Arbeit hat sich verändert

Gute Auftragslage im Handwerk im Kreisteil Hofgeismar: Umbau statt Urlaub

Eugen Ehrlich (links) und Kai Hoffmann vom Elektrofachbetrieb Ewers in Hofgeismar bringen dort Deckenleuchten an.
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Gut zu tun in der Alten Post in Hofgeismar: Die Mitarbeiter Eugen Ehrlich (links) und Kai Hoffmann vom Elektrofachbetrieb Ewers in Hofgeismar bringen dort Deckenleuchten an.

Während manche Geschäftszweige lahm liegen, werden Handwerksbetriebe im Kreisteil gestärkt. Uwe Loth, Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft, spricht von einer guten Lage.

Kreisteil Hofgeismar/Kassel - Die betrifft alle - vom Maler bis zum Heizungsinstallateur. „Die Kunden müssen mittlerweile eine Vorlaufzeit von bis zu einem Jahr bei Aufträgen einplanen“, berichtet etwa Jørn Warnberg, der in Helmarshausen einen Malerbetrieb führt, der auf Denkmalpflege und Restaurierung spezialisiert ist. Vor der Pandemie habe der Betrieb dagegen maximal einen Monat nach Auftragsvergabe mit den Arbeiten begonnen.

Dadurch, dass die Zinsen niedrig seien und die Leute keine sonstigen Ausgaben hätten, würden sie jetzt in ihre Häuser investieren, vermutet Warnberg. Teils seien die Kunden auch vor Corona oft berufstätig unterwegs gewesen und würden erst jetzt den Wunsch hegen, die eigene Immobilie aufzuwerten. „Leider müssen wir die Kunden dann oft vertrösten“, sagt Jørn Warnberg. „Wir raten ihnen dann, eine andere Firma zu beauftragen.“

Viele Videoanrufe, statt vor Ort

Wesentlich verändert habe sich unterdessen die Arbeitsweise, merkt Uwe Loth an. Besonders in Privathaushalten könnten etwa bei einem Badumbau die einzelnen Gewerke, wie Installateur, Fliesenleger und Schreiner nicht parallel arbeiten. „Vor der Pandemie arbeiteten wir auch der Reihe nach, Überschneidungen waren aber möglich. Die werden heute vermieden.“ Das erfordere ein genaueres Zeitmanagement, eine andere Arbeitsorganisation.

Immer mehr Betriebe würden daher auf digitale Kommunikation setzen. So auch der Malerbetrieb von Jørn Warnberg. Zwar seien die innerbetrieblichen Abläufe, wie Rechnungsstellung und Auftragsabwicklung, auch vor der Coronakrise schon weitestgehend digitalisiert gewesen. „Jetzt kommt aber hinzu, dass wir viele Termine, die früher vor Ort auf der Baustelle stattgefunden hätten, am heimischen Computer per Videoanruf abhalten“, berichtet Warnberg. Darunter würden beispielsweise Hintergrundgespräche mit der Denkmalpflege fallen. Zur Corona-Prävention setzen die Handwerksbetriebe, wie von der Bundesregierung auferlegt, auf Schnelltests. Beim Malerbetrieb Warnberg dürfen sich die Angestellten am Anfang der Woche auf Betriebskosten während der Arbeitszeit in einem Testzentrum testen lassen.

Dirk Ewers (52) vom gleichnamigen Elektrofachbetrieb in Hofgeismar freut sich auch über ein gut laufendes Geschäft. „Die Auftragslage ist mindestens gleich geblieben, eher noch ein wenig höher“, berichtet er. Gerade der Privatkundenbereich habe im Vergleich zu den Vorjahren etwas zugenommen. „Die Leute sind häufiger zu Hause, da fallen dann mehr Dinge auf, die instand gesetzt werden könnten“, sagt Ewers. Ein Faktor sei auch, dass der Glasfaserausbau in Schwung komme. Dadurch erhalte der Betrieb Zusatzaufträge. (Anna Lischper, Paul Bröker)

Nachwuchsmangel verschärft sich

Ein „Riesenproblem“ ist laut Uwe Loth von der Kreishandwerkerschaft der fehlende Nachwuchs, der den Fachkräftemangel verstärke. Berufsinformationstage und Praktika fallen weg, zudem neigten viele junge Menschen zum Studium und zu höheren Schulabschlüssen, sagt Barbara Scholz von der Handwerkskammer Kassel. Um Nachwuchs, wenn er sich denn findet, zu binden, empfiehlt die Handwerkskammer Betrieben, Lehrverträge früher abzuschließen.

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