Zurückhaltung ist spürbar

Kitas und Schulen äußern sich zu Impf-Empfehlung für Kinder ab fünf Jahren

Auch jüngeren Kindern wird die Corona-Impfung nun empfohlen: Vor allem Eltern von Fünf- bis Elfjährigen mit Vorerkrankungen wird der Piks ans Herz gelegt.
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Auch jüngeren Kindern wird die Corona-Impfung nun empfohlen: Vor allem Eltern von Fünf- bis Elfjährigen mit Vorerkrankungen wird der Piks ans Herz gelegt.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am Donnerstag die Empfehlung herausgegeben, Kinder im Alter von fünf elf Jahren mit Vorerkrankungen zu impfen.

Kreisteil Hofgeismar - Aber auch gesunde Kinder können laut der Stiko auf individuellen Wunsch und nach ärztlicher Aufklärung den Piks erhalten. Für den Alltag in Kitas und Grundschulen würde das eine Veränderung bedeuten. Was Schul- und Kitaleiter und ein Kinderarzt von der Empfehlung halten, hat unsere Zeitung stichprobenartig erfragt.

Kitas

Nur einen Teil der Kinder, die die Kindertagesstätten im Kreisteil Hofgeismar besuchen, betrifft die Empfehlung der Stiko. Dementsprechend geht Renate Grimm, Leiterin des Städtischen Kindergartens und Kinderhorts Am Anger in Hofgeismar, davon aus, dass die Veränderung der Coronalage sich eher an den Grundschulen zeigen wird. „Bislang haben sich die Eltern noch nicht mit ihren Sorgen und Gedanken mit Blick auf die Corona-Impfung für Kinder an uns gewandt.“ Gespräche rund um allgemeine Themen würden in diesen Zeiten ohnehin eher dürftig ausfallen. Schließlich gebe es durch die Coronamaßnahmen nur wenige Plaudereien zwischen Tür und Angel.

Die Kita habe bislang zum Glück nur mit zwei Coronafällen zu kämpfen gehabt. Wenn der Impfstoff aber genügend erforscht sei, würde sich Grimm durchaus dafür aussprechen, auch Kinder impfen zu lassen. „Eine Zurückhaltung bei den Eltern kann ich jedoch gut nachvollziehen.“

Dem stimmt auch Nancy Parchomyk, Leiterin des Städtischen Kindergartens Schöneberg, zu. „Was das Thema Corona-Impfungen angeht, scheinen die Eltern noch sehr vorsichtig zu sein.“ Mit großer Geschwindigkeit würden sich Beschlüsse verändern, Empfehlungen ergeben – das gehe manchen einfach sehr schnell. Auch die Kita in Schöneberg hätte bislang Glück in der Pandemie: „Wir haben eine sehr kleine Gruppe und mussten bisher noch keinen Coronafall melden.“

Die evangelische Kita Regenbogenhaus in Westuffeln habe zurzeit 18 Kinder, die sich auf die drei Gruppen der Tagesstätte verteilen, die unter die Fünf- und Sechs-Jährigen fallen. Rückmeldungen von den Eltern zu einer geplanten Impfung haben die Mitarbeiter der Kita jedoch noch nicht bekommen, wie Leiterin Jasmin Berndt erklärt. „In erster Linie müssen die Eltern das für ihr Kind selbst entscheiden“, sagt sie und betont, dass die Eltern sehr kooperativ im Bezug auf Corona seien. „Uns ist schon sehr damit geholfen, dass die Kinder in der Schule regelmäßig getestet werden“, sagt sie weiter. Denn so seien mögliche Infektionen durch Geschwisterkinder schneller zu identifizieren. Ob die Corona-Impfungen der Kinder für den Kita-Alltag im speziellen eine Erleichterung wären, lasse sich schwer sagen, aber die Leiterin ist sich sicher: „Ich denke, es bringt für die gesamte Gesellschaft was – nicht nur für die Kitas“.

Grundschulen

„Ich finde es eine gute Sache, dass die Stiko die Empfehlung ausgesprochen hat“, sagt Birgitt Semmler, Leiterin der Würfelturmschule Hofgeismar. Sie betont, dass man als Schule auf gar keinen Fall Druck auf Eltern ausüben werde, denn diese müssten ganz allein entscheiden, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollen, oder eben nicht. „Wir verhalten uns da völlig neutral“, so Semmler. Vereinzelt habe sie vernommen, dass Eltern auf die Empfehlung gewartet hätten. Wie hoch der Anteil der geimpften Kinder sein werde, vermag sie nicht zu schätzen. Bisher sei die Schule gut durch die Pandemie gekommen. „Da müssen wir auch mal unsere Schüler loben, die so viel auf sich nehmen, beispielsweise mit den regelmäßigen Tests“, sagt Semmler.

Astrid Kleine-Denk, Rektorin der Sieburgschule in Bad Karlshafen, erklärte auf Anfrage, dass auch ihre Schule sich neutral verhalten werde. „Das ist eine reine Entscheidung der Eltern“, betont sie.

Kinderarzt

„Wir begrüßen die Empfehlung der Stiko, dass Kinder mit Vorerkrankungen geimpft werden können und man damit einen eventuellen schweren Verlauf verhindern kann“, sagt Heiko Backes, Kinderarzt in Hofgeismar. Viele Eltern hätten sich schon in der Gemeinschaftspraxis erkundigt, hätten auch schon vor der Empfehlung Beratungsgespräche in Anspruch genommen. „Wir haben sogar eine Warteliste. Wenn dann im Januar der Impfstoff zur Verfügung steht, werden wir aber nicht nach dem Prinzip ,Wer zuerst anruft, bekommt auch zuerst die Impfung’ vorgehen, sondern nach der Reihenfolge der Notwendigkeit“, sagt Backes. Aus seiner und aus Sicht der Fachgesellschaft sei eine Impfung für gesunde Kinder ab fünf Jahren nicht dringlich. „Ich würde es gut finden, wen erst einmal alle Erwachsenen den Weg zum Impfen finden würden“, so der Arzt. (Daria Neu, Kira Müller und Nela Müller)

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