CDU-Chef gibt Antworten

Interview: Maik Sembowski über Ausstieg aus der Energiegenossenschaft

Hofgeismar. Die CDU Hofgeismar hat mit ihrem Votum im Stadtparlament dafür gesorgt, dass Hofgeismar aus der Energiegenossenschaft Reinhardswald austritt. 

Die WSD hatte den Antrag gestellt, doch für den Paukenschlag sorgte das Abstimmungsverhalten der CDU. Wir sprachen mit dem Stadtverbandsvorsitzenden Maik Sembowski darüber.

Herr Sembowski, im Ausschuss enthielten sich die Christdemokraten, einer stimmte sogar für den Verbleib in der Energiegenossenschaft. Im Parlament fehlte dieser Stadtverordnete, Torben Busse, und die Christdemokraten stimmten geschlossen für den Austritt. Wurde Kritik in der CDU „kontrolliert zum Schweigen gebracht“, wie man in der Energiegenossenschaft vermutet?

Sembowski: Nach der Ausschusssitzung wollten wir erst die Informationen auswerten, die wir erhalten haben. Daher unsere Entscheidung, sich zunächst zu enthalten. Ich weiß nicht wie Torben Busse, der dienstlich verhindert war, in der Stadtverordnetenversammlung abgestimmt hätte. Seine Stimme hätte aber nichts am Ergebnis geändert.

Wahlen stehen an. Man wirft Ihnen politisches Kalkül vor. Zu recht?

Sembowski: Sollen wir etwa sechs Monate vor der Wahl die politische Arbeit einstellen? Zudem gestatten Sie mir den Hinweis, dass es kein CDU-Antrag war und wir müssen uns mit den Themen befassen, die auf der Tagesordnung stehen. Warum die WSD jetzt den Antrag gestellt hat, darüber kann ich nur spekulieren. Wir werden weiter an dem Thema arbeiten und vielleicht weitere Anträge stellen.

Was bedeutet das für die geplanten Windräder auf dem Heuberg?

Stadtverbandsvorsitzender CDU: Maik Sembowski. Foto: privat

Sembowski: Wir haben 2011 den Plan gehabt, die Sache erstmal zu prüfen. Doch seitdem hat sich die Welt weiter gedreht, die Technik hat sich weiterentwickelt. Was mich sehr ärgert, sind Äußerungen wie die von Christian Knoche: „Alle, die Windräder kritisieren, sind Atomkraftbefürworter.“ Da gibt es viel dazwischen, beispielsweise Höhenwindtechnologie. Windräder dagegen haben erhebliche Nebenwirkungen. Wir sollten uns in Hofgeismar überlegen, wie wir damit umgehen. Da gehört der Heuberg dazu. Ich weiß aber, dass auch andere Flächen von privaten Investoren für Windräder ins Auge gefasst werden.

Die WSD hat der Energiegenossenschaft Intransparenz vorgeworfen. Stimmen Sie dem zu?

Sembowski: Die Bürger müssen wissen, was auf sie zukommt. Das wäre auch schön im Bezug auf die Energiegenossenschaft gewesen. Wenn man vorhat, Windräder zu bauen, sollte man das auch klar sagen. Die Befürworter der Energiegenossenschaft haben ja auch nicht erklärt: „Wir machen mal eine Interessengemeinschaft, um für einen Salzsee viel Entschädigung zu bekommen.“ Sie haben klar gesagt: „Wir wollen keinen Salzsee hier.“ Und daraus ist eine große Bewegung im Kreisteil geworden.

Sehen Sie nicht die Gefahr, dass es ohne Energiegenossen am Ende mehr Windräder im Wald geben könnte?

Sembowski: Ich bin kein Jurist, habe mich als Landtagskandidat aber damit beschäftigen müssen. Meines Wissens hat das Land keine Möglichkeit, den Wald der Energiegenossenschaft exklusiv für 20 Anlagen und die halbe Pacht zu geben, wenn man hier 40 Anlagen bauen könnte. Wir haben nur eine Chance: klar zu signalisieren, dass wir Windräder im Reinhardswald nicht wollen. Was wir mit einer Beteiligung bei der Energiegenossenschaft gemacht hätten, wäre eine durchaus spekulative Geldanlage außerhalb unseres Stadtgebietes mit Steuergeld unserer Bürger gewesen.

Aber ein CDU-Bürgermeister hat die Energiegenossenschaft doch mitgegründet. Ist das keine Kehrtwende?

Sembowski: Damals mussten wir nur beschließen, 1000 Euro einzubringen. Wir haben das gemacht, um zu sehen, was passiert. Nun mussten wir feststellen: Wir gaben das Geld und hörten nichts mehr. Ich weiß nicht, ob mit dem Bürgermeister korrespondiert wurde, aber mit dem Stadtparlament wurde nie gesprochen. Was wir nun über die Pläne der Energiegenossenschaft erfahren haben, war neu für uns. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich unser Einfluss geändert hätte, wenn wir dabei geblieben wären.

Sie haben die Windkraftgegner von der Oberweser wie Klaus Becker mit Handschlag begrüßt. Sehen wir Maik Sembowski bald auf Anti-Windraddemonstrationen?

Sembowski: Da auch ich - genau wie Herr Becker - große Bedenken gegen Windräder im Reinhardswald habe, bleibt es nicht aus, dass wir uns öfter auf Veranstaltungen begegnen. Und wenn man sich kennt, grüßt man sich. Darüber hinaus bin ich mit meinem ehrenamtlichen Engagement in der Kommunalpolitik vor Ort durchaus ausgelastet.

Zur Person

Maik Sembowski (46) aus Hofgeismar wuchs in Carlsdorf auf, war nach dem Abitur Zeitsoldat und machte sich 1992 als Vermögensberater selbstständig. 2000 trat er in die CDU ein, wurde 2006 Stadtverordneter, und 2009 Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Hofgeismar. Seit 2012 ist er im Kreisvorstand. Maik Sembowski ist Jugendschöffe am Amtsgericht Kassel sowie Mitbegründer des Vereins Hessische Eltern pro Bildung. Außerdem ist er Landesvorsitzender der Bundesgemeinschaft für das gegliederte Schulwesen. Sembowski ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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