Auch Windkraft war Thema

1000 Jahre Reinhardswald: Zweite große Geburtstagsfeier

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SDW-Vorsitzender Bernhard Klug (links) und Stellvertreter Hans-Peter Giebing (rechts) im Kreise von Festgästen der zweiten Reinhardswald-Geburtstagsparty.

Eigentlich sollte das Streitthema Windkraft keinen Raum finden - doch so ganz ohne ging es dann doch nicht, bei der Feier zum 1000-jährigen Bestehen des Reinhardswaldes.

120 Gäste „aus dem unmittelbaren Umfeld des Geburtstagskindes“ hatte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) am Freitagabend ins Waldhotel Schäferberg eingeladen. Nicht wenig wurde den Gästen dort abverlangt, gab es doch drei Stunden lang Redebeiträge, die das Thema Reinhardswald aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten. Neben den Ausführungen des Festredners, welcher Eigenheiten und Geschichte thematisierte, ging es um die Vor- und Frühgeschichte sowie Landschaft und Vegetation.

Vom „Schatzhaus der europäischen Wälder“ sprach Ministerialdirigent a. D. Dertz, einem „welches viele Gefahren überstanden habe und nun wieder gefährdet sei“. Vieles aus der Historie des Reinhardswaldes bündelte der Kenner in seinen Ausführungen: So berichtete er vom Mittelalter, wo die Bäume noch wesentlich weiträumiger im Wald standen, das Gebiet der Hute diente und zeitweise über 30 000 Stück Vieh satt machte.

Er kenne keinen Wald, der so typisch durch die Nutzung im Mittelalter geprägt sei, sagte er und führte Stichworte wie Hochäcker, Wüstungen oder Eichenalleen etwa an. Bevor Dertz den verbalen Zeigefinger hob, blickte er auf besondere Jagden zurück, wo im 16. Jahrhundert etwa ein einziger ganze 726 Sauen in einem Jahr erlegt haben soll, berichtete von Heuschreckenplagen bei extremer Hitze, von den problematischen Böden des Waldes und auch seinen unterirdischen Schätzen wie Quarzsand und Braunkohle.

"Unglaublicher Missgriff"

Als einen „unglaublichen Missgriff, eine industrielle Überformung einer Naturlandschaft für eine fragwürdig angepackte Energiewende“, bezeichnete er die Windkraftvorhaben. Und weiter: „Sieben Jahre laufen solche Rotatoren nutzlos, um gerade mal das CO2 einzusparen, das Herstellung und Transport gekostet haben.“ Auch Planungen „viele hundert Hektar bester Buche am Weserhang aus der Nutzung zu nehmen“ quittierte er als „klimapolitische Untat“.

Zu Wort meldeten sich auch Dr. Markus Ziegler, Forstamtsleiter Reinhardshagen, der auf multifunktionale Forstwirtschaft einging, zu welcher er auch die Windkraft nannte. Für den Naturpark sprach der stellvertretende Landrat Andreas Siebert, der ebenfalls auf die Anlagen angesprochen wurde, allerdings zugeben musste, dass „man noch keine gemeinsame Position diesbezüglich gefunden habe“.

Interessant auch die Ausführungen des ehemaligen Landrates Dr. Udo Schlitzberger, der weit in die Geschichte blickte und Dr. Markus Schmidt von Hessen Forst, der auf Baumarten und Moore einging.

Hintergrund: Projekt für neue Wälder

„Forest for Future“ ist das Motto einer Aktion, die die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) für den Herbst plant. „Wer nicht nur demonstrieren möchte, sondern praktische Klimahilfe leisten will, kann dabei seine Arbeitskraft einbringen, um kahl gefallene Waldflächen wieder aufzuforsten“, sagte Bernhard Klug, Vorsitzender der SDW auf Landes- und Kreisebene. In Kooperation mit Hessen Forst und der Waldjugend will man junge Menschen erreichen, nach dem Motto „Neue Wälder braucht das Land“ es gemeinsam angehen.

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