Hessischer Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Gottstreu stellte sich in 90 Minuten vor

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Hören aufmerksam zu: Die Mitglieder der Bewertungskommission „Unser Dorf hat Zukunft“ mit (von links) Helga Persch (Landfrauenverband), Rolf Klute und Sandra Kambach (Zweckverband Raum Kassel), Dierk Schwedes (Fachdienst Landschaftspflege des Landkreises Kassel) und Ute Raband (Regionalentwicklung und Kulturgeschichte für Region Kassel-Land). 

Die Jury des Hessischen Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ist derzeit im Landkreis Kassel unterwegs und nimmt Dörfer ganz genau unter die Lupe. Wir waren bei der Ortsbegehung in Gottstreu dabei.

Karsten Bock, Ortsvorsteher von Gottstreu, wirkt noch gelassen. Zusammen mit rund 20 weiteren Bewohnern aus Gottstreu wartet er vor dem Gasthaus Zum Lindenwirt. Sie plaudern und gehen ein letztes Mal den Ablauf durch, denn ein wichtiger Nachmittag steht bevor: Die Bewertungskommission des Hessischen Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ nimmt Gottstreu genau unter die Lupe. Monatelang hat Bock sich mit weiteren Freiwilligen auf diesen Tag vorbereitet, um Gottstreu von seiner besten Seite zu zeigen – in nur 90 Minuten.

Um 13 Uhr geht es los. Harald Henne, Inhaber des Gasthauses Zum Lindenwirt, reicht Schnittchen mit Hausmacherwurst herum. Seine Tochter Sabrina Henne erzählt währenddessen vom Gasthaus, das stetig wächst und seit vier Generationen von der Familie geführt wird. Die sechsköpfige Jury hört kauend zu, macht sich Notizen, stellt Fragen.

Dann geht alles ganz schnell. „Alle einsteigen, es geht weiter“, ruft jemand. Mit dem Bürgerbus wird die Jury zum Grillplatz „Bei den Eichen“ gebracht. Informationen gibt es im Bus vom Fahrer. Das spart Zeit. Durch die Maronenallee fährt die Gruppe weiter zur Festscheune. Hier verteilt Bock Mappen mit Informationen, Ulrich Kehler berichtet währenddessen von der Scheune und Festen, die darin gefeiert werden. Die Dorfbewohner sind gut auf die Besichtigung vorbereitet, können alle Fragen der Jury beantworten.

Weiter, der Ablauf ist eng getaktet: Zu Fuß geht es in Richtung Dorfmitte. Gottstreu hat seinen Bewohnern noch viel zu bieten, das soll die Jury natürlich sehen.

Karsten Bock wirft schnell einen Blick auf seine Uhr. Nervösität scheint sich bei ihm breitzumachen.

Die Zeit wird knapp. Die Dorfbewohner improvisieren ein wenig: Im Vorbeigehen stellt Kathrin Hagner den Spielplatz vor, um die Besichtigung zu beschleunigen. Obwohl sie nur einen kurzen Blick erhascht, nickt Jurymitglied Helga Persch vom Landfrauenverband anerkennend: „Der Spielplatz sieht sehr gut aus. Sehr gepflegt.“

Die Zeit drängt jetzt. Auf dem Programm stehen aber noch eine Powerpoint-Präsentation, Besichtigungen des DGH, des Backhauses, des Waldensermuseum, des Jugendraums, der Kirche und, und, und.

Die Zeit drängt

„Wir haben nur noch eine halbe Stunde“, sagt Hagner. „Ich hoffe, dass wir es noch schaffen, der Jury den Reithof vorzustellen.“ Vorher wollen die Dorfbewohner jedoch noch Fachwerkhäuser zeigen, über Mobilität im Ort berichten, die Holztransportfirma und den Weinhandel vorstellen. Bock wirft wieder einen Blick auf seine Uhr, ist gezwungen, die Vorträge der Referenten zu kürzen und versucht, die Jury in einer Gruppe zu behalten.

Auch Jury steht unter Druck

Doch nicht nur Bock und die Dorfbewohner stehen unter Druck. Auch die Jury muss sich überlegen, wieviele Punkte sie einem Dorf in den verschiedenen Kategorien gibt. „Ich habe nachts beim Einschlafen Probleme“, sagt Helga Persch. „Jedes Dorf ist anders, und alle geben sich sehr große Mühe. Das möchte ich natürlich gerecht beurteilen.“

Die 90 Minuten sind fast um. Am Ende geht jedoch alles gut. Die Jury ist endlich in der Reithalle, dem Höhepunkt der Besichtigung, angekommen: Hier kann sie Kindern zuschauen, wie sie kleine Kunststücke auf Pferden vorführen. Inhaberin Kerstin Siemon berichtet währenddessen vom Reithof. Die Zeit reicht nun sogar für Abschiedsworte und Traubensaft vom Weinhandel.

Wie es Karsten Bock geht? „Ich bin sehr erleichtert, dass alles geklappt hat“, sagt er und lacht. „Trotz Druck war der Tag gut für die Gemeinschaft des Orts. Jetzt feiern wir bei Kaffee und Kuchen.“

Mit dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wird nicht nur das schönste Dorf gesucht, sondern auch das aktivste, sozialste und zukunftsfähigste. Für die Bewertung betrachtet die Kommission 14 Dörfer im Landkreis Kassel 90 Minuten lang. Dabei bewerten sie:
• Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen;
• Bügerschaftliches Engagement und kulturelle Aktivitäten;
• Baugestaltung und Siedlungsentwicklung;
• Grüngestaltung im Dorf und der Bezug zur Landschaft.
Im Herbst stehen die Sieger fest. Auf sie warten Preise bis zu 4000 Euro. Die Kommission besichtigt am morgigen Dienstag, 20 Juni, noch folgende Orte: Schachten ab 10 Uhr , Burguffeln ab 13 Uhr, Udenhausen ab 15 Uhr. Treffpunkt ist in allen Orten am Dorfgemeinschaftshaus. Interessierte sind dazu eingeladen.

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