Vogelkundler: Landesweit erster Fall

Erstmals Kranichbrut im Reinhardswald beobachtet

Die Kranicheltern unterwegs mit ihrem Jungvogel (Mitte) in ihrem Refugium im Reinhardswald.
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Aus der Distanz beobachtet: die Kranicheltern unterwegs mit ihrem Jungvogel (Mitte) in ihrem Refugium im Reinhardswald.

Eigentlich bevorzugen die großen Vögel Brutplätze in Richtung Ostsee, doch nun hat sich ein Kranichpaar erstmals im Reinhardswald zum Brüten niedergelassen.

Reinhardswald - Es ist dort mittlerweile mit einem Nachwuchsvogel gesichtet worden. Laut Ornithologe Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ist es die erste erfolgreiche Kranichbrut in Hessen.

Experten hatten für den Fall, dass Kraniche tatsächlich in unserem Bundesland brüten sollten, eher eine Ansiedlung in der Wetterau erwartet. Nun steht fest, dass es deutlich weiter nördlich im Kreisteil Hofgeismar Kranichnachwuchs gibt. Dr. Markus Ziegeler, Leiter des Forstamts Reinhardshagen, berichtet: „Wir sind stolz darauf, dass sich in diesem Jahr erstmals ein Kranichpaar im Sommer nicht nur im Reinhardswald niedergelassen, sondern auch erfolgreich Nachwuchs hervorgebracht hat“, sagt er. Die Vögel benötigten für ihre Brut möglichst feuchte und störungsarme Bereiche, wie sie im Reinhardswald zu finden seien.

„Das ist eine Sensation“, meint Klemens Kahle vom Forstamt. Er habe sich beim Regierungspräsidium Kassel erkundigt und auch beim Beauftragten für Naturschutz von Hessen Forst, der landesweit Kontakt zu allen Forstämtern halte: Dort sei bisher noch kein Fall in Hessen bekannt, in dem Kraniche hier brüten und Nachwuchs großziehen. Und mit Blick speziell für den Reinhardswald gelte ohnehin: In forstgeschichtlichen Aufzeichnungen finde man Angaben, dass es hier Auerhähne, Birkwild und Wölfe gegeben habe – von Kranichen sei aber nirgends die Rede, berichtet Kahle.

Bereits im Zeitraum April/Mai haben Mitarbeiter des Fortsamtes drei Kraniche gesichtet, später zwei der Tiere mehrmals an einem anderen Ort – und nun das Kranichpaar mit einem Jungvogel. Das alles jeweils aus sicherer Distanz, um die Vögel nicht zu stören.

Ob die aktuelle Brut ein einmaliges Ereignis bleibe oder künftig noch weitere Kraniche im Reinhardswald brüten werden, sei allerdings noch nicht absehbar, ergänzt Klemens Kahle.

Abstand zu den scheuen Vögeln halten

Damit das Kranichpaar und ihr Nachwuchs im Reinhardswald möglichst ungestört bleiben, nennt das Forstamt Reinhardshagen nicht den genauen Ort, an dem die Vögel beobachtet worden sind. Das Forstamt bittet auch darum, dass Spaziergänger bei Sichtungen Abstand zu den Tieren halten. Auch die Forstmitarbeiter selbst halten Distanz seit Entdeckung der Kraniche zu den Tieren und nutzen zur Beobachtung Ferngläser. (Matthias Müller)

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