Hessenforst will Änderung

Reinhardswald-Höhenstraße wird teilweise gesperrt

Erst provisorisch, demnächst dauerhaft gesperrt: Die Einmündung von der L 763 in die Reinhardswald-Höhenstraße zur Sababurg. Statt Autowanderern sind hier bald nur noch Fußgänger, Radfahrer und Kutschen erlaubt. Als Ersatz für den Wanderparkplatz will Hessen Forst an dieser Stelle neue Pkw-Stellplätze anlegen.
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Erst provisorisch, demnächst dauerhaft gesperrt: Die Einmündung von der L 763 in die Reinhardswald-Höhenstraße zur Sababurg. Statt Autowanderern sind hier bald nur noch Fußgänger, Radfahrer und Kutschen erlaubt. Als Ersatz für den Wanderparkplatz will Hessen Forst an dieser Stelle neue Pkw-Stellplätze anlegen.

Der seit Jahrzehnten von Touristen und Anliegern genutzte nördliche Teil der Reinhardswald-Höhenstraße soll ab kommendem Februar dauerhaft für den öffentlichen Verkehr gesperrt bleiben.

Reinhardswald. Das hat das Forstamt Reinhardshagen in einer öffentlichen Bekanntmachung angekündigt. Begründet wird dies damit, dass der Abschnitt nicht mehr den Anforderungen für den öffentlichen Verkehr genüge. Das Vorhaben stößt nicht überall auf Begeisterung. teilte mit Bezug auf das Hessische Straßengesetz und das Waldgesetz mit, dass der 7,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen der von Gieselwerder nach Gottsbüren führenden Landesstraße 763 und dem Parkplatz Forstscheid nahe der Sababurg ab dem 31. Januar 2021 für den öffentlichen Verkehr eingezogen wird. Dagegen kann innerhalb von vier Wochen, bis zum 16. Januar, beim Forstamt Reinhardshagen Widerspruch eingelegt werden.

Die Privatstraße von Hessen Forst erhält den Status eines Waldweges und ist dann für den öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr, bis auf den Forstbetrieb, gesperrt. Der 7,2 Kilometer lange südliche Teil von der Sababurg vorbei am Friedwald bis zum Gahrenberg bleibt weiter geöffnet. Aus Richtung Gieselwerder kommende Besucher des Friedwalds müssten dann über Gottsbüren fahren, das sei nur wenig länger. „Fahrradfahren und Kutschfahren ist im künftig gesperrten Teil aber weiterhin möglich“, versichert Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen auf Nachfrage der HNA.

Am Nordende der Straße gab es seit den 1960ern bis in die 1990er Jahre einen Park- und Rastplatz namens „Schöne Aussicht“ mit Schutzhütte, Sitzbänken und wunderbarem Ausblick ins Tal. Seit Langem ist dieser Ausblick durch Bäume zugewachsen, die Hütte verschwunden, der Parkplatz nicht mehr gepflegt. „Solche Parkplätze und Grillplätze waren mal modern, doch das hat sich geändert“, erklärt Klemens Kahle die geänderte Politik.

Die geplante Schließung der Straße begründet Hessen Forst unter anderem mit den jährlich etwa 10 000 Euro Personalkosten für die Kontrolle, ob die Bäume entlang des sieben Kilometer langen Straßenabschnitts noch sicher sind. Auch die Straße selbst sei ein Problem, sie sei zu schmal für sicheren Begegnungsverkehr, es gebe Fahrbahnschäden und am Parkplatz sei öfter unerlaubt Müll abgeladen worden.

Die Gemeinde Wesertal, die mit ihren Feuerwehren unter anderem bei Bränden in dem Waldgebiet tätig werden soll, ist nicht begeistert von den Plänen, zumal sie es lieber direkt von der Behörde als von der Zeitung erfahren hätte, wie Bürgermeister Cornelius Turrey bedauert. Unter touristischen Aspekten sollte der Zugang zur Höhenstraße erhalten bleiben, meint er. Gerade für viele ältere, nicht mehr so mobile Einwohner, etwa aus Gieselwerder, sei das ein beliebtes Ziel für Kurzausflüge mit dem Pkw.

Roland Henne, früherer Bürgermeister von Oberweser, bestätigt das aus eigener Kenntnis. Viele Asthmakranke seien oft bei anhaltendem Nebel im Wesertal dort hinauf auf die Höhe geflohen, um Atemprobleme zu mindern. Das Areal sei sehr schön gewesen, habe sehr gute Wanderwege besessen und wunderbare Aussichten ins Tal geboten, auch wenn die Höhenstraße schmal gewesen sei: „Da musste man halt aufpassen, doch es funktionierte“. Auch Ausflugsbusse wurden dort gesehen.

In den 1970er und 1980er Jahren hatte es schon einmal Forst-Bestrebungen gegeben, die Straße wegen der Unterhaltungskosten total zu schließen. Die Gemeinde Oberweser hatte sich damals dagegen gewehrt und mit der Forstverwaltung eine Einigung erzielt. Henne: „Wenn ich noch Bürgermeister wäre, dann würde ich mich wieder dafür einsetzen, dass sie offen bleibt.“ ArchivFoto: Thomas Thiele

Von Thomas Thiele

Überwuchert: Ein gemauerter runder Steintisch mit Richtungsangaben zu Großstädten, geschaffen vom Mühlenplatzgründer Richard Wittich.
Schöne Aussicht: Der Rastplatz (hier 1976) bot weite Fernsichten ins Wesertal. Die Bänke sind verschwunden, die Aussicht zugewachsen.
Reinhardswald-Höhenstraße

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