Zwei musikalische Welten

Großer Auftritt der Kreiskantorei in der Altstädter Kirche

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In vielen Konzerten eingespielt: Sängerinnen und Sänger der Kreiskantorei und Mitglieder Kurpfalzphilharmonie Heidelberg.

Die Kreiskantorei stellte Samstag in der Altstädter Kirche mit außergewöhnlichen Werken weit mehr gegenüber als Kompositionen unterschiedlicher Epochen.

Ohne eine Pause stellte die Kreiskantorei am Samstag in der komplett ausverkauften Altstädter Kirche mit diesen beiden außergewöhnlichen Werken aber weit mehr gegenüber als Kompositionen sehr unterschiedlicher Epochen. 

Im direkten Aufeinandertreffen war zunächst zu erleben, wie stark Mozart - und die Komponisten, die sein Requiem vollendeten - noch in strenge barocke Formen eingebunden waren. Zudem trafen unterschiedliche kirchenmusikalische Auffassungen aufeinander und wurden unmittelbar hörbar.

Konzertsaal statt Totenmesse

In der Rezeptionsgeschichte des Mozart-Requiems findet sich die Kritik, das Werk sei, obgleich als Auftragswerk für eine Totenmesse und nicht für den Konzertsaal konzipiert zu weltlich, zu opulent. 

Soll oder darf Kirchenmusik leidenschaftlich und emotional sein, um Begeisterung zu wecken, oder überlagert genau das die Inhalte des Glaubens, die sie transportiert? In diesem alten Streit konnte man am Samstag zumal im sakralen Raum der Altstädter Kirche geneigt sein, den Mozart-Kritikern recht zu geben.

Andacht und Innigkeit prägen die Wirkung der Komposition von Steve Dobrogosz mit ihren weitgespannten Melodie- und Dynamikbögen, ihren fließenden Klängen. Vorher bei Mozart dagegen reißen Emotionalität und starke Kontraste mit. Die Kreiskantorei unter der Leitung von Bezirkskantor Dirk Wischerhoff arbeitete diese Unterschiede gekonnt heraus. 

Musiker und Sänger verbunden 

Straffe Tempi bei Mozart und den barocken, immer vorausspürenden rhythmische Puls verbanden Sänger und die Musiker der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg mit kraftvollem weitgefächerten Klang in Chor und Orchester. Bereits mit den Eröffnungstakten gelang die dynamische Klangmischung in Fagotten und Bassetthörnern wunderschön.

Das Solistenensemble (Ulrike Kamps-Paulsen, Alt, Rolf Sostmann, Tenor, Michail Schelomiansky, Bass) fügte sich hier harmonisch ein, an den wenigen Solopassagen leuchtete besonders die Klarheit des Soprans von Dagmar Jahn. Gleichermaßen einfühlsam und brillant gestalteten Jahn und Kamps-Paulsen auch die Soli im Werk von Dobrogosz. 

Völlig andere Klangwelt 

Der Chor und das in den Bläsern etwas anders besetzte Orchester schufen nun eine völlig andere Klangwelt, transportierten nach der emotionalen Achterbahnfahrt beim Mozart große Ruhe mit viel Zeit, den kleinen oft meditativen solistischen Passagen und den abseits großer Tuttis sich immer wandelnden Klangmischungen nachzuspüren. 

Wie auch immer jeder einzelne der mehr als 300 Zuhörer die Wirkung dieses Aufeinandertreffens empfunden hat - Sänger und Musiker präsentierten jedes Werk für sich bestens ausgearbeitet und musikalisch auf den Punkt. 

Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass die Kreiskantorei alte und neue Musik gegenüber stellte: Mit den beiden großen Kompositionen bewiesen die Ausführenden mit Dirk Wischerhoff die Virtuosität im Umschalten zwischen zwei musikalischen Welten. Sehr lang anhaltender kräftiger Applaus in der Altstädter Kirche.

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