Forstamt mahnt zu Vorsicht beim Betreten

Borkenkäferschäden im Reinhardswald: Geisterwald bleibt stehen

Tote Fichten im Reinhardswald, hier fotografiert nahe der Reinhardswald-Höhenstraße.
+
Tote Fichten: Diesen Anblick – hier fotografiert nahe der Reinhardswald-Höhenstraße – wird man häufiger sehen. Die Förster schaffen es nicht mehr, alle von Borkenkäfer befallenen Bäume aus dem Wald zu holen.

Spaziergänger und Wanderer müssen sich an neue Anblicke in unseren Wäldern gewöhnen. Das Forstamt Reinhardshagen lässt die „Geisterwälder“ zumindest teilweise stehen.

Reinhardswald - Die Förster schaffen es nicht mehr, die Bäume aufarbeiten zu lassen, die infolge des Borkenkäferbefalls im Bestand abgestorben sind. Die trockenen Fichten bleiben deshalb größtenteils sich selbst überlassen. Noch nie haben Förster einen so schnellen und großflächigen Wandel im Wald erlebt.

„Um die schwierige Lage zu entschärfen, konzentrieren wir uns auf die grünen Fichten, die noch zu retten sind“, sagt Dr. Stefan Reccius, der stellvertretende Leiter des Forstamts Reinhardshagen. Die Reinhardswaldförster versuchten zu retten, was noch zu retten ist. Aber ihr Einsatz scheine ausweglos. „Wir gehen davon aus, dass wir bis auf die jüngeren Fichten der Altersklasse bis 20 Jahre und wenige ältere Bestandsreste einen Großteil der Fichten verlieren“, ergänzte Reccius.

Diese Nadelbäume machten bisher knapp ein Drittel der Waldbestände des 23 000 Hektar großen Forstamtsbereichs aus. Das Fichtensterben bedeutet laut Reccius neben dem Vermögensverlust auch den Verlust eines nachwachsenden, ökologisch wichtigen Rohstoffs.

Inzwischen besteht in einigen Teilen der Geisterwälder bereits die Gefahr, dass herausbrechende Baumteile Menschen verletzen könnten, wenn sie dort arbeiten würden. Eingreifen könnten die Forstwirte nur noch dort, wo es aus Verkehrssicherungsgründen notwendig wird: Nur an Waldwegen können tote Bäume entnommen werden. Das Forstamt weist ausdrücklich darauf hin, dass Waldbesuche auf eigene Gefahr erfolgen. Gerade angesichts der bevorstehenden Pilzsaison rät Reccius dringend „vom Pilzesuchen in solch abgestorbenen Waldbeständen ab“. Das Forstamt schätzt, dass auf mehreren hundert Hektar flächig abgestorbene Bestände stehen. Reccius erwartet, dass sich der Absterbeprozess noch einige Jahre hinziehen wird.

Eine gute Nachricht gibt es auch: Die fast zwei Millionen jungen Bäume, die im Frühjahr gepflanzt wurden, haben sich gut entwickelt. Trotz des trockenen Frühjahrs und Sommers geht es den Pflanzen weitgehend gut, sagt Klemens Kahle, im Forstamt Reinhardshagen zuständig für Pressearbeit.

Die 1,8 Millionen Traubeneichen, 60 000 Roteichen, 20 000 Rot-erlen, 18 000 Moorbirken sowie 2000 Aspen (eine Pappelart) seien angewachsen. Nachtfröste im Mai bereiteten den Förstern zunächst Sorgen, ergänzte Kahle. Denn dadurch hatten viele Eichen Frostschäden erlitten. Allerdings seien die Bäume durchaus hart im Nehmen: Sie hätten neu ausgetrieben und seien weiter gewachsen. Für die Pflege der Eichenkulturen ist viel Handarbeit notwendig. Außerdem müssen die Flächen eingegattert werden.  (Bernd Schünemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.