Nachruf 

Hofgeismars früherer Bürgermeister Croll ist im Alter von 93 Jahren gestorben 

+
Schlüsselübergabe durch Architekt Franz Kersting an Willi Croll (links) im Jahr 1978 für die Stadthalle.

Hofgeismar. Er war ein Mann der klaren Worte. Der ehemalige Bürgermeister von Hofgeismar, Willi Croll, ist vergangene Woche in einem Pflegeheim in Solingen im Alter von 93 Jahren gestorben. 

Die Stadthalle, das Angerstadion und die Fußgängerzone in Hofgeismar sind drei der Projekte, die auf Betreiben des früheren Bürgermeisters Willi Croll umgesetzt wurden. Sie prägen das Stadtbild und das Alltagsleben in der früheren Kreisstadt bis heute. Jetzt ist der Politiker im Alter von 93 Jahren gestorben. 

Croll wurde 1924 in Calden geboren, wo er auch seine aus dem Sudetenland geflüchtete Frau Helga kennenlernte. 1949 heirateten sie und zogen 1954 nach Hofgeismar. Die Tochter Jutta kam 1950 zur Welt, Sohn Frank 1955. Nach Besuch von Volksschule und Aufbauschule war er von 1940 bis 1945 Soldat, arbeitete bis 1947 in der Landwirtschaft, als Lehrer und Lkw-Fahrer, ab 1948 bei der Hessischen Knappschaft, dann beim Landratsamt in Hofgeismar. 

Von 1968 bis 1976 war er ehrenamtlicher Erster Stadtrat, ab 1970 für die SPD im Hessischen Landtag, 1974 Mitglied der Bundesversammlung, war Vorsitzender des SPD Ortsverbandes Hofgeismar und des SPD Unterkreises. 1976 wurde er mit einer Stimme Mehrheit vom Stadtparlament zum Bürgermeister gewählt. Das war zwei Jahre vor dem ersten Hessentag und unter Croll wurde die Stadt mit Augenmaß umgebaut. 

Die Auswüchse der ursprünglichen, 1969 gestarteten Kahlschlag-Sanierung mit Abbrüchen und Neuaufbauten wurden abgemildert. Geplant waren breite Schneisen für einen flüssigeren Verkehr, statt des jetzigen historischen Rathauses sollte ein Glas- und Betonkomplex am Stadtrand entstehen. Mit knapper Mehrheit und gegen den Willen der Geschäftsleute setzten Croll, der den Spitznamen Pflaster-Willi bekam, und seine Mitstreiter den Bau der Fußgängerzone (1981 fertiggestellt) und die Sanierung des Rathauses durch. 

Die Anerkennung beim und durch den Hessentag 1978 waren Lohn für diese Weitsicht, auch wenn einige Bausünden in der Stadt nicht mehr umzukehren waren. In seinen 14 Jahren Amtszeit gab es im Stadtparlament harte Schlagabtausche und klare Worte. Croll legte sich auch mit dem Regierungspräsidium an, als es beispielsweise um die Einführung von Tempo-30-Zonen ging. 

Er brachte die Städtepartnerschaften mit Maringues (1984) und Bad Blankenburg (1990) auf den Weg. Durchhaltekraft bewies er auch, als er mit immerhin 80 Jahren entschied, mit seiner Frau ihr 2004 ausgebranntes Wohnhaus an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Helga Croll starb 2016. In seiner Freizeit bestieg Willi Croll als begeisterter Bergsteiger alle Viertausender in Europa und erst mit 79 packte er Steigeisen und Eispickel weg. Die SPD schenkte Willi Croll zum 90. Geburtstag als Anerkennung eine Linde, die seither im Rocholl-Park am Bahnhof an den früheren Bürgermeister erinnert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.