„Da konnte ich nicht Nein sagen“

Heinrich Sattler soll neuer Vorsitzender der TSG Hofgeismar werden

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Bestätigte seine Ambitionen im Interview: HNA-Redakteur Michael Rieß (links) im Gespräch mit Hofgeismars Ex-Bürgermeister Heinrich „Henner“ Sattler.

Die TSG Hofgeismar ist bei der Suche nach einem Vorsitzenden offensichtlich fündig geworden. Der Kandidat ist im Kreisteil kein Unbekannter.

Der langjährige Bürgermeister von Hofgeismar, Heinrich Sattler, soll den größten Verein der Stadt zurück in ruhiges Fahrwasser führen. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 18. Oktober soll er zum Vorsitzenden gewählt werden.

Entsprechende HNA-Informationen bestätigte Sattler jetzt gegenüber unserer Zeitung. „Ich wurde von den Abteilungsleitungen der TSG gebeten, das Amt zu übernehmen“, sagte er. Erst habe er um Bedenkzeit gebeten. „Aber wenn der größte Verein der Stadt in Nöten ist, dann kann man sich um die Verantwortung nicht drücken.“ 

Vorsitz wird keine leichte Aufgabe

Außerdem sei er seit 60 Jahren Mitglied im Verein, habe früher selbst Handball gespielt und sehe jetzt die Chance, dem Verein etwas von dem zurückzugeben, was er an Positivem erfahren habe. „Dass ich immer noch so fit bin, habe ich auch mit der TSG zu verdanken“, sagte der 73-Jährige in einem Redaktionsgespräch.

Eine leichte Aufgabe ist es nicht, die auf Sattler wartet. Wie berichtet, war ein Großteil des bisherigen Vorstandes zurückgetreten, weil auf dem Gelände des Angerstadions ein Geselligkeitshäuschen gebaut wird – ohne Absprache mit dem Hauptverein.

Bestandsaufnahme machen

Die Wurzeln für diesen Bau liegen Jahre zurück. Damals hatte die Stadt das Gebäude im Angerstadion saniert – die Theke wurde abgebaut. Abgesprochen war dies damals mit dem Gesamtverein. Proteste, vor allem von Teilen der Fußballern, gab es dennoch. „Natürlich quakt der Frosch, wenn der Tümpel trocken gelegt wird,“ kommentierte der damalige Bürgermeiser den Protest. Der Bürgemeister hieß Heinrich Sattler.

Die alten Geschichten aber will er nicht aufwärmen, wenn er Vereinschef wird. Zunächst gelte es, eine Bestandsaufnahme zu machen, sagt er. Was falsch gelaufen sei, müsse benannt, Verantwortungen übernommen werden. Dann gelte es aber, den Verein zusammenzuführen. Er traue sich diese Mammutaufgabe zu, da er gute Kontakte in alle Abteilungen habe.

Die TSG – ein Verein mit elf Abteilungen

Die TSG Hofgeismar ist mit über 1000 Mitgliedern der größte Verein der Stadt. Sie hat elf Abteilungen: Fußball, Handball, Damengymnastik, Herzsport, Basketball, Leichtathletik, Lauftreff, Ringen, Taekwondo, Tanzen und Turnen. Die Abteilungen sind weitgehend unabhängig. Sportliches Aushängeschild sind die Leichtathleten, die über die LG Reinhardswald für Schlagzeilen sorgen und die Turnerinnen. Starkes Publikumsinteresse erreichen die Handballer in der SHG.

Designierter TSG-Chef Henner Sattler über Hofgeismars größten Verein

Die TSG Hofgeismar ist bei der Suche nach einem Vorsitzenden offensichtlich fündig geworden: „Henner“, wie Heinrich Sattler in Hofgeismar alle nennen, soll den Verein führen. Wir sprachen mit dem früheren Hofgeismarer Bürgermeister, wie es dazu kam, und welche Aufgaben auf ihn warten.

Herr Sattler, Sie sagten einst, die TSG sei ein toller Verein, dem aber ein starker Vorsitzender fehlt.

Das möchte ich nicht bestreiten. Die TSG hatte immer engagierte Vorsitzende, die gute Arbeit geleistet haben. Vielleicht fehlte aber manchmal die nötige Unterstützung und Durchsetzungskraft.

Und jetzt kommt der starke Vorsitzende?

Nein, so einfach ist das nicht. Man muss schon ein wenig tiefer gehen. Denn die TSG ist kein „normaler“ Verein und beispielsweise absolut nicht mit der TSV Immenhausen zu vergleichen. Dort ist der Gesamtverein an sich sehr stark in und mit der Stadt verankert, ist „Gesellschaftsträger“. Bei uns sind dies die einzelnen Abteilungen mit ihren vielfältigen Angeboten. Und da ist es sinnvoll und geboten, dass sich diese unter einem Dach präsentieren.

Und Sie sollen Chef dieser, sagen wir, TSG-Holding werden. Wie kam es dazu?

Ich war total überrascht, als ich einen Anruf von Gudrun Fehling (Handball-Abteilung der TSG, Anm. d. Red.) bekam, und sie mich fragte, ob ich bereit wäre, das Amt zu übernehmen. Es war ein sehr langes Telefonat. 42 Minuten.

Was war Ihr erster Gedanke?

Zunächst fühlte ich mich sehr geehrt, dass man mich gebeten hat, dieses Amt zu übernehmen. Aber ich wusste auch sofort, welche Verantwortung es bedeuten würde. Deshalb habe ich auch um Bedenkzeit gebeten.

Letztlich sagten Sie aber zu?

In den folgenden Tagen wurde ich von fast allen Abteilungen angesprochen, viele Telefonate fanden statt mit der Bitte, das Amt zu übernehmen.

Auch von den Fußballern?

Ja, ich habe auch mit Maik Kolle, dem Abteilungsleiter Fußball, gesprochen.

Und dann haben Sie zugesagt.

Ja, dann habe ich zugesagt. Seit langem bin ich mit der TSG verbunden. 60 Jahre bin ich im Verein. 14 Jahre habe ich Handball gespielt, die Leichtathleten betreut. Meine Kinder hatten als Leichtathleten große Erfolge. Nun spielen schon meine Enkelkinder dort Handball und Fußball. Ich habe der TSG viel zu verdanken. Und wenn dann dieser Verein kommt und fragt, ob ich Verantwortung übernehmen möchte: Da konnte ich nicht Nein sagen. Dann hatten wir abschließende Gespräche mit allen Abteilungen und ich habe meine endgültige Zusage gegeben.

Wer wird dem Vorstand noch angehören?

Ich glaube, wir haben eine gute Mannschaft zusammengestellt. Ich bitte um Verständnis, dass ich keine Namen nenne. Wir haben Vertraulichkeit vereinbart. Und solche Zusagen sind für mich verbindlich. Dass auch die Abteilungen bisher über unsere Gespräche diese Vertraulichkeiten wahrten, stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.

Wird sich auch die Fußball-Abteilung im Vorstand wiederfinden?

Natürlich.

Die Aufgabe ist nicht leicht. Es gibt Abteilungen, die benötigen viel Geld, andere sorgen sportlich für Furore und wieder ander errichten ohne Absprache im Angerstadion ein Gebäude.

Dazu werde ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. In der Politik heißt es beim Amtsantritt mit Blick auf das Geld immer: Wir machen erst Kassensturz und sehen dann weiter. Ähnlich ist es auch hier. In dem von Ihnen angeführten Fall müssen auch erst alle Karten auf den Tisch, bevor man sich öffentlich äußert. 

Fest steht aber, dass man miteinander Klartext redet. Ich war als Bürgermeister dafür bekannt, dass ich mich vor Verantwortung und Entscheidungen nicht drückte. Das werde ich auch jetzt nicht. Wenn etwas falsch gemacht wurde, muss es Konsequenzen haben. Ein Neuanfang ist nur möglich, wenn man keine alten Hypotheken mit sich schleppt.

Also bekommt die TSG jetzt einen starken Vorsitzenden?

Sie bekommt einen engagierten, der sich zutraut, nach einer Bestandsaufnahme die Interessen zusammenzuführen. Und einen, der zuversichtlich ist, die TSG in eine gute Zukunft zu führen. In den 170 Jahren TSG-Geschichte ging es immer auf und ab. Der Verein hat schon manchen Krach überstanden. Das wird 171 Jahre nach der Gründung nicht anders sein. Und wenn ich dabei helfen kann, werde ich das auch tun.

Zur Person

Heinrich Sattler (73) ist gebürtiger Hofgeismarer. Nach dem Studium schlug er den Lehrer-Beruf ein und war bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister Leiter des Realschulzweiges der Gustav-Heinemann-Schule. Politisch war Sattler bei der CDU aktiv. Kommunalpolitische Ämter bekleidete er ab 1977. Er war ehrenamtlicher Stadtrat, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses. 

1996 wurde er in der damaligen SPD-Hochburg Hofgeismar zum Bürgermeister gewählt. Zum 1. Januar 1997 trat er das Amt an. Zweimal wurde er für je sechs Jahre wiedergewählt, bevor er nach 18 Jahren als Verwaltungschef in den Ruhestand ging. Zahlreiche Projekte stieß er an (Hochwasserschutz Hombressen, Hessentag, Bahnhof, Umgehungsstraße). Sein größtes Vorhaben, Investoren für ein Ferienresort in Beberbeck zu finden, blieb aber ein Traum.

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