Hofgeismar haftet für Beberbeck-Geschäftsführer

Skizze des Beberbeck Resorts: Die WSD hatte einen Fragenkatalog an die Stadt gerichtet. Foto: Archiv/privat

Hofgeismar. Sollten noch gerechtfertigte Ansprüche an die früheren Geschäftsführer der Besitzgesellschaft Beberbeck bestehen, wird die Stadt Hofgeismar haften.

Das geht aus der Antwort von Bürgermeister Markus Mannsbarth auf Fragen der WSD-Fraktion hervor. Denn die Forderungen seien eigentlich an die Stadt gerichtet. Aufgrund der gewählten Gesellschaftsstruktur sei dies aber nicht direkt geschehen.

Markus Mannsbarth

Die Hofgeismarer WSD hatte mehrere Fragen gestellt. Sie sah das gescheiterte Beberbeck-Projekt als noch nicht aufgearbeitet an. Mannsbarth hatte kürzlich offengelegt, dass der geplatzte Traum vom Ferienresort die Stadt Hofgeismar insgesamt 3,6 Millionen Euro gekostet hat. Er sagte auch, dass es noch eine Forderung des Insolvenzverwalters von rund 100 000 Euro an die beiden Geschäftsführer der Besitzgesellschaft gibt, Wilfried Eckart und Karl-Heinz Gerland. Der Vorwurf des Verwalters: Sie hätten die Insolvenz früher beantragen sollen.

Doch die Geschäftsführer hätten damals zum Vorteil der Stadt gehandelt, sagt Mannsbarth. Sie hätten Einnahmen auf das Konto der Besitzgesellschaft gezahlt. Dadurch habe sich die Bürgschaft für die Stadt verringert. Wäre das Geld wie vom Insolvenzverwalter gefordert auf ein Extra-Konto geflossen, wäre das besser für Gläubiger gewesen - aber die Stadt hätte nur einen Teil davon bekommen. Und: „Zum Zeitpunkt der Einnahme war niemandem bekannt, dass die Besitzgesellschaft Anfang Januar 2010 Insolvenz beantragen wird“, sagt Mannsbarth. Im Gegenteil hätten noch aktive Verkaufsverhandlungen stattgefunden.

Die Entscheidung, dass die Stadt für einen eventuellen Schaden und Rechtsanwalt-Kosten einsteht, fiel laut Bürgermeister im September. Die WSD hatte auch infrage gestellt, wie so ein Beschluss ohne Parlamentsvotum fallen könne. Mannsbarth erklärt nun, dies sei nicht nötig, weil es sich um eine Angelegenheit im Bereich der laufenden Verwaltung handelt.

Die WSD hatte auch bei der Frage nachgehakt, inwieweit die Arbeitsstunden städtischer Mitarbeiter erfasst wurden, die sie für das Beberbeck-Projekt aufwendeten. Laut Mannsbarth wurden aber nur Sachkosten erfasst.

Die Bauleitplanung für Beberbeck beruhe dagegen auf einem Parlamentsbeschluss und sei eine Pflichtaufgabe der Stadt gewesen. Daher gebe es keine Aufzeichnungen darüber.

Keine Informationen gibt es auch zur Rolle des früheren Bürgermeisters Heinrich Sattler. Der hatte laut WSD verkündet, dass „jeder Bleistift und jede Arbeitsstunde der Stadt Hofgeismar“ im Zusammenhang mit Beberbeck akribisch aufgeschrieben würde.

Die WSD wollte nun wissen, ob Sattler „mit Billigung städtischer Mitarbeiter“ gelogen habe oder die Aufzeichnungen der Arbeitsstunden verschwunden seien.

„Die Aussagen von Altbürgermeister Sattler werden an dieser Stelle nicht kommentiert“, erklärt sein Nachfolger Markus Mannsbarth. Sattler sei damals Sprecher des Magistrats gewesen. Demnach hätten die städtischen Mitarbeiter kein Rederecht gehabt.

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