Esse wurde in neues naturgerechtes Bett umgeleitet

Hofgeismar hat einen neuen Bach

Rutschgefahr: Eine sandige Schicht ließ das Ufer in einem der Überflutungsbereiche abrutschen. Wegen einer in der Nähe vorbeiführenden Gasleitung wurde das Ufer mit Lärchenholzstämmen befestigt.
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Rutschgefahr: Eine sandige Schicht ließ das Ufer in einem der Überflutungsbereiche abrutschen. Es wurde mit Holzstämmen befestigt.

Seit der Bauabnahme am Montag ist es offiziell: Die Esse in Hofgeismar hat auf der 300 Meter langen Grünfläche am Mühlenfeld einen neuen, deutlich natürlicheren Verlauf erhalten.

Hofgeismar - Sie stellt nach dem Abbau von Schwellen kein Hindernis mehr für wandernde Fische und Kleinstlebewesen dar. Man hofft sogar, dass sich die seltenen Eisvögel ansiedeln.

Irgendwann zwischen dem Bau der Eisenbahn 1848 und dem Erstellen des Stadtplans von 1938 (der Zeitpunkt war bisher nicht zu ermitteln), wurde die Esse in einen 300 Meter langen Kanal entlang der Bahnschienen verlegt. Unter anderem trieb die Esse hier eine Sägemühle und die (als Gebäude) noch existierende Poppenhäuser Mühle an. Dabei wurden zwei Stauschwellen eingebaut, die seither Fischen und anderen Tieren ein Durchkommen unmöglich machten. Da das Land Hessen die Beseitigung solcher Hindernisse mit bis zu 90 Prozent fördert, machte sich auch die Stadt Hofgeismar daran, die früheren Esseauen zu renaturieren.

Nachdem die Landschaftsplanungs-Studentinnen Teresa Mendel und Nicole Winter zum Hessentag 2015 eine Masterarbeit zur Gewässerentwicklung der Esse vorlegten, erarbeitete das Büro AGC Wasser aus Kassel nun eine praktische Umsetzung. Durch zahlreiche Schleifen wird die Bachlänge von 300 auf 1200 Meter verlängert, dazu kommen drei Überflutungsbereiche mit Flachwasserzonen, die sich bei Hochwasser füllen und so die Flutwelle bremsen, erläutert Bauleiter Christoph Wegener.

Zwei Probleme galt es zu lösen: Der kreuzende Kelzer Graben, der oft Hochwasser führt, liegt 1,5 Meter tiefer als die Esse und wird am Beginn wie bisher per Rohrleitung darunter durch geführt. Nach mehreren Gefällstrecken haben Bach und Graben am Ende das gleiche Niveau und fließen an der neuen Brücke der Teichstraße zusammen.

Außerdem wurden trotz vorheriger Bodenuntersuchungen die Bauarbeiten an einer Stelle durch eine sandige Schicht verkompliziert. Die abrutschende Böschung musste mit haltbaren Lärchenstämmen gesichert werden und dabei wurden gleich Brutröhren für Eisvögel mit eingebaut, da bereits ein Eisvogel in dem Gebiet gesichtet wurde. Aus dem Altarm, der bald völlig trockengelegt wird, wurden 300 Forellen, Aale und andere Arten abgefischt und umgesetzt. Zudem wurden 40 Quadratmeter Schilf versetzt. Jetzt kann die Esse machen, was sie will. (Thomas Thiele)

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