Neuer Besitzer ab Februar

Gasthaus Reitz in Schöneberg schließt nach 102 Jahren

Voller Einsatz: Seit bekannt ist, dass das Gasthaus Reitz schließt, ist es fast ständig ausgebucht, es arbeiten drei Köche gleichzeitig, dazu mehrere Servicekräfte. Einige fanden am Dienstagabend Zeit für ein Erinnerungsfoto in der Gaststube, bevor sie wieder an die Arbeit eilten (von links): Koch Aldo Husu Gamara, Küchenmeister Erhard Reitz, Lisa Schwarz und Irmgard Hedrich vom Service.

Schöneberg. Glauben kann es keiner so richtig, verstehen schon einige, aber hinnehmen müssen es alle: Das überregional bekannte Gasthaus, Hotel und Restaurant Reitz in Schöneberg schließt am Jahresende nach 102-jährigem Bestehen in Familienbesitz.

Ein Jahr früher als eigentlich geplant übergibt Besitzer Erhard Reitz das Haus zum 1. Februar an neue Besitzer.

Vertrauter Anblick: Das Landgasthaus und Hotel Reitz in Schöneberg. Die einzige Dorfkneipe und ihr großer Saal sind ab Silvester Geschichte. Ab 2016 ist das Hotel direkt an der B 83 nur noch für angemeldete Gruppen geöffnet.

Im Ort macht man sich schon seit Wochen Gedanken, wo künftig der Ortsbeirat tagt und Beerdigungskaffees stattfinden können. Denn das Gasthaus Reitz mit seinem Saal ist seit Jahrzehnten der gesellschaftliche Mittelpunkt Schönebergs. Weil er sich langsam der Altersgrenze nähert und keinen Nachfolger fand und zudem neue Brandschutzauflagen umgesetzt werden müssen, nutzte Erhard Reitz im Sommer die Chance, das Haus an ein Geschäftsleute-Ehepaar aus Kassel zu verkaufen. Es wird nach Umbau im Sommer 2016 ein Tagungshotel für Fortbildungen und Seminare eröffnen. Das hat zwar auch Küche und Hotelzimmer, aber nur für die gebuchten Gruppen.

Die Schöneberger haben derzeit keine Alternative im Blick und gehen deshalb - wie auch viele Nachbarn - so oft es geht nochmal „zu Reitz“, um das Ende dieses Kapitels Ortsgeschichte mitzugestalten.

Entsprechend ausgebucht ist das Restaurant, wo es mit Glück noch mittags einen Platz zum Essen gibt. In der Küche und an den Tischen herrscht Hochbetrieb. Weil ein Koch das Haus schon im Oktober für eine neue Stelle verließ, hat Küchenmeister Reitz derzeit zwei Köche zur Aushilfe an seiner Seite, weil es sonst nicht zu schaffen ist. Darunter ist auch ein ehemaliger Auszubildender. Viele haben das Gasthaus Reitz schon als Sprungbrett für eigene Karrieren genutzt, darunter Victor Seider, der inzwischen einen sehr erfolgreichen eigenen Betrieb in Hofgeismar führt.

Seit Monaten ausgebucht 

Als die Schöneberger im Sommer von der bevorstehenden Schließung erfuhren, drängten sie den Wirt, zum Abschied auch nochmal die traditionelle Silvesterparty zu veranstalten. Dabei feiern viele Schöneberger seit Jahren bei Büffet, Musik und Mitternachtsimbiss den Jahreswechsel. Die letzte Feier am 31. Dezember ist auch prompt seit Monaten ausgebucht.

Erhard Reitz ist froh, dass sein Haus, in dem auch schon Ex-Bundesminister Hans-Dietrich Genscher zu Gast war, in gute Hände kommt. Vom 8. bis 10. Januar werden im Saal bei einem Flohmarkt Ausstattungsstücke (auch Bilder) versteigert, dann packt Erhard Reitz die Koffer, um zu seinen Töchtern nach Gars bei Wasserburg zu ziehen. Vielleicht wird er dort nochmal als Koch tätig, das weiß er noch nicht. Er weiß aber, dass er im Gasthaus Reitz in Schöneberg am 1. Januar „wahrscheinlich so gegen 5 Uhr“ zum letzten Mal die Bierhähne zudreht.

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