200 Teilnehmer über mehrere Wochen

Gedenkaktion am Brunnentempel: 125 Kerzen für Corona-Tote aus dem Landkreis

Gedenken am Brunnentempel: Prälat im Ruhestand Rudolf Schmidt hatte dort zur Erinnerung an die Corona-Opfer eingeladen.
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Gedenken am Brunnentempel: Prälat im Ruhestand Rudolf Schmidt hatte dort zur Erinnerung an die Corona-Opfer eingeladen.

125 brennende Kerzen am Brunnentempel in Hofgeismar: Damit erinnerte die Hofgeismarer Initiative bis vor Kurzem an die Menschen, die an Corona im Landkreis gestorben sind.

Hofgeismar - Diese Erinnerungsaktion fand am Sonntag zum letzten Mal statt, sagte Rudolf Schmidt. Der ehemalige Leitende Pfarrer der Evangelischen Altenhilfe und Prälat der Landeskirche hatte sie in Hofgeismar ins Leben gerufen. 125 Menschen aus dem Landkreis Kassel waren an und mit dem Coronavirus gestorben, als die Aktion zu Ende ging.

Insgesamt etwa 200 Menschen kamen zu den sieben Gedenkveranstaltungen am Brunnentempel, sagte Schmidt. Über diese Beteiligung sei er sehr froh. Mehr hätten es nicht sein sollen. Das wäre mit den Regeln nicht vereinbar.

Nach dem Aufruf von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Aktion #lichtfenster hat die Hofgeismarer Initiative beschlossen, die örtliche Erinnerung zu beenden. „Wir freuen uns sehr, dass der Bundespräsident einen staatlichen Gedenkakt plant und angeregt hat, der Toten und aller, die um sie trauern, mit einem Licht im Fenster zu gedenken.“ Damit habe die Gruppe einen wichtigen Teil ihrer Ziele erreicht, erklärte der Prälat im Ruhestand.

Die Idee zu diesem Gedenken kam aus Berlin: Der Journalist und Buchautor Christian Y. Schmidt – ein Neffe von Rudolf Schmidt – hatte dort zum zweiten Adventssonntag erstmals dazu aufgerufen, der Corona-Opfer zu gedenken. Als Gegenaktion zu den Leugnern und Verharmlosern sollten Kerzen aufgestellt werden, die den Toten ein Gesicht geben sollten. In Hofgeismar griff sein Onkel die Idee auf. Gemeinsam mit dem Ehepaar Liebel organisierten Schmidt und seine Frau das Gedenken.

In Absprache mit der Brunnengemeinde lud Rudolf Schmidt ab dem dritten Adventssonntag dazu ein, Kerzen am Brunnentempel aufzustellen. Vier Personen machten den Beginn. Im Laufe von zwei Stunden schlossen sich am ersten Tag im Wechsel etwa 30 Menschen an. Viele entzündeten eine Kerze, andere gedachten der Corona-Toten still.

Nach seinen Worten hatte es in Hofgeismar nach Berlin die stärkste Beteiligung gegeben. In bundesweit mehr als 30 Städten sei auf die Initiative von Christian Schmidt der Toten gedacht worden. „Hier hat die stille Mehrheit eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie sie denkt – gegen die unfassbaren Leugner“, habe ihm ein unbekannter Mann gesagt. Schmidt berichtete von einer Frau, die eine Kerze entzünden wollte aus Dankbarkeit, weil ihr Onkel eine Covid-Erkrankung überlebt hatte.

Er gehöre zur Hochrisikogruppe. Und er sei froh, in einem Land zu leben, in dem die Verwundbarkeit und Hilfsbedürftigkeit des hohen Alters fürsorglich in den Blick genommen werde. Aber in Deutschland seien Hochaltrige oft „nur noch als Objekt der Hilfe im allgemeinen Bewusstsein, nicht als Subjekt zivilgesellschaftlichen Engagements“. Auch deshalb sei es für ihn wichtig, sich an dieser Aktion zu beteiligen, unterstrich Schmidt.

Der engagierte Ruheständler freut sich auch, dass auch in Hofgeismar Menschen dem Aufruf des Bundespräsidenten gefolgt sind und brennende Kerzen in ihre Fenster gestellt haben. (Bernd Schünemann und Gitta Hoffmann)

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