Ehrenbrief lag im Stadtarchiv

Hofgeismar will Hitler Ehrentitel aberkennen

Hofgeismar. Die Stadt Hofgeismar will Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft aberkennen. Den Titel hatte der NS-Diktator 1933 verliehen bekommen.

Das war in Vergessenheit geraten, die aktuelle Ausstellung im Stadtmuseum gab nun den Anstoß für eine Initiative über Parteigrenzen hinweg.

„Wir sind uns einig, dass wir dagegen etwas machen wollen“, sagt Hofgeismars Parlamentschefin Monika Grebing. Der Ältestenrat der Stadt hatte am Montag darüber gesprochen, nun prüfe die Verwaltung, wie eine Aberkennung möglich ist. Laut Satzung der Stadt kann Hofgeismar „die Ehrenbezeichnung wegen unwürdigen Verhaltens entziehen“.

Den Ball ins Rollen gebracht hatte die Ausstellung „Was Steine erzählen“, die die Hofgeismarerin Julia Drinnenberg mit Schülern erarbeitet hatte. Sie war im Stadtarchiv auf den Ehrenbrief gestoßen, der nun Teil der Ausstellung ist. Drinnenberg: „Die Schüler fanden es problematisch, wenn heute wieder einmal jemand zum Ehrenbürger ernannt werden sollte“, sagt sie.

Bei der Ausstellungseröffnung wurde Parlamentschefin Grebing auf das Thema aufmerksam. Dass Hitler die Ehrenbürgerwürde noch hatte, sei in Hofgeismar vorher „nicht im Bewusstsein gewesen“. Jetzt wolle man die Sache aber endgültig und schnell abarbeiten.

Auch andere Gemeinden im Landkreis sind in den vergangenen Jahren diesen Schritt gegangen. Viele hatten wie Hofgeismar 1933 die Ehrenbürgerschaft Hitlers beantragt, um sich mit den Nationalsozialisten gut zu stellen.

Der Historiker Prof. Dr. Winfried Speitkamp von der Uni Kassel hält eine Beschäftigung mit solchen Altlasten für wichtig. „Wenn Hitler als Ehrenbürger verzeichnet ist, muss man dazu Stellung nehmen und sich distanzieren.“ Eine Stadt dürfe auf keinen Fall so tun, „als wäre nichts gewesen“.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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