Coronavirus macht Pflegekräften zu schaffen

Gesundheitsversorgung im Kreisteil Hofgeismar: Pflege geht nicht im Homeoffice

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Tägliche Herausforderung: Nur noch den nötigsten Kontakt sollen Pfleger und Patienten in Zeiten von Corona haben, damit die Gefahr einer Ansteckung auf ein Minimum reduziert wird.

Das Coronavirus hat Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche. Dazu zählt auch die Gesundheitsversorgung. 

Am Beispiel des Vereins Pflege, Hilfe und Betreuung (PHB) in Hofgeismar zeigen wir, welche Folgen das Virus mit sich bringt.

Häusliche Intensivpflege für Kinder und Erwachsene, häusliche Alten- und Krankenpflege, Tagespflege und Wohngemeinschaften: In all diesen Bereichen ist der PHB tätig. 215 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, arbeiten auf geringer Stundenzahl, aber auch in Vollzeit. Doch das Coronavirus macht ihnen zu schaffen, die Arbeit wird komplizierter. „Pflege geht nicht im Homeoffice. Leider müssen wir jetzt selektieren, wen wir betreuen können“, sagt PHB-Geschäftsführer Burkhard Wagner.

Physischen Kontakt weitgehend vermeiden

Teilweise haben die Klienten ihm, was das angeht, schon die Arbeit abgenommen. „Es gab schon über ein Dutzend, die abgesagt haben, die nicht mehr möchten, dass eine Pflegekraft vorbeikommt. Sie haben Angst sich anzustecken“, erklärt der 57-Jährige. Manche könnten in dieser Zeit auch Unterstützung durch die Familie erhalten. Besonders hart wird es bei den Menschen, die auf eine Intensivpflege angewiesen sind. Gerade diese Menschen hätten dadurch, dass sie von verschiedenen Pflegern betreut werden, ein höheres Gefährdungspotenzial. „Unsere Mitarbeiter versuchen, sich täglich anzupassen, und vermeiden – so gut es geht – den physischen Kontakt“, erklärt der Geschäftsführer. „Die Patienten sind schwerst betroffen, haben beispielsweise schwere Lungenerkrankungen oder liegen im Wachkoma. Zum Teil müssen manche maschinell 24 Stunden beatmet werden. Wir versuchen die Betreuung – so gut es geht – aufrechtzuerhalten“, sagt Wagner.

Tagespflege musste schon geschlossen werden

Doch das klappt nicht in allen Bereichen, wie er weiter ausführt. Schweren Herzens habe man am Mittwoch die Tagespflege, die im Petrihaus in Hofgeismar angeboten wird, schließen müssen – auf unbestimmte Zeit. Dort können normalerweise rund 15 Pflegebedürftige an fünf Tagen in der Woche zusammen Zeit verbringen. Auf die Frage, wie es um den Schutz der Mitarbeiter aussieht, sagt Wagner: „Wir nutzen Altbestände von Desinfektionsmitteln und Schutzbekleidung. Es gibt momentan keine Liefertermine.“ Und auch mit den Atemschutzmasken, die aus verschiedenen Filtermaterialien besteht, ist es eng. „Normale Masken, die man vom Arzt kennt, müssen schnell gewechselt werden, weil sie schnell feucht werden“, erklärt Wagner.

Burkhard Wagner, Geschäftsführer von PHB

Panik spüre er bei seinen Mitarbeitern nicht, aber eine gewisse Anspannung. „Es ist die Herausforderung, die auf uns wartet“, betont er. Alle wären sich bewusst, dass die momentane Situation noch andauern wird. Wagner fragt sich deswegen, ob PHB finanzielle Unterstützung bekommt: „Wir werden nicht darum herum kommen, noch weitere Teile unseres Betriebs sukzessive einzustellen. Wir benötigen dann eine adäquate finanzielle Unterstützung. Sei es in Form von Kurzarbeiter-Geld oder über die von der Politik angekündigten Betriebsmittel-Kredite. Das wäre fair.“ Denn: „Wir sind alle unverschuldet in diese Situation geraten.“

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