Experte aus Osnabrück

Historiker sprach  vor Schülern: „Migration ist nichts Neues“

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Setzte aktuelle Ereignisse in geschichtlichen Kontext: Referent Dr. Marcel Berlinghoff von der Universität Osnabrück sprach an der Albert-Schweitzer-Schule über Migrationsgeschichte.

Hofgeismar. Flüchtlingsbewegungen, Doppelpass-Diskussion, Forderungen nach Einwanderungsgesetzen: Migration ist eines der großen Themen des Jahrzehnts.

Zum Unesco-Tag referierte Dr. Marcel Berlinghoff an der Hofgeismarer Albert-Schweitzer-Schule über das Thema Migrationsgeschichte. Seine zentrale These: Die Probleme, die zur Zeit bestehen, sind nichts Neues.

Der Forscher der Universität Osnabrück stellte die jüngere Migrationsgeschichte anhand einiger markanter Ereignisse dar. So sei im 19. Jahrhundert die aufkommende Schifffahrt einer der größten Treiber von Migrationsbewegungen gewesen. Eine der am stärksten genutzten Routen ging damals von Hamburg, Antwerpen oder Amsterdam in Richtung Nordamerika. 

Berlinghoff erinnerte immer wieder daran, dass viele der Schüler vermutlich eine familiäre Migrationsgeschichte mit sich bringen, auch wenn diese bereits mehrere Generationen zurückliegt. Auch die Hugenotten, die ab Ende des 17. Jahrhunderts nach Nordhessen kamen, wurden thematisiert.

Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Probleme, die Migration mit sich bringe, seien wie die Migration selbst nichts Neues, sagte Berlinghoff. Insbesondere die Diskussion um Randgruppen, deren Integration schwierig sei, sei altbekannt. So seien deutsche Migranten in Nordamerika oftmals als besonders rüpelhaft wahrgenommen worden.

Evelina Turdieva

„Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, durch die Lernprozesse stattfinden“, sagte er. Celina Kricke, Schülerin im Leistungskurs Geschichte sagte: „Es ist klar geworden, dass bereits viele Länder mit vielen Flüchtlingen klargekommen sind.“ Die 17-jährige Evelina Turdiera äußerte sich ähnlich: „Die Geschichte hat mir einen neuen Blick auf Aktuelles gegeben.“

Einwanderungsgesetze kein Allheilmittel

In der anschließenden Diskussion drehten sich viele Fragen um Chancen von Migranten in Deutschland und auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Berlinghoff äußerte sich kritisch zu Einwanderungsgesetzen, da diese „oft nicht mit dem realen Arbeitsmarkt übereinstimmen und Modelle anderer Länder nicht auf Deutschland übertragbar sind.“ Der Arbeitsmarkt sei stark auf die deutsche Sprache ausgelegt, das sei etwa in Skandinavien anders, wo Englisch eine große Rolle spiele.

Luca Stahl

Auch zur derzeit geführten Doppelpass-Diskussion bezog Berlinghoff klar Stellung: „Das ist Symbolpolitik und keine Integrationsdebatte. Der Doppelpass fördert Integration, da die eigene Identität gestärkt wird.“

Schüler Luca Stahl hätte sich noch mehr politische Aspekte gewünscht: „Mir hat etwas die klare Kante gefehlt, auch wenn das nicht die Aufgabe eines Historikers ist“, sagte Stahl.

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