Streit um Straßennamen 

Gemeinde-Fusion: Anwohner hängen an ihren Weserstraßen

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Strittig: Die Einwohner der Weserstraße in Oedelsheim wollen ihren Namen nicht aufgeben.

Auch nach mehreren Monaten Diskussion deutet sich in der Debatte um die Umbenennung einer Straße in den Nachbargemeinden Wahlsburg und Oberweser keine einvernehmliche Lösung an.

Da beide Gemeinden zum Jahreswechsel fusionieren und kein Straßenname doppelt vorkommen darf, muss eine der Weserstraßen in Lippoldsberg oder Oedelsheim umbenannt werden. Die Anwohner wollten das aber nicht.

Widerstand regt sich vor allem in Oedelsheim, wo es bereits eine Unterschriftenaktion gegen die Umbenennung gab. Als Sprecher der Anwohner wiederholte jetzt Jürgen Willand auch gegenüber unserer Zeitung, dass Bürgermeister Cornelius Turrey sich Gesprächen mit den Bürgern verweigert habe. Auch habe er nicht auf die Sachargumente der Oedelsheimer reagiert und sich auch nicht einem Gespräch gestellt. Zudem sei eine mehrfach angekündigte Versammlung der betroffenen Bürger nicht einberufen worden.

„In den vergangenen vier Monaten seit seinem ersten Schreiben war der Bürgermeister trotz Versprechungen zu keinerlei Kommunikation mit uns bereit“, meint Willand. „Das lassen wir Bürger uns nicht gefallen, da wir dieses Verhalten als undemokratisch und unprofessionell empfinden. Wir bestehen auf unserem Recht zu einem sachlichen Gespräch“.

Die Fronten sind inzwischen ziemlich verhärtet, wie Oberweser-Bürgermeister Cornelius Turrey vor wenigen Tagen in einem erneuten Schreiben an die Anwohner beider Straßen erklärte. Den Vorwurf „stur und ignorant“ weise er zurückerklärte Turrey gegenüber der HNA, denn er habe eher tolerant und langfristig gedacht.

In dem jüngsten Schreiben wurden die Anwohner der Weserstraßen aufgefordert, bis zum vergangenen Montag neue Namensvorschläge abzugeben. Unter den aktuellen Bedingungen sei es die gerechteste Lösung, nun beide Straßen umzubenennen.

In der heutigen Gemeindevertretung wird es nur um die Umbenennung der Schulstraße in Oedelsheim gehen.

Mit den neuen Vorschlägen zur Weserstraße wird sich zuerst die Lenkungsgruppe befassen, den endgültigen Beschluss zur Umbenennung fasst vermutlich erst die neue Gemeinde Wesertal.

Im Zweifel soll das Los entscheiden

Die Einwohner der Weserstraße in Oedelsheim wollen ihren Straßennamen nicht aufgeben und sich nochmals treffen, um eventuell einen offenen Brief an Bürgermeister Cornelius Turrey zu verfassen. Ihr Hauptkritikpunkt: Ihre Liste mit Sachargumenten sei nicht berücksichtigt worden, jedenfalls habe es keinerlei Rückmeldungen oder Reaktionen gegeben. 

Als Argumente führte ihr Sprecher Jürgen Willand unter anderem an, dass fünf Prozent der Oedelsheimer Einwohner (nämlich 56) in der dortigen Weserstraße wohnten, dass acht Firmen und Unternehmen und zwei Bauernhöfe dort ansässig seien und die Straße ein touristisches Ziel sei. 

Nach den anhaltenden Protesten und den Forderungen aus beiden Orten, den Namen Weserstraße zu behalten, schrieb Turrey die Anwohner erneut an. Da eine Einigung offenbar nicht in Sicht sei und die von der Lenkungsgruppe beauftragten Mitglieder des Gemeindevorstandes Gespräche in beiden Straßen geführt hätten, müsse man davon ausgehen, dass die Umbenennjg beider Straßen die gerechteste Lösung sei. Die Grundeigentümer an beiden Straßen sollten jeweils einen abgestimmten Namensvorschlag zur Umbenennung für ihre Weserstraße machen. Sollten die Vorschläge identisch sein, solle das Los entscheiden. 

Turrey bedauert, dass falsche Informationen verbreitet wurden und damit „die Sachebene verlassen“ wurde. Eine gemeinsame Gesprächsrunde der Anlieger beider Orte war geplant, kam aber nicht zustande, weil die Lippoldsberger darauf verzichteten, entgegnete Turrey einer Kritik aus Oedelsheim. Nach Informationen Jürgen Willands hätten sich die zehn Lippoldsberger davor gescheut, 40 Oedelsheimern gegenüber zu sitzen. 

„Wir haben nichts gegen die Oedelsheimer und wollen auch keinen Streit“, unterstrich Jennifer Best, Mitinhaberin des Landhotels „Zum Anker“ am Weserufer in Lippoldsberg, gegenüber unserer Zeitung. An der Lippoldsberger Weserstraße lägen drei Unternehmen mit einer sehr hohen Kunden- und Besucherzahl. Ihr missfällt die lange Dauer des Abstimmungsprozesses, weil die Adresse für die Werbung des nächsten Jahres in diesem Monat feststehen müsse. 

Am jetzt angekündigten Verfahren kritisiert sie, dass das Los eigentlich zwischen „Weserstraße“ und dem von der Gemeinde vorgeschlagenen „Alte Weserstraße“ entscheiden müsste aber nicht für oder gegen einen neuen Namensvorschlag.

Bisher acht neue Namen gefunden

Fest steht inzwischen die Umbenennung folgender Straßen: In Gieselwerder werden die Bergstraße zum Weserblick, die Gartenstraße zu Im Garten und die Lippoldsberger Straße zu Am Heuberg. Der Birkenweg in Lippoldsberg heißt ab 2020 Zypressenweg, die Kirchstraße in Heisebeck wird Eckenstraße und die Oedelsheimer Straße in Vernawahlshausen wird zum Oedelsheimer Weg. Die Uslarer Straße in Arenborn heuißt künftig Im Dorfe. Heute stimmt die Gemeindevertretung Oberweser ab über Alte Schule für die Schulstraße in Oedelsheim. Offen ist jetzt nur noch die Umbenennung der Weserstraßen in Lippoldsberg und Oedelsheim.

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