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Hofgeismar und Pont-Aven bekräftigen Freundschaft mit einem großen Fest

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Von: Thomas Thiele

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Als Symbol für 50 Jahre brüderliche Beziehungen in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ stiegen nach der Enthüllung der aktualisierten Freundschaftsstele vor dem Rathaus genau 50 Brieftauben in den Himmel.
Als Symbol für 50 Jahre brüderliche Beziehungen in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ stiegen nach der Enthüllung der aktualisierten Freundschaftsstele vor dem Rathaus genau 50 Brieftauben in den Himmel. © Thomas Thiele

Beim Jubiläumsfest in Hofgeismar wurde die 50-jährige Städtepartnerschaft zum französischen Pont-Aven gefeiert.

Hofgeismar – Die anfängliche Sorge, ob denn genug Hofgeismarer zum Jubiläumsfest kommen würden, um so ihre Unterstützung für die seit 50 Jahren bestehende Städtepartnerschaft mit dem französischen Pont-Aven zeigen, war unbegründet. Als das Fest am Samstagnachmittag vor dem Rathaus begann, war der Platz mit Besuchern gut gefüllt, die nicht nur wegen des Essens gekommen waren.

Mit einer Delegation aus Frankreich und etlichen Hofgeismarer Bürgern wurde bei Wanderung, Empfang, Essen und Festakt das Partnerschaftsversprechen mit Pont-Aven nach 50 Jahren erneuert. Foto: Thomas Thiele
Auftritte der Vereine vor dem Rathaus © Thomas Thiele

Der Fanfarenzug Hofgeismar, der schon oft in Pont-Aven war, spielte deutsche und französische Musik und Nationalhymnen, Kinder und Jugendliche der Tanzgruppen des Volleyballclubs Blockfrei und der Karnevalsgesellschaft Goldene Elf wirbelten nach zum Teil langer Auftrittspause über die Bühne. Ihre Geduld wurde aber auf eine harte Probe gestellt, denn zwischendurch gab es mehrfache Redebeiträge, die wegen der nötigen Übersetzung ins Französische beziehungsweise Deutsche doppelt so lang ausfielen wie gewöhnlich. Der Ukrainekrieg zeige, wie brüchig Frieden ist. Deshalb sei es wichtig, Freundschaften über Grenzen hinweg zu pflegen.

Mit einer Delegation aus Frankreich und etlichen Hofgeismarer Bürgern wurde bei Wanderung, Empfang, Essen und Festakt das Partnerschaftsversprechen mit Pont-Aven nach 50 Jahren erneuert. Foto: Thomas Thiele
Eintrag ins Goldene Buch © Thomas Thiele

Am Ende erlebten alle Teilnehmer die erneute Enthüllung der Freundschaftsstele, die 1997 zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft in Sichtweite des Denkmals für die Opfer des Deutsch-französischen Krieges von 1870/71 aufgestellt wurde. Nachdem das per Seil abgezogene Tuch erst klemmte und von Helfern (darunter Landrat Andreas Siebert) gelöst werden musste, stiegen 50 Tauben auf. Jede symbolisierte eines der erlebten Freundschaftsjahre der beiden Städte.

Neu-Unterzeichnung der Urkunden (von links: Maryvonne Jacq, Torben Busse, Christian Dautel, Annaig Jacq.
Neu-Unterzeichnung der Urkunden (von links: Maryvonne Jacq, Torben Busse, Christian Dautel, Annaig Jacq. © Thomas Thiele

Feier zur 50-jährigen Städtepartnerschaft von Hofgeismar und Pont-Aven: Dank geht an Vereine und Schulen

Dass es das Verdienst vieler engagierte Menschen war, die diese Partnerschaft mit Leben erfüllten, das war auch das Thema der Redebeiträge der beiden Bürgermeister Torben Busse und Christian Dautel sowie der beiden Partnerschaftsvereinsvorsitzenden der beiden Städte, Maryvonne Jacq und Annaig Jacq. Vermutlich weltweit einmalig sind die beiden Vorsitzenden Schwestern, sodass es eine große emotionale Motivation für beide gebe, die Partnerschaft voranzutreiben. Ohne die Familie Jacq, denn auch ihr Vater war als Vorsitzender tätig, hätte die Partnerschaft vermutlich eine zeitweilige Krisenphase nicht überlebt.

Freundschaft zwischen Hofgeismar und Pont-Aven – Junge Generation soll davon profitieren

Bei einem Empfang mit Hofgeismarer Stadtverordneten, Stadträten, langjährigen Unterstützern sowie den Alt-Bürgermeistern Horst Buchhaupt und Heinrich Sattler, wurde auch denen gedankt, die durch gegenseitige Besuche die Partnerschaft förderten. Dazu gehören die Feuerwehren ebenso wie Sportvereine und Schulen, frühere Lehrer und viele Einzelpersonen wie Erika Schnaubelt, Waltraud Böttner, Diana Klinter und Wilfried Eckart, die besonders gelobt wurden.

Das Programm gestalteten auch Vereine mit, darunter (wie hier) die Kindertanzgruppen des VC Blockfrei.
Das Programm gestalteten auch Vereine mit, darunter (wie hier) die Kindertanzgruppen des VC Blockfrei. © Thomas Thiele

Bürgermeister Christian Dautel, der unter anderem von den Stadtverordneten Armelle Diquelou, Hervé Le gac (Fachgebiet Bauwerke und Hafen), Jean-Pierre Lebrun (Fachgebiet Vereine und Kultur) begleitet wurde, erhielt unter anderem Wurst, Honig und Schnaps überreicht. Er kündigte an, dass man den Hofgeismarern beim Gegenbesuch im Sommer 2023 Honig und Meeresfrüchte und andere Spezialitäten der Bretagne vorstellen wolle. Für die Partnerschaft habe es absolute Priorität, die junge Generation über Sport, Kultur und Schulen einzubinden.

Mit einer Delegation aus Frankreich und etlichen Hofgeismarer Bürgern wurde bei Wanderung, Empfang, Essen und Festakt das Partnerschaftsversprechen mit Pont-Aven nach 50 Jahren erneuert. Foto: Thomas Thiele
Tischdekoration in französischen Farben © Thomas Thiele

Bürgermeister Torben Busse zog das Fazit, dass man mit dem Besuch aus Pont-Aven „eine kleine Delegation, aber mit einem sehr großen Herzen“ kennengelernt habe.

Mit einer Delegation aus Frankreich und etlichen Hofgeismarer Bürgern wurde bei Wanderung, Empfang, Essen und Festakt das Partnerschaftsversprechen mit Pont-Aven nach 50 Jahren erneuert. Foto: Thomas Thiele
Stadtführung mit Stadtwächter Claus Schubert © Thomas Thiele

Hofgeismar ist die Wiege Europas: Gäste aus Pont-Aven erfuhren bei Ausflügen überraschende Fakten

Dass es Europa in seiner heutigen Form mit 27 befreundeten Staaten überhaupt gibt, ist auf einen Mann aus Hofgeismar zurückzuführen. Diesen kaum bekannten Fakt schilderte Stadtführer Claus Schubert den französischen Besuchern und weiteren Teilnehmern der Partnerschaftsvereine bei einem kurzen Stadtrundgang in Hofgeismar.

Fachmann dokumentiert: Bürgermeister Christian Dautel, von Haus aus Architekt, interessierte sich für die Bauart der nordhessischen Häuser und fotografierte auch die französischen Inschriften, wie hier an der Hugenottenkirche in Schöneberg
Fachmann dokumentiert: Bürgermeister Christian Dautel, von Haus aus Architekt, interessierte sich für die Bauart der nordhessischen Häuser und fotografierte auch die französischen Inschriften, wie hier an der Hugenottenkirche in Schöneberg. © Thiele, Thomas

Denn der Deutsch-französische Freundschaftsvertrag, den Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle 1963 unterzeichneten und der die spätere europaweite Kooperation einleitete, der wurde mit angeregt, weil de Gaulle von einem Vertrag erfuhr, den zehn Jahre zuvor, nämlich am 8. Mai 1953, zwei katholische Geistliche vereinbart hatten.

Der Hofgeismarer Dechant Joseph Weber hatte nach den Ursachen der langen Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich gesucht, die Ideologien ermittelt, die zu Kriegen führen und sich dann in Frankreich eine Kirche gesucht, die unter demselben Schutzpatron steht wie die katholische Kirche St. Peter in Hofgeismar. Er fand sie in der Kirchenburg des Klosters auf dem berühmten Mont Saint Michel in der Normandie. Er reiste damals, was noch sehr gewagt war, nach Frankreich und brachte eine in Latein und Französisch verfasste Freundschaftsurkunde mit, die immer noch existiert.

Mit einer Delegation aus Frankreich und etlichen Hofgeismarer Bürgern wurde bei Wanderung, Empfang, Essen und Festakt das Partnerschaftsversprechen mit Pont-Aven nach 50 Jahren erneuert. Foto: Thomas Thiele
Verpflegung im Hugenottenhaus in Schöneberg mit nordhessischer Pizza (mit Mettwurst, Schmand und Handkäse). © Thomas Thiele

Das nordhessische Essen kam gut an

Diese und andere ungewöhnliche Fakten beeindruckten die Gäste aus Pont-Aven ebenso wie die Erlebnisse bei einer Wanderung mit fast 40 Personen von Carlsdorf bis ins ebenfalls vor rund 320 Jahren von französischen Glaubensflüchtlingen gegründete Schöneberg. Pont-Avens Bürgermeister Dautel gefielen die Kultur-Landschaft mit bäuerlichem Hintergrund, die freundlichen Menschen, das nordhessische Essen beim Heimatverein im Schöneberger Hugenottenhaus und vor allem die Idee, bei einer Wanderung den Kopf frei und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. (Thomas Thiele)

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