Interview mit Pfarrer Sven Wollert

Glocken sollen in der Krise verbinden

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Symbol für Verbundenheit: Mit einem koordinierten Mittagsläuten wollen Kirchengemeinden in der Coronakrise ein Signal setzen. Unser Bild zeigt die Altstädter Kirche in Hofgeismar. 

Die Auswirkungen des Coronavirus stellen auch den evangelischen Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen vor Herausforderungen.

Beerdigungen mit eingeschränkter Besucherzahl, abgesagte Konfirmationen, Gottesdienste und Bibelsprüche im Internet. Wir haben mit dem Öffentlichkeitsbeauftragtem des Kirchenkreises, Pfarrer Sven Wollert aus Westuffeln, darüber gesprochen. Hier haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wie geht die Kirche mit den Regelungen zu Beerdigungen um?

Sie setzt die Vorgaben der Behörden um. Dekan Wolfgang Heinicke hat angeordnet, dass es bis auf Weiteres keine „großen Beerdigungen“ unter Mitwirkung evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer oder/und auf Friedhöfen des kurhessischen Rechtskreises (sog. Kirchliche Friedhöfe) im Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen gibt. „Die Trauerfeiern finden im engen Kreis der Hinterbliebenen statt.“ Hinzu kämen weitere, von den Kommunen vorgegebene Maßnahmen wie zwei Meter Sicherheitsabstand zwischen den Teilnehmern, eine Anwesenheitsliste, Desinfektionsmittel vor Ort, erklärt Sven Wollert. Üblicherweise erlasse der Dekan keine Dienstanweisung an die Pfarrer. Aber die Situation sei derzeit eben außergewöhnlich.

Was bedeutet enger Kreis der Hinterbliebenen?

Dieser umfasse den Partner oder die Partnerin, Eltern, Kinder und Geschwister, informiert der Kirchenkreis. Es kämen gegebenenfalls noch die Partnerinnen und Partner der beiden letztgenannten Gruppen in Betracht. Seiner Ansicht nach solle eine Richtzahl von 20 Personen nicht überschritten werden, erklärt der Dekan. „Wenn es sinnvollerweise für eine Zeit verboten ist, dass sich unsere Kinder und Enkel auf den Spielplätzen treffen, dann ist es erst recht verboten, dass sich die Erwachsenen in größeren Zahlen auf den Friedhöfen treffen, zumal es sich bei mehr als der großen Mehrheit der Trauergäste um Angehörige der Risikogruppe handelt“, erklärt Heinicke weiter.

Wie steht der Dekan zu den Regelungen?

„Die Maßnahmen wurden getroffen, um zu verhindern, dass erkrankte Menschen wegen Überlastung der Kliniken nicht behandelt werden können; dahinter muss das Bedürfnis nach Teilnahme an einer Trauerfeier zurückstehen. Das ist auch ethisch geboten“, heißt es in einer Mitteilung von Wolfgang Heinicke.

Wie reagieren die Trauernden darauf?

Die Regelung stoße teilweise auf Unverständnis, räumt Pfarrer Sven Wollert ein. Die Trauernden befänden sich ja ohnehin schon in einer emotionalen Ausnahmesituation. Für ihn als Pfarrer sei es dann die Aufgabe, ihnen den Hintergrund der Entscheidung verständlich zu machen. Das Angebot der geistlichen Begleitung bestehe ja weiter, auch Trauergespräche per Telefon seien möglich.

Wird die Kirche Trauergottesdienste nachholen?

Wenn die Krise vorbei sei, dann sei es möglich, Trauer- und Gedenkgottesdienste in größerem Rahmen nachzuholen, erklärt Sven Wollert. Ob dies dann für jeden einzelnen Verstorbenen oder für mehrer gemeinsam geschehen wird, müsse man dann noch abstimmen.

Was ist mit den geplanten Konfirmationen?

Für April werden sie nicht stattfinden, und es gebe auch den Hinweis des Prälaten der Landeskirche, dass man auch die für Mai angesetzten verschieben solle. Man stehe dazu mit den Eltern in Kontakt, sagt Wollert.

Gibt es trotzdem noch Konfirmandenunterricht?

Auf ungewöhnlichen Wegen. Pfarrer Wollert beispielsweise hat für die zehn Konfirmanden aus der Kirchengemeinde Oberweser-Westuffeln am Dienstagnachmittag erstmals den Unterricht per App abgehalten. Telefonisch seien dabei alle miteinander verbunden gewesen, die Gruppe habe beispielsweise gemeinsam einen Psalm gebetet. „Mit einem zeitverzögerten Amen“, sagt Wollert. Dazu konnte er per App auch Texte zum Lesen und eine Umfrage zum Thema Glauben hochladen, die von den Konfirmanden bearbeitet wurden. „Am Ende fanden die das Ganze so ganz interessant.“

Was ist mit der geplanten Kreissynode?

Die konstituierende Tagung der Kreissynode, die für den 21. März terminiert war, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Landeskirche habe die neugebildeten Kirchenkreise von der gesetzlichen Vorgabe, bis 31. März die neuen Kirchenkreisvorstände zu konstituieren, aufgrund der allgemeinen Lage befreit.

Sind Pfarrer derzeit auch im Homeoffice?

Je nach persönlicher Situation und Risikoeinstufung. Sven Wollert macht derzeit Homeoffice. Auch die Besuchsdienste aus der Kirchengemeinde an Geburtstagen sind abgesagt worden. „Doch wir rufen die Menschen an.“ Gottesdienste finden nicht statt, aber bei ihm in der Gemeinde sei eine von zwei Kirchen täglich eine Stunde für das Gebet Einzelner offen.

Wie hält die Kirche sonst Kontakt mit Gläubigen?

Man stimme im Kirchenkreis ab, wie man Andachten per Internet oder Telefon abhalten könne, erklärt Wollert. Es gebe Kollegen, die würden auch Facebook für die Verbreitung geistlicher Inhalte nutzen. Und Prälat Bernd Böttner habe angeregt, vor allem das Mittagsläuten stärker in den Blick zu nehmen und möglichst in allen Gemeinden zeitgleich um 12 Uhr erklingen zu lassen. „Unsere Glocken rufen drei Mal täglich zum Gebet. Dadurch sind wir verbunden, auch wenn wir räumlich getrennt sind“, sagt Wollert.

Nun ohne Gottesdienste: Auch Pfarrer wie Sven Wollert von der Gemeinde Obermeiser-Westuffeln stellt Corona vor Herausforderungen.

Weitere Infos unter kirchenkreis-hofgeismar-wolfhagen.de

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