„Politik schießt übers Ziel hinaus“

Landwirte protestieren gegen Düngeverordnung mit Traktoren-Flashmob

Protest in Trendelburg: Luca Griesel, Robert Brandau, Ida, Hauke und Merle Brandau sowie Steffen Sasse waren dabei.
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Protest in Trendelburg: Luca Griesel, Robert Brandau, Ida, Hauke und Merle Brandau sowie Steffen Sasse waren dabei.

Sie waren schon in Bonn, in Wiesbaden und sogar in Berlin. Am Mittwoch haben Landwirte nun auch vor Ort, im Kreisteil Hofgeismar demonstriert.

Mit Dutzenden Traktoren haben sie sich auf Wege direkt neben den Bundesstraßen gestellt. Nach Auskunft der Polizeidienststelle Hofgeismar ist dabei der Verkehr zu keiner Zeit behindert worden.

Wie zuvor verabredet, fuhren die Teilnehmer pünktlich um 16.30 Uhr mit ihren Schleppern an die jeweils vereinbarten Treffpunkte. In Grebenstein war dies kurz vor dem Kelzer Teich, in Calden am Kreisel am Flughafen, in Trendelburg am Felsenkeller und in Gieselwerder in der Ortsmitte.

Aufgerufen zu dem Traktoren-Flashmob (Flashmob = spontane Zusammenkunft von Menschenmengen im öffentlichen Raum) hatte die Initiative Land schafft Verbindung. Die hatte bereits die großen Protestaktionen der vergangenen Wochen organisiert.

Immer wieder gehen Betriebe "den Bach runter"

Protest in Trendelburg: Luca Griesel, Robert Brandau, Ida, Hauke und Merle Brandau sowie Steffen Sasse waren dabei. 

Wenn auch der Bauernverband nicht direkt an den Aktionen beteiligt ist, so unterstützt er sie und teilt die Anliegen der zumeist jungen Landwirte. Jörg Kramm, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen, ärgert, dass „die Politik in Sonntagsreden stets betont, die Familienstrukturen in der Landwirtschaft erhalten zu wollen, aber das Gegenteil davon tut“. Denn mit jeder neuen Verordnung – ob aus Berlin oder Brüssel – „gehen wieder einige Betriebe den Bach runter“.

Düngeverordnung soll im April 2020 in Kraft treten

Aktuell erzürnt die Bauern die Verschärfung der Düngeverordnung, die am 1. April 2020 in Kraft treten soll. Aus Gründen des Grundwasserschutzes sollen Landwirte ab dann in der Regel weniger und in engeren zeitlichen Abständen Stickstoffdünger auf die Felder bringen. 

An Gewässern sollen sie zudem breite Randstreifen völlig aus der Bewirtschaftung nehmen. „Wir haben nichts gegen Grundwasserschutz“, sagt Kramm, „aber hier wird eindeutig über das Ziel hinausgeschossen“. Denn wenn beispielsweise der bodenschonende und von der Politik gewünschte Anbau von Zwischenfrüchten im Herbst nicht mehr ausreichend mit Stickstoff versorgt werden könne, „dann hat das Ganze keinen Sinn mehr“.

Gesamtgesellschaftliche Aufgaben: Grundwasserschutz, Bodenschutz und Tierwohl

Protest in Gieselwerder: 20 Teilnehmer hatten sich mit sieben Schleppern an den Rand der Ortsdurchfahrt der B 80 gestellt. 

Ob Grundwasserschutz, Bodenschutz oder auch das Tierwohl – Bauern sehen dies alles als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch ihren Preis habe. Aber Bauern fühlten sich, als hätten sie die Lasten daraus allein zu tragen. „Das muss sich ändern“, fordern sie deshalb alle.

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