Ausschluss vom Kindergarten

Nachweise für Impfschutz werden schon jetzt gefordert

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Bereit für die Impfung: Ein kleiner Pieks kann dabei helfen, ein e Krankheit auszurotten. 

Impfen ist in vielen Einrichtungen im Kreisteil Hofgeismar ein Thema. Seit Beginn des Kindergartenjahres gilt hier die Impfpflicht. 

„Über die Impfpflicht wird in den Dienstbesprechungen der Kindergartenleitungen immer wieder gesprochen“, sagt Wilfried Eckart, Hauptamtsleiter in Hofgeismar. In der Gemeinde Reinhardshagen wurde die Pflicht erst kürzlich bei einer Satzungsänderung aufgenommen, lässt Bürgermeister Fred Dettmar wissen. „Damit gilt sie bei uns schon seit Beginn des Kindergartenjahres.“

In den Schulen und Kindergärten werden Impfnachweise gefordert. „Es besteht derzeit schon eine gesetzliche Pflicht, die Impfnachweise, beziehungsweise die Impfberatung im Falle der Nichtimpfung einzusehen“, so Sven Wollert, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises Hofgeismar. Auch Hauptamtsleiter Eckart bestätigt, dass die Impfungen der Sprösslinge abgefragt werden. Er weist zudem darauf hin, „dass ohne entsprechende Impfungen, Kinder vom Besuch des Kindergartens ausgeschlossen werden.“

Ab Anfang 2020 gilt die Impfpflicht überall

Ab März 2020 müssen alle Kinder, die älter als ein Jahr alt sind und den Kindergarten, die Schule oder eine Tagespflege besuchen, gegen Masern geimpft sein, informiert das Bundesgesundheitsministerium. Die Masern-Impfpflicht gilt laut Bundesministerium für Gesundheit auch für Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonal sowie medizinisches Personal, Asylbewerber und Flüchtlinge. 

Als Nachweis diene der Impfausweis, das Kinderuntersuchungsheft oder ein ärztliches Attest. Ein Verstoß sei eine Ordnungswidrigkeit und könne mit einer Geldbuße von bis zu 2500 Euro be-straft werden. Ungeimpfte Kinder dürften in Kitas nicht mehr aufgenommen werden. Wenn sich ein Kind zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes bereits in Betreuung befinde, dann könne ein Nachweis bis 31. Juli 2021 nachgereicht werden.

Übergangsfrist geplant 

Diese Übergangsfrist, also von März 2020 bis Ende Juli 2021, kann laut Bürgermeister Dettmar „im schlimmsten Fall ein Risiko darstellen.“ Andererseits sei der Zeitraum angebracht, da betroffene Eltern eine gewisse Zeit brauchen, in irgendeiner Weise zu reagieren. „Über die Länge dieser Frist kann man sicher streiten“, so Dettmar.

Bei schulpflichtigen Kindern verhält es sich anders: Sie dürfen auch bei einem fehlenden Nachweis einer Masernschutzimpfung in einer Schule aufgenommen werden, teilt das Bundesministerium für Gesundheit auf Anfrage unserer Zeitung mit. 

Weitere Schritte liegen im Aufgabenbereich der zuständigen Behörden der Bundesländer. „Neben oder alternativ zum Bußgeld kommt auch ein Zwangsgeld in Betracht, wenn der Nachweis nicht vorgelegt wird. Insoweit ist auch nach einer Bußgeldzahlung noch ein weiteres Druckmittel vorhanden“, heißt es. Eine Zwangsimpfung komme aber in keinem Fall in Betracht, betont das Ministerium.

Zu wenige Kinder sind in Hessen geimpft

In Hessen sind nach einer Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) nur noch 28,1 Prozent der Kleinkinder vollständig geimpft. So wenig wie in keinem anderen Bundesland. Mehr als zwei Drittel der im Jahr 2016 geborenen Kinder haben bis zu ihrem zweiten Geburtstag nicht alle Impfungen erhalten, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. 3,2 Prozent der Kinder sind gar nicht geimpft. 

Ein besorgniserregender Trend, den das Gesundheitsamt Region Kassel für die Stadt und den Landkreis bestätigen kann. „Anhand der neusten Zahlen zeichnet sich seit dem Jahr 2016 eine deutlich zunehmende Impfmüdigkeit ab“, sagt Regine Bresler, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit. 

Grundlage ist die Auswertung der Impfbücher bei den Schuleingangsuntersuchungen. Erschreckend sei, dass es sich nicht nur um Masern oder Polio handele, sondern auch um die Basisimpfungen wie Diphtherie, Tetanus und Pertussis (DTP). Bei DTP sank die Impfquote in der Stadt von 93,4 Prozent in 2016 auf 87,2 Prozent im Jahr 2018. 

Die Quote ist im Landkreis gesunken 

Im Landkreis rutschte die Quote in diesem Zeitraum von 95,5 auf 91,8 Prozent. Polio sank in der Stadt von 93,2 Prozent (95,0 Prozent Landkreis) in 2016 auf 86,7 Prozent im vergangenen Jahr (91,6 Prozent Landkreis). Masern, Mumps und Röteln (MMR) war ohnehin schon auf einem niedrigen Niveau. Die Quote sank von 89,8 in der Stadt (94,6 Prozent Landkreis) auf 87,7 Prozent (93,0 Prozent Landkreis). 

Über die Ursachen kann Regine Bresler noch nichts sagen: „Das wäre reine Spekulation.“ Derzeit lägen nur die Rohdaten vor, die jetzt ausgewertet werden müssten. Dabei werde dann auf Wohnort, Geschlecht oder auch Migrationshintergrund geschaut. 

Wenn Impfungen fehlten, sei es nicht nur um den Eigenschutz, wie zum Beispiel bei Tetanus, schlecht bestellt, sondern es gehe auch um die Gemeinschaft. Gerade bei Masern sei der sogenannte Herdenschutz nötig, um nicht geimpfte Säuglinge zu schützen. Nach Auswertung der Daten müsse man gezielt neue Strategien gegen die Impfmüdigkeit entwickeln, sagt Bresler.

Übersicht über wichtige Impfungen

Ab März 2020 gilt laut Bundesgesundheitsministerium die Masern-Impfpflicht für Kinder ab ein Jahr. Außerdem empfiehlt die Ständige Impfkommission für Kinder Impfungen gegen Rotaviren, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hepatitis B, Pneumokokken, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Meningokokken C und Gebärmutterhalskrebs (HPV) für Mädchen.

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