Flüchtlingskrise: Die Chance für alte Häuser

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Kampf gegen den Leerstand: Wegen des zurzeit dringend benötigten Wohnraums für Flüchtlinge werden leerstehende Gebäude wieder interessant. Das Foto zeigt die Weserstraße in Bad Karlshafen.

Hofgeismar. Alte Fachwerkhäuser sind meist keine attraktiven Immobilien für junge Familien, die sesshaft werden wollen. Das ist ein Grund, warum in vielen Orten zahlreiche alte Häuser leerstehen.

„Bei der Sanierung geht es da richtig ans Eingemachte“, sagt Dieter Musmann vom Amt für Bodenmanagement mit Sitz in Hofgeismar. „Die Arbeit wollen sich die meisten nicht antun.“

Durch die Flüchtlingskrise sieht Musmann nun wieder Chancen für solche Gebäude. „Ich kann mir vorstellen, dass sich gerade in Provinzgemeinden was tun wird. Alte Häuser haben durch den nun dringend benötigten Wohnraum wieder die Chance, verkauft oder vermietet zu werden.“

Zurzeit könne man noch nicht sagen, wie sich die Flüchtlingskrise auf den Immobilienmarkt im Landkreis Kassel auswirke. „Dafür ist es noch zu früh“, so Musmann.

Im vergangenen Jahr haben im gesamten Landkreis Kassel 3300 Grundstücke den Besitzer gewechselt. Bebaut waren davon 1250. Dazu zählen Flächen, auf denen Häuser aber zum Beispiel auch Garagen, Werkhallen oder Scheunen stehen. In Hofgeismar wurden 45 bebaute Grundstücke im Jahr 2014 verkauft und dabei ein Umsatz von 5 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: In Grebenstein waren es 17 Grundstücke (1,4 Mio. Euro Umsatz), in Calden 47 (5,4 Mio. Euro Umsatz), in Reinhardshagen 36 (3,5 Mio. Euro Umsatz) und in Bad Karlshafen 24 (2 Mio. Euro Umsatz). Jetzt müsse man sehen, wie sich die Zahlen im nächsten Jahr entwickeln, so Musmann.

Das bestätigt auch Dennis Kramer von Kramer Immobilien Hofgeismar. „Zurzeit merken wir noch nichts von der Flüchtlingskrise in Bezug auf den Immobilienmarkt“, sagt er. „Weder am Preis noch an der Zahl der Verkäufe ist das Thema aktuell spürbar.“

Bei den Kommunen sieht es ähnlich aus: Die Immobilienpreise und -verkäufe hätten sich seit der Flüchtlingskrise nicht verändert, heißt es bei der Gemeinde Calden. Das liege daran, dass Flüchtlinge dort ja in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem alten Flugplatz leben und keine Häuser kaufen.

In der Stadt Bad Karlshafen ist bisher in zwei Gebäuden wieder Leben eingekehrt, die viele Jahre leerstanden: In das Hotel Schöneck und die ehemalige Jugenherberge. Dort wohnen seit kurzem Flüchtlinge. „Die beiden Gebäude hätten wohl anders nicht vermietet oder verkauft werden können“, sagt Bad Karlshafens Bürgermeister Ullrich Otto. Weitere Objekte in der Stadt würden zurzeit noch begutachtet und bewertet werden, ob sie als Flüchtlingsunterkunft in Frage kommen.

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