Hebammen: Krankenkassen wollen Geburtsort diktieren

Hofgeismar. Freiberufliche Hebammen können ihre Berufsversicherung kaum noch zahlen und fürchten um die Zukunft der Hausgeburt.

Im vergangenen Jahr mussten sie 5500 Euro aufbringen, jetzt stehen 6000 zur Diskussion. Ohne Einigung zwischen Krankenkassen und Hebammenverbänden erlischt der Versicherungsschutz und Hebammen dürfen ab Juli nicht mehr arbeiten.

Die Kosten bedrohen die berufliche Existenz der Geburtshelfer in ländlichen, vergleichsweise geburtenschwachen Regionen wie Hofgeismar. „So viele Geburten können sie gar nicht begleiten, damit sie das bezahlen können“, befürchtet Katharina Schmidt-Höschel, Hebammen-Team Hofgeismar.

Außerdem wollten Krankenkassen Frauen zur Geburt in der Klinik zwingen, ärgert sich Reinhild Bohlmann, zweite Vorsitzende des Bunds freiberuflicher Hebammen: Verzögert sich die Geburt über den berechneten Termin - nach Bohlmanns Schätzungen ungefähr ein Drittel der Geburten - will die Krankenkasse die Kosten einer Hausgeburt nicht mehr zahlen.

Die Kassen argumentieren, man erhöhe so die Sicherheit für Mutter und Kind. Dafür fehlt Bohlmann der medizinische Grund, leichte Verzögerungen ergäben nicht direkt Komplikationen. Schmidt-Höschel sieht die diskutierten Kriterien ebenfalls kritisch. „Jede Frau sollte die Wahl haben, wo sie ihr Kind bekommt“, sagt sie mit Blick auf das Mutterschutzgesetz. Würden die neuen Kriterien beschlossen, käme das dem Zwang gleich, in einer Klinik zu entbinden - eine Hausgeburt, wie es die Hebammen um Esther Bohlmann vom Storchennest Hofgeismar anbieten, wäre dann Luxus. (bdi)

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