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Hoffnung für Storchen-Weibchen

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Von: Bernd Schünemann

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Ein verletzter Storch mit einer Schiene am linken Bein.
Der verletzte Storch aus Kelze: Eine Tierärztin aus Kirchheim hat noch am Samstag das Bein geschient. Der Vogel wird in eng gehalten, damit er sich möglichst wenig bewegen kann. So soll das Bein geschont werden. © Storchenstation Wabern

Storchenexpertin Andrea Krüger-Wiegand ist zuversichtlich: „Ich hoffe, dass ich den Storch wieder freilassen kann.“

Kelze/Wabern – Die Frau aus Wabern spricht von dem Vogel, der am Samstag schwer verletzt in der Nähe seines Horstes beim Hofgeismarer Stadtteil Kelze gefunden wurde. Die Kelzerin Simone Benoit hatte sich zunächst um das Tier gekümmert, das auf der Straße vor dem Ortseingang gelegen hatte. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin und Tierheilpraktikerin Gunhild Grün versorgte Benoit den Vogel, sehr wahrscheinlich das Weibchen des Kelzer Brutpaares. Dann wurde das verletzte Tier zu Andrea Krüger-Wiegand gebracht.

Storchenstation hilft seit Jahren

Die Wabernerin kennt sich mit den Vögeln aus. Seit Jahren pflegt sie verletzte Störche und berät auch bei der Aufstellung von Nisthilfen. Für das Kelzer Weibchen hat sie Hoffnung, weil das Tier nach seinem Unfall schnell gefunden wurde und versorgt werden konnte. Sie fuhr noch am Samstag zu einer Tierärztin nach Kirchheim, die das Bein schiente. Weil das Tier aus dem Schnabel blutete, geht Krüger-Wiegand davon aus, dass es innere Verletzungen hatte. Die konnten nicht behandelt werden. Inzwischen habe sich aber der Zustand des Weibchens verbessert, berichtete sie auf HNA-Anfrage.

Krüger-Wiegand weist aber darauf hin, dass Beinbrüche die Verletzungen sind, die bei Vögeln am meisten gefürchtet sind – gerade bei Störchen. Sie ist dennoch zuversichtlich, dass sich der Vogel weiter erholt. Dass er noch nicht gefressen hatte, sei in dieser Situation nicht ungewöhnlich. Mit vier Kilogramm habe das Weibchen ein gutes Gewicht und könne gut einige Tage ohne Nahrung überstehen. Futter und Pflege der Tiere finanziert sie unter anderem aus Spenden.

Andrea Krüger- Wiegand, Leiterin der Storchenstation
Andrea Krüger- Wiegand © Storchenstation Wabern

Nisthilfen in Ortschaften und an Straßen sieht Krüger-Wiegand inzwischen als schwierig an. Das sei für Störche gefährlich, weil sie dort dem Straßenverkehr ausgesetzt seien. Immer wieder kämen deswegen verletzte Störche in ihre Station. Vor einigen Jahren wurden gleich zwei Jungstörche auf einer Straße im Edertaler Ortsteil Giflitz (Waldeck-Frankenberg) angefahren und tödlich verletzt.

Kelzer bitten, vorsichtig zu fahren

Deshalb bitten die Kelzer nun zumindest, auf der Straße in den Ort vorsichtig zu fahren. Autofahrer sollten auf die Vögel achten, deren Horst in Straßennähe steht. Der zweite Kelzer Horst, der im Winter aufgestellt wurde, steht an einem Feldweg.

Von einer vorsichtigen Fahrweise profitieren hoffentlich auch die Frösche und Kröten, die dort um diese Zeit über die Straße krabbeln. Das macht die Lage besonders prekär: Denn die Störche finden dort ihre Nahrung gewissermaßen auf dem Präsentierteller. Die Gefahren im Straßenverkehr kennen die Tiere natürlich nicht.

Neues Paar war schon da

Das Kelzer Storchenweibchen erinnert an die Geschichte von „Karl“. Der hatte mehrfach in Sielen gebrütet und 2018 Teile eines Beins verloren. „Karl“ wurde noch eine Weile gesehen und verschwand. Bis 2021 kehrte er dann aber alljährlich aus seinem Winterquartier zurück. In diesem Jahr gibt es laut Simone Benoit Hinweise auf einen einbeinigen Storch im Raum Gieselwerder. Noch ist allerdings nicht klar, ob es „Karl“ ist.

Am Dienstag interessierten sich zwei Störche für den zweiten Kelzer Horst an der Wiesenscheune. Sie wurden jedoch von dem ansässigen Männchen vertrieben. (Bernd Schünemann)

Info: stoerche-wabern.bplaced.net

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