Provisorium scheiterte

Zu eng für Rettungsfahrzeuge: Sperrung durch Tische nicht praktikabel

Hofgeismar. Die Einfahrt zur Mühlenstraße in Hofgeismar hat sich seit der Fertigstellung des Dornröschenbrunnens im Mai immer wieder als Engpass erwiesen. Erste Versuche zur Lösung des Problems waren nicht praktikabel.

Zum Problem kommt es, wenn die Tische und Stühle der Eisdiele Dolomiti auf der Fahrbahn stehen. Paketwagen der Post und andere Lieferfahrzeuge kommen dann nur mit Mühe und eingeklapptem Spiegel an der Brunnensäule vorbei, weshalb sie nun oft über den Oberen Weg in die Fußgängerzone fahren, dann aber längere Fußwege zu bewältigen haben, was mit schweren Paketen nicht immer leicht ist.

Normalerweise sollte es hier kein Problem geben, denn die Eisdielenmöbel sollen erst ab 10 Uhr herausgestellt werden und Lieferverkehr ist nur bis 10 Uhr erlaubt. Doch mitunter gab es Überschneidungen oder, wie in diesem Fall, Einsätze von Rettungswagen zu anderen Tageszeiten.

„Es geht um die Würde“

Beweisfoto: Bei dem Einsatz am 15. Juli hielt der Rettungswagen am Fußgängerüberweg, während der Notarztwagen (vorn) etwas später aus der anderen Richtung hinzukam. Die Wohnungstür des Patienten ist neben der blau-weißen Markise links zu erkennen. Von dort wurde er an den Tischen vorbei zum Rettungswagen gefahren, was für Aufregung sorgte. Foto: Schüssler/nh

Beim zweiten Einsatz am 15. Juli waren Fahrzeuge des DRK dabei und eine Person vom DRK-Fahrdienst empörte sich gegenüber Gisela Westerwelle ebenfalls über die Situation. Es gehe ja nicht um die fünf Schritte mehr vom Wagen bis zur Haustür, sondern um die menschliche Würde, gibt die Witwe deren Worte wieder. Hätte der Rettungswagen mit der Tür bis an die Haustür fahren können, wären ihrem todkranken Mann die Blicke der Öffentlichkeit erspart geblieben: „Er musste das alles miterleben. Es ist schlimm, wenn man einen Angehörigen so zeigen muss“.

Die Betreiber der Eisdiele hatten sich bislang mit der Stadt geeinigt, dass sie die Stühle um etwa 50 Zentimeter über die Grenze zur dunklen Pflasterfläche hinausschieben, um damit Kraftfahrer am Einfahren in die Fußgängerzone zu hindern. Normalerweise wären dort Poller eingebaut worden, doch deren Aufschließen durch die Rettungswagenfahrer hätte genauso lange gedauert wie das Beiseiteräumen der Tische. So hatte man sich bei der Stadt für die bislang praktizierte Tischlösung entschieden.

Angebot

„Wir können die Tische und Stühle in zwei, drei Minuten wegräumen“, sagte Egidio Mandolini gegenüber der HNA. Man habe dies beim letzten Einsatz sogar angeboten und angefangen, die Blumenkübel beiseitezuschieben. Doch der Rettungswagenfahrer habe darauf verzichtet und am Zebrastreifen gehalten.

Nachdem die HNA im Rathaus angefragt hatte und nach einem Gespräch des Bürgermeisters mit Gisela Westerwelle beendete die Stadt die bisherige Praxis und einigte sich mit der Eisdiele darauf, dass diese ihre Tische auf das helle Pflaster zurückzieht. Ein Ausgleich könnte in der Husarenstraße geschaffen werden.

Umplanung am Ende

Seit längerem schon wurde im Rathaus über eine ähnliche Situation am anderen Ende der Mühlenstraße diskutiert, wo ein Rosenbogen als Pendant zum Dornröschenbrunnen den Abschluss bilden soll. Doch hier befindet sich ebenfalls ein Eiscafé, das Castello, mit Stühlen, Tischen und Blumenkübeln auf der Straßenfläche. Zwar habe man bei den Planungen entsprechende Wendekreise eingeplant und die Feuerwehr habe auch keine Bedenken gehabt, doch man wolle lieber nichts riskieren und keine zusätzliche Engstelle schaffen, sagte Bürgermeister Markus Mannsbarth. Der Magistrat hat inzwischen entschieden, den Rosenbogen nicht an der ursprünglich geplanten Stelle zu errichten. Wo er nun hinkommt, ist noch offen.

Das sagt die Stadt

Bürgermeister Markus Mannsbarth bedauerte den Vorfall und äußerte dies auch in einem Gespräch mit der Witwe. Eigentlich sollten sich die Probleme nicht ergeben, weil Lieferverkehr und Eiscaféstühle durch die 10-Uhr-Regelung getrennt seien. Um verspätete Lieferfahrer an der Einfahrt zu hindern, habe man den Eisdielenbetreiber gebeten, die Stühle weiter hinauszuschieben unter der Bedingung, dass er sie im Notfall schnell wegräumen könne. "Doch das war Theorie", sagte Mannsbarth gegenüber der HNA. Ein Problem seien auch ortsfremde Rettungswagenfahrer, die nach Navi fahren und die Stadt nicht kennen. (tty)

Lesen Sie auch

Kein Platz für Rettungswagen: Todkranker musste erst an Passanten vorbei

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.