Wohnungen für arme Leute werden knapp

Hofgeismar. Wer einen sozialen Absturz hinter sich hat und seine Wohnung verliert, hat kaum Chancen, eine neue dauerhafte Bleibe zu finden.

Davor warnen die Fachberatungsstelle Wohnen und der Tagestreff Kanapee des Diakonischen Werks in Hofgeismar.

Das größte Problem: Es gibt zu wenige kleine Wohnungen im Landkreis, die vom Jobcenter bezahlt werden. Durch die Flüchtlingskrise könne sich die Situation verschärfen, befürchten die Sozialarbeiter Sabine Soldan und Hagen Büxel.

Als Beispiel nennen sie die Lage in Hofgeismar: Von September bis November ließen sich laut Auswertung von Wohnungsannoncen gerade einmal vier 1-2-Zimmerwohnungen finden, die der Mietgrenze der KDU-Liste (Kosten der Unterkunft) entsprechen. Nach der richtet sich der Landkreis Kassel.

Die Lage in Hofgeismar sei dabei auf andere Städte übertragbar, die nicht in unmittelbarer Nähe zu Kassel liegen: „Seit den 90er-Jahren hat man es versäumt, sozialen Wohnungsbau zu betreiben“, sagt Büxel.

Deshalb gebe es in der Stadt vor allem alte Bauernhäuser, die zu groß seien für einzelne Wohnungslose, und Nachkriegsbauten, deren Anmietung zu hohe Hürden aufwiesen. Sie sind beispielsweise durch energetische Sanierung zu teuer geworden oder eine Schufa-Auskunft ist nötig. Das größte Problem sei aber, dass viele Vermieter Wohnraum nicht mehr am Mietmarkt anböten, weil sie seit Jahren auf Fördergeld warteten. Zudem hielten auch die Kommunen oft keine oder nur wenige Notunterkünfte vor.

Büxel und Soldan hoffen, mit den Kommunen einen Diskussionsprozess in Gang zu bringen. Keine Gemeinde müsse selbst bauen, aber sie müsse sich so präsentieren, dass sie Vermietern von sozialem Wohnraum etwas anbieten könne. Denkbar sei beispielsweise, dass Kommunen Garantien übernähmen oder eine Gesellschaft zwischenschalteten, die Vermietern Risiken einer Vermietung an Sozialschwache abnehme.

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