Glenn Wertheim aus San Francisco in Helmarshausen

Auf Spurensuche in Nordhessen: Wo die jüdischen Vorfahren lebten

Beeindruckt: Glenn Wertheim hält die Eindrücke, die er in Helmarshausen macht, mit der Kamera fest, um seine Familie in San Francisco daran teilhaben zu lassen. Fotos (2): G. Hoffmann

Helmarshausen. Zu Zeiten des Nationalsozialismus waren viele Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. So auch die Familie von Glenn Wertheim.

Ein Besuch des United States Holocaust Memorial Museums in Washington brachte den aus San Francisco stammenden Amerikaner Glenn Wertheim und seine Frau Theresa auf die Spur seines Vorfahrens Max Wertheim. In dem dort ausliegenden Buch von Magda Thierling „Vergessene Geschichte - Jüdisches Leben in Helmarshausen und Bad Karlshafen“ entdeckte er den Namen seines Großvaters, Max Wertheim. Dieser war aufgrund seiner jüdischen Wurzeln gezwungen, Helmarshausen zu verlassen und in die USA zu emigrieren.

Fasziniert von der Entdeckung nahm der Kalifornier Glenn Wertheim Kontakt zu Magda Thierling auf. Nur zu gerne traf diese sich gemeinsam mit dem Buchherausgeber Christian Schäfer mit dem Ehepaar Wertheim in Helmarshausen, um ihnen die Spuren zu zeigen, die jüdisches Leben in Helmarshauen und Bad Karlshafen hinterlassen hat.

Erinnerungsfoto: Beeindruckt reagierten Glenn und Theresa Wertheim auf den in diesem Jahr aufgestellten Gedenkstein, der an die jüdischen Opfer aus Helmarshausen erinnert. Foto: privat

Im Rahmen einer Europareise unternahmen Glenn und Theresa Wertheim den Abstecher von Paris nach Deutschland, wo sie nie zuvor gewesen waren. Bewaffnet mit Kamera und Schreibblock ließen sie sich von Magda Thierling zu den Wohnstätten der Familie Wertheim führen, lauschten ihren Ausführungen über die Familie Wertheim, über ihre Berufe, ihre Verbindungen zu anderen Familien und nicht zuletzt den Schicksalen der Einzelnen. Sichtlich berührt erzählte Glenn Wertheim, dass sein Großvater nie viel von der Vergangenheit gesprochen habe. Ihm sei der Besuch Helmarshausens aber sehr wichtig.

Auch der jüdische Friedhof durfte dabei nicht fehlen. Dieser befindet sich aufgrund des Eingreifens der Nazis zwar nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort am Hang zwischen Poststraße und Krukenburg, aber einige der alten Grabsteine findet man heute noch auf dem neuen jüdischen Friedhof an der Gottsbürener Straße vor. So auch Grabsteine der Familie Wertheim. Erschüttert zeigt sich das Ehepaar darüber, dass zwar die Grabsteine 1936 verlegt wurden, nicht jedoch die Gebeine der Toten.

Dennoch ist vor allem der in Stein gefasste Name unter anderem der Urgroßmutter der 1928 und 1933 in die USA ausgewanderten Geschwister für Glenn Wertheim der greifbare Beweis für das Leben, das seine Familie einst führte, bevor auch die letzten jüdischen Einwohner aus Helmarshausen vertrieben oder getötet wurden. (zgi)

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