Viele Praxen müssen neu besetzt werden

Gegen den Hausärztemangel: Nachfolger in der Region gesucht

Eines der vier Behandlungszimmer: Mariana Radu (von links), Dan Radu und Dr. Christoph Schmidt in der neuen Praxis in Hofgeismar. Seit Anfang Oktober nehmen die drei Ärzte hier Patienten auf, die Schwierigkeiten haben, einen Hausarzt zu finden.
+
Eines der vier Behandlungszimmer: Mariana Radu (von links), Dan Radu und Dr. Christoph Schmidt in der neuen Praxis in Hofgeismar. Seit Anfang Oktober nehmen die drei Ärzte hier Patienten auf, die Schwierigkeiten haben, einen Hausarzt zu finden.

In vielen Regionen, vor allem ländlichen Gebieten, ist die ärztliche Versorgung angespannt. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sieht es im Kreisteil noch gut aus.

Kreisteil Hofgeismar - Aktuell praktizieren in der Region 35 Hausärzte. Doch in den kommenden zehn Jahren müssen mit 16 Medizinern fast die Hälfte der Stellen besetzt werden. „Es braucht junge Ärzte, die sich für eine Niederlassung entscheiden“, heißt es vonseiten der KVH.

Einer, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn scheidende Ärzte keine Nachfolger finden, ist Dr. Christian Münch. 2013 hat er die Praxis seines Vaters in Immenhausen übernommen. „Damals sind acht Ärzte in den Ruhestand gegangen“, berichtet er auf Anfrage unserer Zeitung. Warum es gerade in Einzelpraxen so schwierig ist Nachfolger zu finden, weiß der Immenhäuser: „Die Ansprüche sind sehr hoch. Man muss sich mit Personalangelegenheiten und vielem Neuen mehr befassen.“ Ältere Kollegen würden oft noch „als Einzelkämpfer arbeiten“. Arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis sei gerade für manche Mediziner mit Familie attraktiver, die Arbeitszeiten seien so besser einteilbar.

Um den Ärztemangel zumindest etwas entgegenzuwirken, hat der Trendelburger Arzt Dr. Christoph Schmidt eine Zweigpraxis in Hofgeismar eröffnet. „Ich erhoffe mir von so einem Projekt, dass wir mehr Ärzte aus den Krankenhäusern gewinnen können und sie in die ländlichen Gebiete bringen“, sagt er. Wie sein Kollege Münch hat auch er die familiäre Praxis übernommen, als sein Stiefvater im Juni 2010 in den Ruhestand gegangen ist. Für ihn fand Schmidt auch eine Nachfolgerin: Mit Dr. Tanja Lück betreibt er seitdem gemeinsam die Praxis und konnte so einen Notstand an Ärzten in Trendelburg abwehren. „Man muss es so deutlich sagen: Es ist eine Katastrophe, wenn Patienten um ärztliche Versorgung betteln müssen“, betont Schmidt.

Wenn eine Praxis schließe, dann könne das massive Auswirkungen haben. „Je nach Größe könnten plötzlich zwischen 500 und 1000 Menschen oder Hausarzt da stehen“, schätzt Münch, der im vergangenen Jahr eine Zweigpraxis im Immenhäuser Ortsteil Holzhausen eröffnet hat, nachdem dort ein pensionierter Kollege keinen Nachfolger gefunden hatte. Dass die Praxis von Nöten gewesen sei, habe die große Resonanz der Menschen gezeigt. (Nela Müller)

Medizinische Fachangestellte gesucht

Nicht nur die die Suche nach Hausärzten gestaltet sich laut Dr. Christian Münch als schwierig – auch das Einstellen von Medizinischen Fachangestellten (MFA) sei zunehmen schwierig. „Die Konkurrenz durch die Krankenhäuser ist hoch. Da lockt oft ein besseres Gehalt“, sagt der Arzt aus Immenhausen. Als MFA müsse man in den niedergelassenen Praxen „viel aushalten, viel abpuffern.“ Für die Praxisinhaber sei es deswegen eine Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.