Forschungsprojekt

Uni Göttingen beobachtet Luchse im Kreis Kassel: Bleiben die Tiere in der Region?

Jungluchs im Reinhardswald
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Hoffen auf Rückkehr der Luchse: Forschungsprojekt der Uni Göttingen im Reinhardswald endet im Mai.

Nachdem mehrfach Luchse im Kreis Kassel beobachtet wurden, scheint damit vorerst Schluss zu sein. Die Uni Göttingen möchte ihr Beobachtungsprojekt nun beenden.

Reinhardswald - Im Reinhardswald sind in diesen Tagen viele Wanderer unterwegs. Das zeigen die Fotos der Wildkameras, die für das Luchsprojekt aufgestellt wurden. Luchse zeigen die Bilder nicht. Deswegen wird das Projekt der Universität Göttingen im Kaufunger Wald und im Reinhardswald im Mai eingestellt. Das kündigte Dr. Markus Port, Mitarbeiter des Forschungsprojektes, bei einer Kontrolle der Kameras an.

Dieser Trend hatte sich bereits abgezeichnet. Im Kaufunger Wald gibt es schon länger keine Hinweise mehr auf die großen Katzen. Im Reinhardswald waren bis zum Frühjahr mehrfach eine Mutter und ihre Jungtiere beobachtet worden. Diese Familie stammte aus dem Solling. Sie war bei ausgedehnten Streifzügen in den Altkreis Hofgeismar mehrfach fotografiert worden. Im Juli entstanden die letzten Fotos. Aber auch diese Tiere haben das Gebiet in unbekannte Richtung verlassen.

Projekt der Uni Göttingen: Luchse ziehen wohl weiterhin sporadisch durch die Region Kassel

Weil keine Tiere mehr da sind, bauen die Forscher ihre Kameras ab. An 23 Standorten im Kreisteil hatte das Göttinger Luchsprojekt, das vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sowie der Hit-Umweltstiftung gefördert wird, Kameras aufgebaut, 20 im Reinhardswald und drei im hessischen Teil des Bramwaldes. Um das Monitoring wird sich wieder das Landesamt kümmern. Port geht davon aus, dass sporadisch Luchse durch unsere Region ziehen.

Kaufunger Wald und Reinhardswald gelten als Verbindungen von Niedersachsen. Im Nachbar-Bundesland leben Luchse, die ursprünglich im Nationalpark Harz ausgewildert wurden und sich seither vermehren und verbreiten. Die Luchse in Nordhessen und im Solling gehen alle auf die Harz-Population zurück. Besondere Bedeutung habe der Kaufunger Wald als Trittstein zum Thüringer Wald und schließlich nach Bayern, erklärt Markus Port. Auf diesem Weg könnten sich langfristig Luchse weiträumig ausbreiten.

Uni Göttingen beobachtet Luchse in der Region Kassel: Försterin hofft auf Rückkehr

Schwieriger sei das im Reinhardswald. Der werde durch Weser und Fulda wie auch die Autobahn 7 abgegrenzt. Luchse überwinden zwar solche größeren Gewässer. Oft bilden die jedoch ihre Reviergrenzen. Dass die Natur dennoch immer wieder Überraschungen präsentiert, hatte die Luchsfamilie im Reinhardswald gezeigt. Sie hatte mehrfach die Weser überquert. Ob schwimmend oder über eine der Brücken, ist unklar.

Luchsbeauftragte Petra Walter hofft wie viele andere auf eine Rückkehr: „Vielleicht kommen die Jungtiere ja zurück in den Reinhardswald. Sie wären uns hier jedenfalls sehr willkommen“, hatte die Försterin schon im Frühjahr 2020 gesagt.

Die Wildkameras sind so eingestellt, dass sie Luchse gut fotografieren. Kommen Wanderer oder Jäger vorbei, werden die meist nur mit der unteren Körperpartie abgelichtet. Die Forscher löschen diese Bilder, sagte Port. Auch Wildschweine und Füchse laufen vor die Kamera. Bei der jüngsten Auswertung hatte Port in einem Waldgebiet Wildkatzen als häufigste Art auf den Fotos. (Bernd Schünemann)

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