500 Gäste und engagierte Reden

Rührung, Zuversicht und deutliche Worte beim Neujahrsempfang in Hofgeismar

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Freude über Auszeichnungen: die Geehrten des Abends zusammen mit Stadtverordnetenvorsteherin Monika Grebing (hinten links) und Bürgermeister Markus Mannsbarth (hinten rechts).

Es war ein Moment, in dem Tränen flossen: Beim Neujahrsempfang der Stadt Hofgeismar dankte ein Ehepaar aus Wilhelmshaven zwei jungen Lebensretterinnen aus der Dornröschenstadt.

Als sie handeln mussten, da taten sie es, ohne zu zögern: „Wir haben gar nicht groß überlegt, wir haben einfach geholfen“, sagt Karla Fuhrmann (16) über ihre große Tat. Gemeinsam mit Annicka Vogt (17) hat sie einem Menschen das Leben gerettet. Dafür wurden die beiden jungen Frauen am Freitagabend beim Neujahrsempfang in Hofgeismar von der Stadt geehrt.

Im Sommer 2019 waren die beiden Rettungsschwimmerinnen für die DLRG Hofgeismar an der Nordsee im Einsatz. Dort, an der Strandpromenade von Wilhelmshaven, brach der 73-jährige Uwe Weckler zusammen. Herzstillstand. Die jungen Frauen schafften es, ihn wiederzubeleben. Drei Wochen lag er im Koma. Aber heute ist er wieder gesund – und war mit seiner Frau Christa und seiner Familie nach Hofgeismar gekommen, um sich bei seinen Retterinnen zu bedanken.

Bei denen rollten Tränen der Rührung, als während ihrer Ehrung plötzlich das Ehepaar Weckler auf die Bühne gebeten wurde. Die Retterinnen hatten dem Mann, der ihnen sein Leben verdankt, seit dem tragischen Vorfall in Wilhelmshaven nicht mehr gesehen. „Wir danken allen, insbesondere den beiden Mädels, dass wir heute Abend hier sein dürfen“, sagte Wecklers Ehefrau Christa hörbar gerührt unter dem Applaus der 500 Gäste.

Karla Fuhrmann (16, links) und Annicka Vogt (17) waren als Rettungsschwimmerinnen für die DLRG Hofgeismar am Strand der Nordseestadt im Einsatz, als Uwe Weckler (daneben seine Frai Christa) auf der Promenade einen Herzstillstand erlitt. 

Die spendeten auch für andere Geehrte reichlich Beifall: für fünf Hofgeismarer, die im vergangenen Jahr den Meistertitel im Handwerk erlangt hatten – und für die Träger des Bürgerpreises. Der ging diesmal an das Zeltlagerteam des TSV Hombressen. Bereits zum 50. Mal richten die Ehrenamtlichen dieses Jahr ein Zeltlager für Kinder aus. Rund 20 Helfer sind jedes Mal dabei, wenn den rund 40 Teilnehmern „eine abwechslungsreiche Woche mit viel Spaß und Spannung“ bieten, wie TSV-Jugendleiterin Alina Brauhardt auf der Bühne erklärte.

Als Wahlspruch für den Abend hatte die Stadt ein Zitat des Autors Antoine de Saint-Exupéry (Der kleine Prinz) gewählt. „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Dass Hofgeismar für die Zukunft gut gerüstet sei, machte Bürgermeister Markus Mannsbarth in seiner Rede deutlich. Niedrige Grund- und Gewerbesteuern, sinkende Arbeitslosenzahlen, starke heimische Unternehmen, und eine Schullandschaft, die keine andere Kommune im Landkreis Kassel zu bieten habe: All dies seien gute Entwicklungen und somit gute Nachrichten für die Stadt.

Und da die Einwohnerzahl steige und mehr Nachwuchs da sei, beschäftige man sich auch damit, einen neuen Kindergarten zu bauen. Die Stadt stelle sich solchen Herausforderungen. „Natürlich ist nicht alles perfekt,“ ergänzte Mannsbarth. „Aber lassen sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass Hofgeismar eine lebenswerte Stadt bleibt, die eine Zukunft hat.“

Andächtig: Die Sternsinger der katholischen Gemeinde sangen und gingen mit der Spendendose durch die Reihen in der Stadthalle.

An den Gemeinsinn appellierten auch andere Redner: Stadtverordnetenvorsteherin Monika Grebing begrüßte neben einer Liste von Gästen aus Politik und öffentlichem Leben „besonders alle Ehrenamtlichen“ und „alle, die einander besser zuhören wollen.“ Erstmals seien alle Neubürger eingeladen worden, sagte sie und sprach diese direkt an: „Herzlich willkommen in unserer Stadt.“

Auf die Gemeinsamkeiten von Hofgeismar und seiner Partnerstadt Bad Blankenburg wies deren Bürgermeister Mike George hin. Die Partnerschaft werde 30 Jahre alt. Man feiere also Perlenhochzeit – und die gemeinsamen Erlebnisse würden sich auch wie Perlen aneinanderreihen.

Deutliche Worte fand Vize-Landrat Andreas Siebert. Zunächst erklärt er, der Landkreis plane, dieses Jahr 51 Millionen Euro in seine Schulen zu investieren, davon auch einiges in die örtliche Käthe-Kollwitz-Schule. Dann wechselte er nachdenklich das Thema: „Wir gehen wir in diesem Land miteinander um?“ Auch nach dem „feigen Mord an unserem Regierungspräsidenten“ Walter Lübcke gebe es immer wieder Hetze gegen Politiker und Ehrenamtliche. „Das geht so nicht, wir müssen für unsere Werte zusammenstehen“, sagte Siebert. Wir lassen uns unseren Landkreis nicht von Rechten kaputtmachen.“ Auch dafür gab es an diesem Abend lauten Applaus.

Sie wurden auf dem Neujahrsempfang geehrt

  • Für den Meisterbrief im Handwerk, den sie im Jahr 2019 erlangt haben, wurden ausgezeichnet: Timo Jungermann (Installateur- und Heizungsbaumeister), Jens Rehrmann (Feinwerkmechaniker-Meister), Sven Rehrmann (Metallbauer-Meister) sowie jeweils in Abwesenheit Alexandra Seel (Frisörmeisterin) und Tim Büscher (Installateur- und Heizungsbaumeister).
  • Als Lebensretterinnen wurden geehrt: Karla Fuhrmann und Annicka Vogt, beide Rettungsschwimmerinnen der DLRG Hofgeismar.
  • Den Bürgerpreis der Stadt Hofgeismar erhielt das Zeltlagerteam des TSV Hombressen. Zum 50. Mal gestaltet das Team in diesem Jahr ein einwöchiges Zeltlager für Kinder.

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