundert nachträglich eingebauten Räume wurden und werden wieder entfernt.

Endzustand im Modell: Ein neuer Galeriesteg folgt dem ursprünglichen Verlauf. Die Marktplatzseite ist links.

Weil das ursprüngliche Fachwerkgefüge nicht mehr funktioniert, werden derzeit zahlreiche bis zu fünf Meter lange Joche aus Stahl eingezogen, die das Obergeschoss tragen und den jetzigen Zustand stabilisieren. Das Transportieren und Montieren der schweren Träger im Haus war eine enorm anstrengende Sache, berichtet Architekt Kiefer. Auch die rekonstruierte Galerie soll aus einer Stahlkonstruktion bestehen und später nicht nur die oberen Räume erschließen, sondern auch Platz für Redner und Darbietungen bieten.

Während die neuen Bauteile aus modernen Werkstoffen wie Stahl und Beton bestehen, um den Unterschied zum Original deutlich zu machen, werden viele Wände, der Putz und das Holztragwerk mit Originalmaterial wiederhergestellt. Dabei kommen traditionelle Techniken zum Einsatz wie Kalk- und Lehmputz oder Lehmsteine, was von den Handwerkern hohes handwerkliches Können und Materialwissen erfordert. Die Sandsteinplatten und historischen Bodenfliesen sollen erhalten werden, die beiden Holztreppen werden restauriert, sicherheitshalber werden hinten zusätzliche Metalltreppen eingebaut. Die Halle bietet nun auch Platz für den Aufzug, der ursprünglich in einem neuen Anbau stehen sollte. Für die Fundamente musste erst der Boden stabilisiert werden, wie an vielen Stellen in Hofgeismar. (Thomas Thiele)

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