Selbstversuch: HNA-Volontärin fuhr zum ersten Mal Mähdrescher

Der Profi und die Novizin: In der Fahrerkabine haben HNA-Volontärin Michaela Pflug und Landwirt Jörg Kramm auch dank mehrer Kameras fast einen Rundumblick. Foto:  Strube/nh

Grebenstein. Unsere Volontärin Michaela Pflug saß als Kind schon öfter auf Traktoren und Mähdreschern. Ans Steuern durfte sie damals aber nicht. Heute dagegen schon.

Klimaanlage, Mini-Kühlschrank, mehrere Außenkameras, Gas geben via Joystick und 360 PS. Das hört sich nach Luxusauto an, ist in Wirklichkeit aber ein Mähdrescher. Daher fahre ich auch nicht mit 200 Kilometer pro Stunde über den Nürburgring, sondern mit Tempo 4,5 über ein Feld am Alten Gericht bei Grebenstein.

Am Anfang sogar noch ein bisschen langsamer, denn das Gefährt nötigt mir Respekt ab. Der Claas Lexion 650 ist groß, wirkt fast majestätisch. Normalerweise fahre ich mit einem Kleinwagen durch die Gegend und nicht mit einem 15-Tonnen-Gefährt, dessen Schneidwerk mit 6,60 Metern um einiges länger ist als mein Auto. Ich bin dankbar, dass ich die ersten Runden auf dem Beifahrersitz sitze und Landwirt Jörg Kramm über die Schulter schauen darf.

Nach zehn Minuten wechseln wir dann aber einmal die Positionen. „Sanft den Joystick nach vorne drücken“, erkärt mir Kramm. Ein Gaspedal gibt es nämlich nicht. Gas geben, bremsen und schalten - Das alles funktioniert inzwischen via Knopf- und Joystickdruck. Zwar hat der Mähdrescher Gänge, die seien aber lediglich für den Straßenverkehr gedacht, sagt Kramm. Und auch da muss man sich als Autofahrer umgewöhnen, denn schalten kann man nur im Stehen.

Ich fahre allerdings nur auf dem Feld und auch nur eine Bahn. Die einzige Herausforderung für mich ist es, den Mähdrescher gerade in der Spur zu halten. Das bekomme ich gerade so hin. In den modernsten und größten Mähdrescher muss man noch nicht einmal das. Sie werden per GPS ausgerichtet.

Feld ist eben und trocken

Auch das Schneidwerk passt sich automatisch den Gegebenheiten an. Dessen Höhe kann man zwar auch manuell einstellen, aber bei einem Feld wie diesem ist das nicht nötig. Es ist eben, trocken und es gibt nur wenige Nester an denen das Getreide umliegt.

Eine so hochtechnologisierte Maschine zu steuern, bedeutet nicht, dass der Fahrer nichts zu tun hat. Wenn der Regen das Getreide runtergedrückt hat, muss zum Beispiel der Tisch des Schneidwerks verlängert werden. Außerdem lässt sich nasses Getreide schlechter ernten. Außerdem muss der Fahrer zum Beispiel immer wieder nachschauen, ob die Siebanlagen richtig eingestellt sind. Denn je nach Saatgut und Feld, sind die Körner unterschiedlich groß. Wenn die Anlagen falsch eingestellt sind, dann ist der Verlust zu groß oder das Getreide verunreinigt. Auch müssen seine Augen immer wieder auf das Feld vor ihm gerichtet sein, damit keine Steine oder Äste miteingezogen werden. Nach zehn bis zwölf Stunden kann das schon sehr anstrengend werden, sagt Kramm.

200 Meter in drei Minuten

Die 200 Meter schaffe ich in drei Minuten, „mit der Sense hätten Sie da den ganzen Tag zu tun gehabt“, erklärt Kramm und lächelt. Um sein 3,5 Hektar große Feld zu dreschen, braucht ein geübter Fahrer etwa 1,5 Stunden. Das ist auch nötig, denn bei der Ernte ist Zeit Geld. Etwa 30 Tage im Jahr kann geerntet werden. Reifegrad und Wetter müssen stimmen. „Im vergangenen Jahr waren es nur zwei Tage“, sagt Kramm. 2015 aber war das Wetter gnädig und Kramm und Kollegen konnten an 30 Tagen dreschen.

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