Freund belastet – Geldstrafe von 4000 Euro

Hofgeismarer Amtsgericht: Angeklagter fuhr mit Tempo 100 durch die 30er-Zone

Ein Richterhammer auf einem Tisch
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Ein junger Mann musste sich vor dem Amtsgericht in Hofgeismar verantworten.

Das hätte schlimmer enden können für den jungen Mann, der sich jetzt wegen mehrerer Delikte vor dem Amtsgericht Hofgeismar verantworten musste.

Hofgeismar - Die Anklage beinhaltete anfangs unter anderem ein verbotenes Autorennen in Tateinheit mit Straßenverkehrsgefährdung, Kennzeichenmissbrauch und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dass am Ende die Vorwürfe Autorennen und Straßenverkehrsgefährdung entfielen, wirkte sich strafmildernd für den 23-Jährigen aus.

Die Staatsanwältin hielt dem Kasseler zunächst vor, im März 2020 mit einem nicht angemeldeten und versicherten Audi A4 von Kassel nach Hofgeismar gefahren zu sein. Mit ihm im Auto saß ein Bekannter, zu dessen Freundin sie fahren wollten.

In Hofgeismar fiel der A4 dann der Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit in der Straße am Anger auf. Statt der Aufforderung der Beamten zu folgen und den Wagen anzuhalten, ging es mit hoher Geschwindigkeit auf die B83, die Beberbecker Allee und weiter Richtung Tierpark Sababurg.

Dabei, so die Anklageschrift, erreichte der Wagen des Kasselers in Tempo-30-Zonen bis zu 100 Stundenkilometern, rote Ampeln wurden überfahren, Vorfahrtsregeln missachtet, sodass andere Verkehrsteilnehmer nur mit Vollbremsung und riskanten Ausweichmanövern schweren Unfällen entgehen konnten.

Auf der Reinhardswald Höhenstraße steuerte der Fahrer einen Waldweg an, um der Polizei entgehen zu können. Dort endete die Flucht wegen eines umgestürzten Baumes. Vor Gericht sagte der 23-Jährige aus, selbst gar nicht gefahren zu sein. Der Freund habe am Steuer gesessen. Er selbst sei nur die wenigen 100 Meter in den Wald hineingefahren.

Gegenüber den Beamten habe er alles eingestanden, um seinen Freund zu schützen, da dieser als Fahrer in einer Spedition tätig gewesen sei und nach dem Vorfall den Job verloren hätte.

Das klang für den vorsitzenden Richter zwar alles eher unglaubwürdig, doch könne das Gegenteil nicht bewiesen werden. Auch der Rechtsanwalt des Angeklagten räumte ein, diese Version seines Mandanten zunächst als wenig glaubhaft angesehen zu haben. Ein Chatverlauf im PC des Angeklagten habe dessen aktuelle Einlassung indes bestätigt.

Gemeinsam mit der Staatsanwältin einigten sich Rechtsanwalt und Richter schließlich darauf, als Straftatbestände lediglich die Punkte Fahren ohne Fahrerlaubnis mit einem nicht angemeldeten und nicht versicherten Auto stehen zu lassen.

Die Anklagevertreterin forderte dafür eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen a 40 Euro sowie die Auflage, ein Jahr keinen Führerschein erwerben zu dürfen. Dem schlossen sich dann sowohl der Rechtsanwalt als auch der Richter an.

Der schrieb dem 23-Jährigen bei der Urteilsverkündung allerdings noch einmal mit Nachdruck ins Stammbuch, was die Folgen gewesen wären, wenn es bei der halsbrecherischen Fahrt mit dem nicht versicherten Pkw tatsächlich zu einem Unfall mit hohem Schaden gekommen wäre. (Peter Kilian)

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