Miracle Feet bekommt Unterstützung aus der Region

Hilfe für Kinder mit Klumpfuß: Den Lebensweg ganz normal gehen

Fehlstellung: Das Bild zeigt den sogenannten Klumpfuß bei einem Kind in Indien. Auch dort hilft die Organisation Miracle Feet, für die in der Region Hofgeismar das Ehepaar Martin Ansprechpartner ist.
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Fehlstellung: Das Bild zeigt den sogenannten Klumpfuß bei einem Kind in Indien. Auch dort hilft die Organisation Miracle Feet, für die in der Region Hofgeismar das Ehepaar Martin Ansprechpartner ist.

460 Euro. Das ist ein Betrag, den viele hierzulande locker hinblättern, wenn sie sich ein neues Smartphone kaufen.

Hofgeismar - Für viele Menschen in Entwicklungsländern ist das eine utopische Summe – auch für die Familien von Kindern, die mit einem Klumpfuß geboren sind.

Dabei könnte man den Betroffenen mit genau diesem Betrag dabei helfen, dass sie ihren Lebensweg, und das ist wörtlich zu nehmen, ohne Einschränkungen gehen können. Dem hat sich die Hilfsorganisation Miracle Feet verschrieben, die auch aus dem Kreisteil Hofgeismar heraus unterstützt wird. Hier die Details dazu:

Die Diagnose

Vereinfacht gesagt: Man erkennt einen Klumpfuß daran, dass der betroffene Fuß einwärts gedreht ist und sich häufig eine tiefe Falte an der Fußsohle befindet. Bei Betroffenen ist das Gehen stark eingeschränkt, bei beidseitigem Klumpfuß ist es nur noch mit Stützen möglich. Bleibt die oft genetisch bedingte Missbildung unbehandelt, führt die Fehlbelastung am Skelettsystem in der Folge zu schweren Knochenschäden. Rund 175 000 Babys werden jährlich weltweit mit Klumpfuß geboren, davon 90 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, sagt Dr. Armin Martin. Zusammen mit mit seiner Frau, Dr. Annekatrin Martin, Hausärztin in Grebenstein, vertritt er Miracle Feet in der Region Hofgeismar.

Die Folgen

85 Prozent der Klumpfuß-Fälle bei Neugeborenen blieben jedes Jahr unbehandelt, erklärt Armin Martin. Seine Eltern haben zeitweise in Indien gelebt, er ist dort geboren, noch immer hält er Kontakt dorthin und besucht das Land. Er hat die Folgen für Betroffene, die nicht behandelt werden, dort selbst gesehen: „Sie haben keine Perspektive, oft werden sie von ihren Familien verstoßen.“ Sie könnten nicht in die Schule gehen, hätten keine Bildung, später keinen Beruf und keinen Partner. Ermögliche man ihnen jedoch frühzeitig eine Behandlung, so könne das einen ganzen Lebenslauf ändern, sagt Martin. Dabei sei die Behandlung nicht kompliziert und koste insgesamt nur 460 Euro pro Person.

Eine aufwendige OP ist nicht nötig: Mit einem Gips wird eine Umstellung des Fußes über Wochen herbeigeführt, dazu gibt es in den meisten Fällen einen minimalinvasiven Eingriff an der Achillessehne und dann über mehrere Monate eine Schiene für die Füße, damit die Umstellung dauerhaft bleibt. 90 Prozent der behandelten Kinder könnten anschließend „ohne jegliche Schwierigkeiten“ laufen, vermeldet Miracle Feet. Insgesamt 98 Prozent hätten eine bessere Lebensqualität.

Die Hilfsorganisation

Miracle Feet hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 56 000 Klumpfußbehandlungen vorgenommen. Das Kliniknetz erstreckt sich über 323 Kliniken in 29 Ländern. Aus einer ehemals kleinen Elterninitiative sei somit eine weltweite Organisation geworden. Sogar in der Pandemie habe man die Zahl der neu betreuten Patienten steigern können, sagt Armin Martin. Das Ziel sei, „noch zu unseren Lebzeiten“ jedem betroffenen Kind, egal wo es lebe, eine Behandlung zu ermöglichen. Durch die ehrenamtliche Arbeit vieler Miracle-Feet-Helfer – und durch das Engagement von Spendern und Unterstützern wie im Kreisteil Hofgeismar.

Der Adventslauf

Unter dem Motto „Kinder laufen für Kinder, damit Kinder laufen können“ sollte eigentlich heute der dritte Hofgeismarer Kinder-Adventslauf stattfinden, veranstaltet von der LG Reinhardswald und der Stadt Hofgeismar, erneut zugunsten von Miracle Feet. Wegen Corona wurde er abgesagt. Dabei hatten die Helfer um LGR-Trainer und Initiator Peter Göring schon alles geplant. Medaillen wurden vorbereitet, Freiwillige setzten sich ein, über Copy&Color wurden zahlreiche Flyer gedruckt, die in Schulen zur Teilnahme werben sollten.

Das alles soll nun als Grundlage für die nächste Auflage dienen, die für Dezember 2022 geplant sei, erklärt Göring. Und er fügt hinzu: Auch ohne Startgeld, das sonst komplett als Spende fließt, ist für Miracle Feet eine ordentliche Summe zusammengekommen: 1770 Euro, großteils über die Sponsoren AKG Thermotechnik, wo Armin Martin und Peter Göring tätig sind, den Lions Club, die TSG Hofgeismar, die Prochnow GmbH und die Martin Löber GmbH. Dafür wolle man ganz herzlich danken, sagt Armin Martin. Diesem Dank schließt sich auch Spendenlauf-Initiator Peter Göring an. Ihn habe der Ansatz von Miracle Feet von Anfang an überzeugt, sagt er. Und er stimmt Armin Martin zu, wenn dieser mit Blick auf Spenden sagt: „Wir brauchen dieses Geld ganz dringend.“ (Matthias Müller)

Das Spendenkonto

Spendenkonto: Miracle Feet e.V. IBAN: DE 21 7002 0270 0015 3155 78; Unter Verwendungszweck „Spende – Adventskinderlauf Hofgeismar“ und Namen mit vollständiger Adresse angeben, Spendenquittung wird gerne zugesendet.
Informationen zur Hilfsorganisation unter miraclefeet.org

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