Hofgeismar: Bunker unter Post erinnert an Kalten Krieg

Toilettenraum im Bunker: Die Trockentoiletten sind verschwunden, die handbetriebene Abwasserpumpe neben dem Waschbecken steht noch bereit. Erst 1998 gab die Post ihre Schutzraumunterhaltung auf. Alle Fotos: Thiele

Hofgeismar. Hinter einer unscheinbaren blauen Metalltür im Keller der ehemaligen Post in Hofgeismar wartet ein Besuch in die Vergangenheit.

So, als ob er gerade verlassen worden wäre, befindet sich hier ein Luftschutzraum, den seit 18 Jahren kaum ein Mensch betreten hat.

Es liegt nur wenig Staub auf einem Waschbecken, die vier kleinen Räume sind fast besenrein. Sie sind unverändert erhalten seit dem Auszug der Post vor fast 20 Jahren, als sie gleichzeitig die Schutzraumbewirtschaftung aufgab, weil der Katastrophenschutz 1998 aufgelöst wurde. Alles bewegliche Inventar ist verschwunden, aber die Technik ist noch funktionsfähig.

Solche Katastrophenschutzräume waren seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland für jedes neues Behördengebäude vorgeschrieben, ob in Rathäusern, Finanzämtern, Ministerien, Bahnhöfen und auch bei der Post.

Blick in den Kalten Krieg

Der Raum unter dem 1968 gebauten Postamt ist quasi ein kleines Museum, das den Zeitgeist des Kalten Krieges bewahrt hat, als man sich vor Raketenangriffen schützen wollte. An der Wand hängt eine „Lagekarte für Warnstellen“ aus dem Jahr 1982, die ein Buchstabieralphabet enthält und Westdeutschland, die DDR und Teile der Nachbarländer zeigt. Die Lüftungsanlage lässt sich bei Stromausfall per Handkurbel durch zwei Personen bedienen. Eine Telefonanlage erweckt den Eindruck, dass draußen noch jemand zu erreichen wäre. Die Ausstattungsliste vom März 1988, die 45 Positionen von Wolldecke bis Verpflegung auflistet, war nur an zehn Positionen ausgefüllt, alles andere war im Soll. Im Notfall hätte man hier also 18 Liegen, zwei Trockenaborte, 5500 Einmal-Einsatzbeutel fürs Klo (mehr als vorgeschrieben), 176 Trinkwasserbehälter, eine Leuchte und eine Krankentrage gehabt, aber kein Toilettenpapier, kein Handtuch und keinen Verbandskasten. Wirklich benutzt wurde der Raum nie. Der „Personenschutzraum“ sollte, wie es heißt, im Ernstfall dafür sorgen, dass die Beamten überleben, um den Staatsapparat am Laufen zu halten. Doch die Verwaltungsspitze wurde schon in den 1980er-Jahre nach Warburg verlegt.

Öffentliche Schutzräume wurden im Kalten Krieg seit den 1960er-Jahren zum Beispiel im Zuge des Baus von Tiefgaragen oder U-Bahnen als Mehrzweckanlagen errichtet. Für private Schutzräume erhielt der Bauherr vom Bund für jeden gebauten Schutzplatz einen Pauschalbetrag. In Deutschland gibt es nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung Schutzräume. Die Bundesrepublik hat im Mai 2007 bekannt gemacht, sich aus dem Schutzraum-Konzept zurückzuziehen und bis auf einzelne Anlagen alle anderen aufzugeben. Text unten

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